HSG-Studenten lernen auf Drogen

Ostschweizer Studenten greifen vor den Prüfungen vermehrt zu Drogen wie Ritalin.
Ostschweizer Studenten greifen vor den Prüfungen vermehrt zu Drogen wie Ritalin. © ky
An Ostschweizer Hochschulen greifen Studenten vermehrt zu Drogen, um mit dem Prüfungsstress umzugehen. Experten sind alarmiert und über die Entwicklung besorgt. Studenten berichten von ihren Erlebnissen.

“Ich brauche es einfach, um mich voll zu konzentrieren”, sagt ein Student, der regelmässig Ritalin nimmt, um zu lernen: “Man ist total konzentriert und auf den Stoff fokussiert.” Der Ostschweizer studiert seit mehreren Semestern an der HSG. Er ist nicht der einzige, der vom Aufputschmittel Gebrauch macht: “Einige meiner Mitstudenten lernen auch damit. Es ist einfach besser damit.”

Auch an anderen Hochschulen sind die Studenten zur Zeit im Prüfungsstress. Auf dem Onlineforum Jodel wird derzeit vermehrt nach Ritalin oder ähnlichem gefragt. Einen Grund für die grosse Nachfrage sieht der Student im steigenden Leistungsdruck an Hochschulen: “Die Uni erwartet einfach zu viel von den Studenten.” Gerade in der Assessementphase seien Studenten enorm gefordert und hätten teilweise Mühe den Anforderungen zu entsprechen: “Die Frischlinge wissen nicht, wie sie mit dem Druck umgehen sollen und greifen darum zu Hilfsmitteln”, so der HSG-Student.

“Keine Dealer auf HSG-Campus”

Verkauft und vertrieben werden die Aufputschmittel aber nicht direkt in den Hörsälen und auf dem Schulgelände: “Die meisten kommen über Bekannte und Freunde an die Pillen”, weiss Dardan Zeqiri, Präsident der HSG-Studentenschaft. Zeqiri weiter: “Es gibt keine Ritalin-Dealer an der HSG.” Er weiss auch nichts konkretes von einem Hype auf die Pillen. Zeqiri vermutet aber, dass der Konsum von Ritalin zur Prüfungszeit zunimmt.

Geld nach Zypern überwiesen – Paket aus Indien bekommen

Auch an anderen Hochschulen ist die Nachfrage nach Ritalin, Modafinil, Koffein und Co. im Moment hoch. Dies bestätigt eine Studentin einer Fachhochschule: “Wer die Mittel will, bekommt sie relativ leicht und schnell.” An der Schule hätten einige Kommilitonen ein Rezept vom Arzt und würden die Aufputschpillen vertreiben. Ein Medizinstudent bestellte seinen “Stoff” gar selber über das Internet: “Ich überwies Geld nach Zypern und bekam dann ein Paket aus Indien mit der Ware.” Die Preise variieren stark, so soll eine einzelne Ritalin-Tablette schon gut und gerne fünf Franken kosten. “Der Strassenpreis kann bis zu zehn Franken wachsen, je nach Nachfrage”, so der Student.

Keine Angst vor Nebenwirkungen

Die Studenten haben keine Sorgen betreffend Nebenwirkungen der Aufputschmittel. “Ich weiss schon, wieviel ich nehmen darf”, erzählt der HSG-Student gegenüber FM1Today. Er dosiere nach Anleitungen aus dem Internet und aus Erfahrungswerten: “Ich nehme jeweils eine Tablette am Tag, damit ich vollgas lernen kann.” Er beschreibt die Wirkung so, dass er erst dadurch Konzentration fände und dadurch alles rundherum verschwinde. Ein weiterer Student beschreibt, dass er sich einmal überschätzt hat und er hat eine zu hohe Dosis genommen: “Ich bekam Herzrasen und eine starke Unruhe, passiert ist dann aber nichts.”

Ritalin hat Suchtpotenzial

“Man merkt einen Anstieg der Ritalinkonsumation bei Studenten”, sagt Jürg Niggli, Geschäftsführer der Stiftung Suchthilfe in St.Gallen. Das Aufputschmittel sei bei Studenten sehr beliebt, weil es ein leistungssteigerndes Hirndoping ist. “Die Wirkung von Ritalin hat bei Konsumenten das Potenzial, dass eine Suchtentwicklung entstehen kann”, so Niggli. Wer ein Erfolgserlebnis mit der Konsumation von Ritalin erlebe, könne sich schnell daran gewöhnen und dadurch in der Sucht landen. Niggli: “Die Leute werden dann davon gefangen, was sehr heikel ist.” Am Ende sei aber jeder für sein eigenes Konsumverhalten verantwortlich.

Habt Ihr Erfahrungen mit Ritalin? Mailt uns Eure Eindrücke: redaktion@fm1today.ch

(rar)


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