Hausdurchsuchung bei Pierin Vincenz

Die Raiffeisenbank reicht gegen Pierin Vincenz Strafanzeige ein
Die Raiffeisenbank reicht gegen Pierin Vincenz Strafanzeige ein © Keystone/EQ Images/Urs Bucher
Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat gegen Pierin Vincenz als ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten der Kreditkartengesellschaft Aduno ein Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung eröffnet. Am Dienstag wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Die Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte des Kantons Zürich hat gestützt auf eine Anzeige von Aduno im Dezember 2017 gegen Pierin Vincenz als ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten sowie gegen ein weiteres ehemaliges Verwaltungsratsmitglied ein Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung eröffnet, wie die Oberstaatsanwaltshaft am Mittwoch mitteilte. Vinzenz war im vergangenen Juni als Verwaltungsrat der Kreditkartengesellschaft ausgeschieden.

Hausdurchsuchungen durchgeführt

Das Verfahren wurde zudem auf drei weitere Personen aus dem beruflichen Umfeld der Beschuldigten ausgedehnt. Am Dienstag führte die Zürcher Staatsanwaltschaft zusammen mit der St.Galler Staatsanwaltschaft Razzien am Wohnsitz und in den Büros der gesamthaft fünf Beschuldigten durch. «Es wurde bei allen Beschuldigten sowohl in den Büros als auch in den privaten Haushalten eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei umfangreiches Material sichergestellt», sagt Corinne Bouvard, Mediensprecherin der Oberstaatsanwaltschaft Zürich.

Aktuell laufen die Einvernahmen der Beschuldigten. Ob Untersuchungshaft gegen die einzelnen Personen beantragt wird, soll sich im Verlaufe des Tages zeigen.

Auch Raiffeisen reicht Strafanzeige ein

Auch die Raiffeisen hat als Reaktion auf diese Ereignisse Strafanzeige eingereicht. Sie tritt als Privatklägerin auf. «Es besteht der Verdacht auf ungetreue Geschäftsführung. Zusätzlich liegen der Raiffeisen neue Indizien der Oberstaatsanwaltschaft Zürich vor», sagt Dominik Chiavi, Mediensprecher der Raiffeisenbank Schweiz. Diese nehme die Bank als Anlass, auf die juristische Aufklärung der Vorgänge zu drängen.

Der Verwaltungsrat hat dies auf Antrag der Geschäftsleitung entschieden. «Raiffeisen leistet damit einen maximalen Beitrag zur lückenlosen Aufklärung aller Vorgänge.»

Hausdurchsuchung kam überraschend

Wie Vincenz über seine PR-Agentur mitteilte, kam die Hausdurchsuchung für ihn völlig überraschend. «Als gestern Morgen früh die Polizei vor der Tür stand, war das für mich ein Schock. Ich bin von dieser Strafuntersuchung total überrascht und erstaunt. Ich bestreite die gegen mich erhobenen Vorwürfe vehement und werde mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren», sagt der ehemalige Präsident der Raiffeisen und von Helvetia. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Interessenskonflikte mit der Finma?

Nebst den Verfahren gegen verschiedene Verwaltungsratsmitglieder und Personen aus deren Umfeld untersucht die Staatsanwaltschaft Zürich gemeinsam mit der Kantonspolizei Zürich auch das Verfahren der Finanzmarktaufsicht Finma. Es sei möglich, dass strafrechtlich relevante Interessenskonflikte bestanden hätten, schreibt die Staatsanwaltschaft Zürich.

Auch die Finanzmarktaufsicht Finma führte bereits eine Untersuchung gegen Vincenz – stellte diese aber Ende Dezember 2017 ein. Das Verfahren sei gegenstandslos geworden, weil Vincenz sich entschieden habe, von seinen Führungsfunktionen bei der Versicherungsgruppe Helvetia zurückzutreten.

Damit zog sich Vincenz aus der von der Finma beaufsichtigten Branche ganz zurück. Andere Ämter hatte er zuvor schon aufgegeben. In der Folge wurde das Verfahren gegen ihn gegenstandslos. Auslöser für die Finma-Untersuchung waren Interessenkonflikte im Zusammenhang mit bedeutenden Beteiligungen. Diese warfen Fragen zur einwandfreien Geschäftsführung auf. Ein Finma-Verfahren gegen Raiffeisen läuft noch.

(SDA/red)


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