Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel tot

Elie Wiesel hat zahlreiche Werke über seine Zeit in Nazi-Konzentrationslagern geschrieben und 1986 den Friedensnobelpreis bekommen. (Archiv)
Elie Wiesel hat zahlreiche Werke über seine Zeit in Nazi-Konzentrationslagern geschrieben und 1986 den Friedensnobelpreis bekommen. (Archiv) © KEYSTONE/EPA/JUSTIN LANE
Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot. Wiesel, der die NS-Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebte und zum hoch geachteten Publizisten wurde, starb im Alter von 87 Jahren in den USA.

Wiesel sei “vor einigen Stunden” gestorben, sagte ein Sprecher der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem am späten Samstagabend in Jerusalem. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Wie die “New York Times” berichtete, starb Wiesel bei sich zuhause in Manhattan.

Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel überlebte das Grauen der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Sein Vater Schlomo, seine Mutter Sarah und die kleinste seiner drei Schwestern starben in der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten.

Nach dem Krieg kam Wiesel in ein Waisenhaus in Frankreich. Später studierte er in Paris Philosophie und Literatur und arbeitete dann als Journalist und Auslandskorrespondent, bis ihn der französische Literaturnobelpreisträger François Mauriac (1885-1970) ermunterte, “an das Unsagbare zu erinnern”.

Wiesel schrieb fast 50 Bücher, Essays, Romane und Theaterstücke, in denen er sich für verfolgte Minderheiten in aller Welt stark macht. 1986 bekam er für seinen Einsatz den Friedensnobelpreis.

Der in New York lebende Schriftsteller engagierte sich besonders für das Wachhalten der Erinnerung an die sechs Millionen Opfer des Holocaust – als Lehre für alle Zukunft. Dabei zeigt er sich auch immer wieder als Versöhner. “Ich habe nie an eine Kollektivschuld geglaubt”, sagte er 2012 bei einem Kongress in Auschwitz. “Die Kinder der Mörder sind keine Mörder, sondern Kinder.”

Sein 1958 veröffentlichtes und in 30 Sprachen übersetztes Werk “Die Nacht”, in dem er prägnant und eindringlich seine Erlebnisse in Auschwitz schildert, ist bis heute eines der meistgelesenen Bücher zum Holocaust. Vor allem in den USA wurde Wiesel damit zur Kultfigur und galt als einer der führenden Köpfe des amerikanischen Judentums.

Wiesel hatte eine Professur für Geisteswissenschaften an der Universität in Boston inne. Daneben kämpfte er mit einer Stiftung gegen Intoleranz und Ungerechtigkeit in der Welt. Meist schrieb Wiesel auf Französisch. Seine Frau Marion war die wichtigste Übersetzerin seiner Werke ins Englische.

Wiesel sei ein “Beispiel an Menschlichkeit” gewesen, “der an das Gute im Menschen glaubte”, sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zum Tod Wiesels. “Elie, ein Meister der Worte, drückte in seiner einzigartigen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse aus.”

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin ehrte Wiesel als Kämpfer gegen jegliche Form von Hass. “Elie Wiesel verkörperte die Entschlossenheit des menschlichen Geistes, die dunkelsten Teufel zu bezwingen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben”, sagte Rivlin am Samstagabend. “Sein Leben war dem Kampf gegen jede Form von Hass gewidmet – er war uns allen ein Vorbild.”

Friedensnobelpreisträger und ehemalige israelische Staatspräsident Schimon Peres hat an Elie Wiesel als Menschen erinnert, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. “Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocaustes”, sagte Peres am Freitag. “Er hat die schlimmsten Gräueltaten der Menschheit ausgehalten, überlebt und sein Leben dem Vermitteln der Nachricht ‘Niemals wieder’ gewidmet.”

In der Schweiz wollte der Bundesrat Wiesel Ende der 1990-er Jahre als Leiter des Spezialfonds für Holocaust-Opfer einsetzen. Wiesel lehnte jedoch ab: In einem Brief an Bundesrat Flavio Cotti erklärt er, es stehe ihm nicht zu, das Leiden von Menschen zu bewerten und zu entscheiden, wie sie zu entschädigen seien.

(SDA)


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