Hoffnung auf Besseres dank mit Infantino

Der Ball im Mittelpunkt: Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino soll für die FIFA einen Imageumschwung bewirken
Der Ball im Mittelpunkt: Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino soll für die FIFA einen Imageumschwung bewirken © KEYSTONE/EPA/ANDY RAIN
Die Hoffnung auf einen Imageumschwung bei der FIFA ist auch ein Kampf um Bilder. Der neue Präsident Gianni Infantino rückt öffentlichkeitswirksam den Fussball in den Fokus. Eigentlich ist es nur ein Ball.

Als FIFA-Präsident Gianni Infantino das erste Mal die Exekutive des Weltverbands im fensterlosen Untergeschoss der Züricher Zentrale versammelt, sitzt die Regierung um einen kleinen Kunstrasenplatz herum. Auf dem Anstosspunkt ein Fussball. Ein offensichtlich geplantes Signal, dass es auch um den Kampf der Macht von medialen Bildern geht: Das mantrahaft vorgetragene Wahlversprechen Infantinos, er wolle “den Fussball zurück zur FIFA bringen”, soll sich in der Arbeit niederschlagen und den dringend benötigten Imageaufschwung für die krisengeschüttelte Organisation bringen.

Der erste Tag des Nachfolgers von Sepp Blatter beim Treffen des Exekutivkomitees ist noch geprägt von Schlagzeilen über unliebsame Themen der Vergangenheit. Das Millionen-Gehalt von Blatter. Der erste finanzielle FIFA-Verlust seit 13 Jahren. Die Strafanzeige gegen den gesperrten und entlassenen früheren Generalsekretär Jérôme Valcke. Es sei 2015 “ein unglaublich schwieriges Jahr”, schreibt Infantino im Vorwort zum Finanzbericht. Aber: Er sei überzeugt, dass die FIFA “gestärkt aus diesem Sturm” hervorgehe.

Die Intention ist klar ersichtlich: Das beim Krönungs-Kongress von Infantino verabschiedete Reformpaket soll die Grundlage für den Aufschwung aus der immensen Krise zum Guten bilden. Diese moralische Wende verkauft der charismatische, vielsprachige Walliser nach Aussen der Öffentlichkeit und Sponsoren. So stand die Verkündung eines Deals mit einem grossen Player aus Asien kurz bevor. Erhoffte Botschaft: Die Reformen wirken.

Hinter vorgehaltener Hand sprechen einige Teilnehmer der Exko-Sitzungen im futuristischen Kellerraum, der mit seinen dunklen Wänden ein wenig an eine Kommandobrücke bei Star Wars erinnert, von einer deutlich entspannteren Gesprächsatmosphäre als noch unter Blatter. Auch der deutsche Vertreter Wolfgang Niersbach schwärmt von Infantino: “Er macht es glänzend. Er hat den Vorteil, dass er in den ganzen Details drin ist, er kennt das Geschäft von der operativen Seite. Er ist einfach der richtige Mann am richtigen Platz.”

Gute Laune herrscht ebenfalls knapp vier Kilometer unterhalb des Zürichbergs am Uder des Zürichsees. Noch immer nächtigen zahlreiche Mitglieder der FIFA-Familie im Fünf-Sterne-Hotel Baur au Lac, wo zweimal die Polizei mit Festnahmen die Fussballwelt in ihren Grundfesten erschütterte.

Geschäftiges Treiben herrscht am Morgen auf dem engen Platz vor dem Eingang, schwarze Luxus-Limousinen mit abgedunkelten Scheiben warten auf die Exko-Mitglieder. Issa Hayatou, während Blatters Sperre Interimschef, scherzt mit dem einflussreichen Strippenzieher Scheich Ahmad Al-Sabah.

Ein Brasilianer huscht über den Marmorflur an den roten Ledersofas vorbei. Der Berater arbeitete schon für Ricardo Teixeira – die FIFA fordert derzeit im Zuge der US-Ermittlungen Entschädigung von den letzten drei früheren Präsidenten des brasilianischen Verbands CBF. Im Scheinwerferlicht gibt es einige Personalwechsel, hinter den Kulissen sind immer noch alte Bekannte zu finden.

(SDA)


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