Ermittlungen nach Absturz in Kolumbien

Die Trümmer des Flugzeuges in den Bergen Kolumbiens.
Die Trümmer des Flugzeuges in den Bergen Kolumbiens. © KEYSTONE/AP/FERNANDO VERGARA
Fast das gesamte Profiteam des brasilianischen Fussballclubs Chapecoense ist tot. Aus aller Welt gibt es Anteilnahme, im Heimatort werden Kathedrale und Stadion zum Ort des Trauerns. Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf technische Mängel an der Maschine.

«Die Lichter begannen 40, 50 Sekunden vor dem Absturz zu flackern und gingen aus», berichtete eine überlebende Stewardess dem Gouverneur des kolumbianischen Departements Antioquia.

In der Nähe der kolumbianischen Stadt Medellín war die gecharterte Maschine am Montagabend auf dem Weg zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional bei schlechtem Wetter an einem Berg abgestürzt. Das Flugzeug hatte zuvor einen Notruf abgesetzt.

Laut einem Sprecher der Luftfahrtbehörde gab es Hinweise auf Fehler in der Bordelektronik. Experten vertraten allerdings die Ansicht, dass auch Treibstoffmangel als Unglücksursache in Betracht gezogen werden müsse. «Es ist sehr verdächtig, dass es trotz des Aufpralls keine Explosion gab», sagte ein Vertreter des kolumbianischen Militärs.

Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder der Unglücksmaschine wurden inzwischen gefunden, allerdings war zunächst unklar, wann die ersten Ergebnisse vorliegen werden. Präsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Verkehrsminister Jorge Eduardo Rojas sagte zu, alle Erkenntnisse über die Unglücksursachen zu veröffentlichen.

Die Chartermaschine vom Typ Avro RJ85 war im bolivianischen Santa Cruz gestartet und hatte nur in etwa die Reichweite bis nach Medellín, musste aber – angeblich wegen eines anderen Flugzeugs mit Problemen – vor der Landung noch in eine Warteschleifen gehen, wie Medien berichteten.

Bei dem Absturz starben 71 Menschen, darunter 19 Fussballer und 20 Journalisten, die das Team begleiteten. Die Menschen in der südbrasilianischen Heimat des Clubs stehen unter Schock.

Bei einem Gedenkgottesdienst in der Stadt Chapecó hatten viele Menschen die grünen Trikots des Vereins an, die Kathedrale war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Trauerzug führte zum Stadion des Clubs. Auf dem Spielfeld und in den Tornetzen wurden Rosen abgelegt. Bis Freitag sollen die Leichen von Spielern und Betreuern überführt werden.

Der Club erfährt eine Welle der Hilfsbereitschaft, der brasilianische Fussballverband soll auf Antrag mehrerer Vereine eine Sonderregelung prüfen, wonach Chapecoense drei Jahre lang nicht in die zweite Liga absteigen kann.

Sechs Passagiere überlebten, darunter drei Spieler, sie sind in einem sehr kritischen Zustand. Dem Ersatztorhüter Jackson Follmann musste das rechte Bein amputiert werden. Mittelfeldspieler Neto hat schwere Brüche und ein schweres Schädeltrauma. Abwehrspieler Alan Ruschel erlitt Verletzungen an der Wirbelsäule und könnte durch den Unfall querschnittsgelähmt sein.

(SDA)


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