Hund zerfetzt Rolling-Stones-Tickets

Hündin Mia zerstört Rolling Stones Tickets im Wert von 1'400 Schweizer Franken.
Hündin Mia zerstört Rolling Stones Tickets im Wert von 1'400 Schweizer Franken. © pd/tagblatt
Eine St.Galler Familie kauft für 1400 Franken Billette für das Rolling-Stones-Konzert am Mittwochabend im ­Zürcher Letzigrund. Hündin Mia setzt der Vorfreude ein jähes Ende, als sie die Tickets zwischen die Zähne bekommt.

Laura Widmer – St.Galler Tagblatt

«Der Hund hat sie gefressen!» Was wie die schlechte Ausrede eines Schülers klingt, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, ist für Familie Stüble bittere Realität geworden.

Die Stübles mögen «alte Musik». «Die Rolling Stones und Queen haben wir von klein auf gehört», sagt Lukas Stüble. Live hat er die «Stones» noch nie gesehen. Das Konzert im Zürcher Letzigrund sei vielleicht eine der letzten Chancen, die Band live zu sehen. Diese will sich die Familie nicht entgehen lassen. Bei Alltickets ersteht er sechs Tickets im Gesamtwert von 1440 Franken. Dass er dies nicht beim offiziellen Verkäufer tut, ist dem 19-Jährigen gar nicht bewusst. Alltickets ist nicht der offizielle, sondern ein sogenannter Graumarktverkäufer. Diese kaufen Tickets zusammen und verkaufen sie dann weiter. Somit wissen Kunden nicht, wer die Tickets ursprünglich erstanden hat. Erst als er vor einigen Wochen die Tickets erhält, wundert er sich über den aufgedruckten Preis. Er hat rund 80 Franken mehr bezahlt als auf dem Billett gedruckt steht.

Familie Stüble kann sich nicht lange über die Tickets freuen. Als Lukas Stüble eines morgens die Küche betritt, liegen sie in Stücken auf dem Boden. Hündin Mia hat die Tickets zerfetzt. Mia sei sonst nicht so, sagt Stüble. Die bald 4-jährige Hündin wird zum Therapiehund ausgebildet. «Socken hat sie allerdings schon kaputtgemacht oder die Lesebrillen meines Vaters.»

«Ohne Käufer ist nichts zu machen»

Familie Stüble ist zuversichtlich, dass der Verkäufer Verständnis für die missliche Lage zeigen wird. Sie wendet sich an Alltickets. Leider sei nichts zu machen, wird mitgeteilt. Die Tickets seien hinterlegt, man müsse aber den ursprünglichen Käufer finden. Nur er könne neue Tickets anfordern. Auch mit dem offi-ziellen Verkäufer Ticketcorner nimmt Stüble Kontakt auf. Dort wird ihm mitgeteilt, dass ohne die Namen der offiziellen Käufer eine Rückerstattung kaum möglich ist. Allen Firmen bietet Stüb-le an, die Tickets zusammenzusetzen, so gut es geht, und einzuschicken. «Zur Überprüfung», wie er sagt. Daran zeigt jedoch niemand Interesse. Die Familie Stüble wendet sich in ihrer Not an den «Kassensturz». Dieser hakt bei allen involvierten Parteien nach. Ticketcorner ist bereit, die Billette zu ersetzen, wenn sie genau identifiziert werden können. Das heisst, sie müssen mit Barcode, Ticketnummer oder Auftragsnummer zugeordnet werden können. Hündin Mia hat die Tickets jedoch so stark zerfetzt, dass nur ein Ticket ersetzt werden könnte.

Der Veranstalter ABC Production bedauere den Fall ebenfalls, schreibt der «Kassensturz». Die Ticketing-Abteilung stellt einen Antrag für Kartenersatz an die Geschäftsleitung – ohne Erfolg. Ob es an der Geschäftsleitung lag oder ob das Management der Rolling Stones einen Ersatz der Tickets ablehnte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Happy End noch nicht ausgeschlossen

Alltickets bietet an, auf die Hälfte der Marge zu verzichten, und der Familie Stüble 240 Franken zurückzuerstatten. Ein Tropfen auf dem heissen Stein. «Wir haben ja über 1000 Franken mehr bezahlt, und könnten trotzdem nicht ans Konzert.» Schlussendlich macht Alltickets ein Kulanz-Angebot: Die Familie soll die Billette einschicken, damit sie überprüft werden können. Alltickets nimmt das Risiko auf sich und ersetzt die sechs zerstörten Tickets. «Es war eine mühsame Zeit», sagt Lukas Stüble. «Ich war enttäuscht, dass die Firmen bei mir abgeblockt haben. Ich finde es schade, dass erst mit medialem Druck etwas gelaufen ist.»

Zu einem Happy End kommt es vielleicht doch: Am Dienstag liegen vier Tickets im Briefkasten und ein eingeschriebener Brief wartet auf der Post. Die Familie hofft, das die fehlenden Billette enthalten sind. Zumal sich mittlerweile wieder alle auf das Konzert freuen.


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