«Hostessen räkeln sich nicht auf Motorhauben»

Lilian Wehrle aus St.Gallen arbeitete als Hostess am diesjährigen Autosalon in Genf.
Lilian Wehrle aus St.Gallen arbeitete als Hostess am diesjährigen Autosalon in Genf. © zVg
Genf ist im Moment das Mekka von tausenden Autofans. Am Autosalon gibt es das Heisseste und Neuste der Autobranche zu sehen. Und natürlich Girls. Die Kommunikationsstudentin Lilian Wehrle aus St.Gallen ist als Hostess am Autosalon und erklärt, dass man dabei mehr können muss, als einfach nur gut auszusehen.

«Viele haben das Gefühl, dass man als Hostess einfach nur neben den Autos stehen und schön aussehen muss», sagt Lilian Wehrle. Dies sei aber überhaupt nicht immer der Fall. Es gebe zwar eine Gruppe Hostessen, meist aus Models bestehend, die tatsächlich nicht viel mehr tun müsse, als neben den Autos zu stehen. Es gebe aber auch andere, wie eben sie selber. «Wir räkeln uns nicht auf Motorhauben.»

Die St.Gallerin hat sich anfänglich gar nicht so für Autos interessiert: «Ich wusste nicht viel über Autos. Bei der Schulung und während der Arbeit am Autosalon lernt man aber relativ viel und mittlerweile kann ich sagen, dass mich Autos interessieren.»

Tanz der Hostessen

Das muss es auch. Bei der Marke, für welche die 24-Jährige arbeitet, ist sie ein «Car Explainer». Das heisst, dass sie den Kunden die Vorteile der Autos erklären muss. «Wir sprechen die Leute an, geben Informationen und beantworten Fragen.» Ein Tag als Hostess sei alles andere als easy. «Ich stehe morgens um 7 Uhr auf, schminke und bereite mich vor. Anschliessend erhalten wir das Briefing. Um 9 Uhr eröffnet die Messe, um 19 Uhr schliesst sie. Ich bin also über 12 Stunden auf den Beinen.» Speziell an ihrer Marke sei der Tanz, der jeden Tag mehrmals aufgeführt werde. «Der Tanz ist eine coole Abwechslung. So bewegt man sich auch ein bisschen. Das motiviert mich und er kommt gut bei den Leuten an.»

Viel Zeit, Party zu machen, bleibt bei diesem vollgestopften Tag nicht. «Wir haben zwar spezielle Partys, die extra für Hosts und Hostessen sind, die Clubs schliessen aber meistens um 1 Uhr nachts. Das ist ganz gut so. So kommt man doch zu ein wenig Schlaf.»

«Das Strengste ist das Stehen. Ausserdem wird man den ganzen Tag von künstlichem Licht bestrahlt und die Luft ist sehr trocken», sagt Lilian. Deshalb sei sie mittlerweile auch ein bisschen heiser.

Keine anzügliche Kleidung

Trotz der vielen Strapazen sei die Arbeit relativ angenehm: «Ich hatte schon mit Leuten zu tun, die eine extreme Alkoholfahne hatten. Ich wurde aber noch nie belästigt.» Vermutlich trage dazu auch ihre Kleidung bei. Bei der Marke der Studentin werden keine kurzen Röcke getragen. «Wir tragen Blusen und lange Hosen. Es gibt natürlich auch Hostessen mit kurzen Röcken, die werden vermutlich öfter blöd angemacht.»

Was Lilian Wehrle überrascht, ist, wie heiss die Messebesucher auf Werbegeschenke sind. «Sie nehmen alles mit, was nicht nagelfest ist. Sobald man etwas auf den Tisch legt, ist es innerhalb weniger Sekunden weg.» Jede zweite Frage laute: «Vous avez des gadgets?»

Das stört die St.Gallerin aber nicht weiter. Auf die Frage, ob sie wieder am Autosalon arbeiten würde, hat sie noch keine klare Antwort: «Ich bin ja erst seit Donnerstag hier. Bis jetzt gefällt es mir sehr gut. Ich weiss aber nicht, wie kaputt ich am Ende bin.»

(abl)


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