Hyypiäs Mentalkünste gefragt

Skeptisch: Die Derby-Niederlage gibt Sami Hyypiä zu denken
Skeptisch: Die Derby-Niederlage gibt Sami Hyypiä zu denken © KEYSTONE/NICK SOLAND
Die 0:5-Ohrfreige im Zürcher Derby hinterlässt im Lager des FC Zürich Spuren. Sami Hyypiä erkennt nach dem Abpfiff rasch, dass ihm im mentalen Bereich Arbeit bevorsteht.

So hat sich der FCZ-Trainer dieses Derby selbstredend nicht ausgemalt: 0:5 verlor die Mannschaft von Sami Hyypiä gegen die Grasshoppers. Ein Resultat, das wie eine schallende Ohrfeige wirkt, und ganz offensichtlich nicht spurlos an den Akteuren vorbeigegangen ist. “Wir haben viel Arbeit vor uns, vor allem im mentalen Bereich”, wusste Hyypiä bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff.

Verständlich. Denn seine Spieler wurden von der überragenden Offensivabteilung der Grasshoppers in der letzten halben Stunde regelrecht zerzaust. Liess sich das Zwischenresultat nach 45 Minuten aus FCZ-Sicht noch einigermassen ansehen (0:1), verursachte der Blick auf die Anzeigetafel nach dem Schlusspfiff Kopfschmerzen. 0:5 – so hoch hatte der FCZ seit 1977 kein Derby mehr verloren. Kommt hinzu, dass der FCZ in der Tabelle wieder auf dem letzten Platz angekommen ist.

Dabei gab es in diesem Spiel durchaus positive Ansätze: Mit gänzlich gegensätzlichen Vorzeichen angetreten, hielt die auf dem Papier schwächste Defensive (FCZ) der etatmässig stärksten Offensive (GC) lange stand und präsentierte sich auf Augenhöhe – mit der einen fatalen Ausnahme nach einer Viertelstunde. Dem völlig missglückten Rückpass von Berat Djimsiti auf Schlussmann Anthony Favre, die zum frühen 0:1 führte.

Zudem hat es der FCZ ja mit einem Gegner zu tun bekommen, dessen Offensivquartett auf Super-League-Niveau beinahe schon als Pendant zu Barcelonas Wundersturm Messi/Suarez/Neymar angesehen werden kann. Beeindruckende 36 Tore haben Dabbur/Ravet/Tarashaj/Caio in 17 Super-League-Partien produziert. Ein Wert, der die Hoppers zur unbestrittenen Nummer 2 hinter Basel macht.

Primär aber geht es für Hyypiä trotzdem darum, seine mental labile Truppe wieder aufzurichten. Gegen GC war offensichtlich, dass einer der wesentlichen Unterschiede vor allem in den Köpfen liegt. Wie die Mannschaft nach 58 Minuten und dem 0:2 auseinandergefallen ist, ist symptomatisch für einen Klub im Tabellenkeller. Wie GC geduldig auf seine Chancen wartete und dann, als sich diese boten, fünfmal eiskalt zuschlug, zeugt vom Selbstvertrauen einer Spitzenmannschaft. Oliver Buff bemängelte die ausgebliebene Reaktion nach dem 0:2. Hyypiä erkannte bei seinen verunsicherten Schützlingen fehlenden Glauben.

Das Derby, es war ein Spiegelbild der laufenden Saison. Ein Spiegelbild der Situation, in der sich die beiden Zürcher Klubs befinden.

(SI)


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