Heck weggesprengt – Bombe oder Pfusch?

Heck weggesprengt – Bombe oder Pfusch?
© Trümmer des in Ägypten abgestürzten russischen Flugzeugs (AP)
Beim Absturz der russischen Maschine hat es an Bord offenbar eine Explosion gegeben. Noch ist unklar, ob die Tragödie mit 224 Toten durch schlampige Wartung oder durch einen Terroranschlag ausgelöst wurde. Wir haben die gängigsten Thesen rund um das rätselhafte Ende des Kogalymavia-Fluges 9268.

Was wir bisher wissen: Am Samstag stürzte ein Airbus A321-231 mit Ziel St. Petersburg rund 23 Minuten nach dem Start im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh über der Sinai-Halbinsel ab. Dabei verloren alle 224 Personen an Bord von Kogalymavia-Flug 9268 ihr Leben. Die ermittelnden Behörden konnten menschliches Versagen (Fehler der Piloten) schon früh als Absturzursache ausschliessen.

Zum Absturz: Das Heck des Flugzeugs wurde in 9’000 Metern abgerissen. Dadurch entstand am hinteren Ende am Heck der Maschine ein grosses Loch. Die Passagiere wurden – die meisten noch im Sitz angeschnallt – durch den Sog aus der Maschine gerissen. Laut neusten Angaben zeichnete der Flugschreiber (Blackbox) kurz vor dem Absturz “für einen Routineflug ungewöhnliche Geräusche” auf. Weiteres dazu ist noch nicht bekannt. Fest steht, dass die Crew keine Zeit mehr hatte, einen Notruf abzusetzen. In den Ermittlungen stechen momentan zwei Thesen heraus – schlampige Wartung oder ein Terrorakt.

Beschädigtes Seitenleitwerk: In russischen Medien kursieren Bilder von einer Kogalymavia-Maschine mit einem beschädigten Seitenleitwerk. Angeblich handelt es sich dabei um den Unglücksflieger. Laut der russischen News-Seite “E1.ru” wurde das Bild am 13. Mai dieses Jahres aufgenommen. Gemäss dem Fotografen musste die Maschine nur einen Tag nach Entstehen der Aufnahme nach dem Start in Moskau wegen Hydraulikproblemen notlanden. Wie ein Pilot gegenüber “E1.ru” mutmasst, stammen die Flecken am Seitenleitwerk von ausgelaufener Hydraulik-Flüssigkeit. Der “Riss” legt die Vermutung nahe, dass das Seitenleitwerk wegen Materialermüdung im Flug einfach weggerissen worden sein könnte. Zusätzlich wird diese These durch das generell schlechte Image von russischen Airlines genährt. Diese sind in der Szene als mangelhaft gewartete Flieger berüchtigt und werden von manchem Passagier bewusst gemieden.

Das mumasslich beschädigte Seitenleitwerk der Unglücksmaschine. Bild: Eu.ru

Das mumasslich beschädigte Seitenleitwerk der Unglücksmaschine. Bild: Eu.ru

Raketenabschuss: Schon kurz nach dem Bekanntwerden behauptete die Terrororganisation “IS”, für den Absturz des russischen Airbus verantwortlich zu sein. Unterdessen kursiert im Netz auch ein Video, in dem ein Dschihadist zu sehen ist, der sich bei seinen “Brüdern auf Sinai” für den erfolgreichen Abschuss über der Halbinsel bedankt. Für die Terror-Ursache stehen zwei Beweise im Vordergrund. Satelliten verzeichneten unmittelbar vor dem Absturz einen Hitzeblitz. Zudem weist laut einem ägyptischen Arzt im “Telegraph” rund ein Fünftel der insgesamt 224 Opfer starke Brandspuren auf. Das nährt die Annahme, dass es eine Explosion gegeben haben muss, zusätzlich.

Die “Lockerbie”-Bombe: Auch eine Explosion im Form einer Bombe innerhalb des Flugzeugs kommt als mögliche Ursache in Betracht. Im Dezember 1980 wurde PanAm-Flug 103 mutmasslich durch eine von libyschen Geheimdienstlern an Bord geschmuggelte Kofferbombe über der schottischen Ortschaft Lockerbie zerstört – dabei kamen 259 in der zerstörten Boeing und 11 weitere Menschen am Boden ums Leben. Die Parallele: Auch hier zerbrach die Maschine noch in der Luft in mehrere Teile, Menschen zerschellten aus mehreren tausend Metern Höhe noch angeschnallt auf dem Erdboden. Im Internet wird bereits eifrig über die sich ähnelnden Schadensbilder der beiden Tragödien debattiert.

(mla)


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