Heidi Diethelm Gerber schiesst sich aufs Podest

Die glückliche Märstetterin auf dem Podest.
Die glückliche Märstetterin auf dem Podest. © EPA/ARMANDO BABANI
Die Schweiz hat ihre erste Medaille an den olympischen Spielen. Die Märstetterin Heidi Diethelm Gerber gewinnt Bronze über 25 Meter Sportpistole. Sie konnte sich gegen die Weltnummer 1 durchsetzen.

Die 47-jährige Thurgauerin sorgte für die erste Olympia-Medaille einer Schweizer Schützin überhaupt. Die vorangegangenen 20 Medaillengewinne bei Olympischen Spielen waren alle auf das Konto von männlichen Schützen gegangen. Als letzter Schweizer hatte der Obwaldner Michel Ansermet vor 16 Jahren in Sydney auf dem Podest gestanden. Im Wettkampf mit der Schnellfeuer-Pistole über 25 m hatte er Silber geholt. Im Duell um Platz 3 setzte sich Diethelm Gerber gegen die Chinesin Zhang Jingjing, die Nummer 1 der Welt, durch.

Mit der Hand im Hosensack – ihrer typischen Stellung – schoss sich die Märstetterin aufs Podest. Im Duell um die Bronzemedaille gegen die Weltranglistenerste Zhang Jingjing, die Weltmeisterin von 2014, setzte sich Diethelm Gerber mit 8:4 durch. Das Edelmetall hatte sie schon vor ihrem letzten Schuss auf sicher.

Chinesische Gegnerin einzige Gratulantin

Die Freude war riesig, auch wenn sie das im ersten Moment nicht richtig ausdrücken konnte. Mit in die Höhe gestreckten Armen strahlte sie übers Gesicht. Aber im Schiessen ist grenzenloser Jubel keine einfache Sache. Die Schützin steht allein auf weiter Flur. Ihr Trainer und Ehemann, Ernst Gerber, durfte nicht zu ihr vor. Die erste und einzige Gratulantin in den ersten Minuten nach dem finalen Schuss war die chinesische Gegnerin. Danach galt es, der Prozedur zu folgen. Sachen zusammenpacken, ab zur Nachkontrolle der Waffe und der Schuhe, ehe die Medaillenzeremonie gleich im Schützenhaus folgte.

Erfolgreiches Jahr für die Thurgauerin

Heidi Diethelm Gerbers Bronzemedaille ist eine Überraschung, aber keine Sensation. Vor genau einem Jahr gewann die Thurgauerin Gold an den Europa-Spielen in Baku. Seither erreichte sie an drei von vier Weltcup-Veranstaltungen den Final, klassierte sich dort aber dreimal im 5. Rang. Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt reichte es zum grossen Wurf: Die Bronzemedaille überreichte ihr der Freiburger René Fasel, IOC-Mitglied und Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF.

Harter Kampf gegen Zhang

Nach der Zeremonie sprudelte es aus der 47-Jährigen nur so heraus. Ein harter Kampf sei es gewesen. Im Halbfinal habe sie sich viel besser und stärker gefühlt als in der Qualifikation, in der sie beinahe ausschied. Und vor dem Kampf um Bronze habe sie mit “Leder” gerechnet, denn mit der Chinesin Zhang, der besten Sportpistolenschützin der Welt, hatte sie sich schon oft duelliert – und meistens den Kürzeren gezogen.

Mehr als Bronze möglich gewesen

Bei der Halbfinalqualifikation war auch eine Prise Glück mit im Spiel; im Halbfinal wäre dann aber sogar noch mehr als Bronze möglich gewesen. Geschossen wurden fünf Passen à je fünf Schüsse. Nach der zweiten Passe lag Diethelm Gerber auf Platz 2, nach der dritten Passe grüsste sie sogar als Leaderin, nach der vierten Passe belegte sie immer noch Platz. Zwei Fehlschüsse bei der letzten Passe kosteten den Durchmarsch in den Final. Den bestritten schliesslich die Griechin Anna Korakaki, die nach Bronze mit der Luftpistole diesmal Gold holte, und die Deutsche Sportsoldatin Monika Karsch.

(SDA)


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