“Ich bin Arielle, die Meerjungfrau”

Von Lara Abderhalden
Das Meerjunfrauen-Schwimmen war gar nicht so einfach.
Das Meerjunfrauen-Schwimmen war gar nicht so einfach. © FM1Today
So viele wedelnde Flossen hat noch keiner gesehen: Die Bündner wollen im Caumasee den Weltrekord im Meerjungfrauen-Schwimmen aufstellen. Doch eine “Arielle” zu sein, ist gar nicht so einfach. Wir haben für euch das Schwimmen mit einer Flosse ausprobiert.

Wer kennt sie nicht: Die wunderschöne Arielle mit ihren langen roten Haaren und ihrem glänzenden Meerjungfrauenschwanz. Jedes junge Mädchen wollte so sein wie sie. Jedes. Auch ich. So schlug mein Herz auch 160 Mal in der Sekunde, als ich vom Weltrekordversuch am Caumasee hörte. Ich musste das Ausprobieren: “I’m in.”

Mit dem Arielle-Soundtrack in den Ohren, immer leicht wippenden Füssen (um den Flossenschlag zu üben), meldete ich mich für einen Kurs im sogenannten “Mermaiding” an. Als ich die Pforten des Hallenbades in Laax passierte und drehende, purzelnde junge Wassernixen vor meinen Augen auftauchten, war es um mich Geschehen. Ich wollte unbedingt in so ein Ding. Jetzt. Sofort. Gebt mir die Flosse!

Schwänzchen in die Höhe

Das tat die liebe Claudia Kring, Meerjungfrauenschwimmlehrerin, auch schon bald. “Pass einfach auf, dass du nicht wie ein Hund zappelst”, warnte sie mich. Doch das hörte ich nur noch mit halbem Ohr, zu fest schrie das Wasser: “Nimm mich”. Ich sprang. Kopf ins Wasser, Schwänzchen in die “Höh”. Und es war wie im Film: Das Wasser liess mich fliegen, der Hüftschwung funktionierte und ich hatte das Gefühl, nie im Leben etwas anderes getan zu haben.

 

Erst als ich die Situation so richtig in mich aufzunehmen begann, den Moment genoss und laut “Ich bin Arielle, die Meerjungfrau” in die Weiten des Chlormeeres schreien wollte, wurde mir schluckend und anschliessend hustend bewusst: “Äh nei. Nur weil du eine Neoprenflosse anhast, wachsen dir noch lange keine Kiemen.”

Die Leute stört es nicht

Ein bisschen enttäuscht wedelte ich noch ein paar mal mit dem Füdli und setzte mich dann erschöpft auf den Beckenrand. War schon toll dieses “Mermaiding” aber streng und ganz ehrlich: “Kommt man sich dabei nicht albern vor, wenn viele Gäste im Bad sind?”, frage ich Claudia Kring. “Nein, es ist etwas für alle.” Den meisten Leuten falle es gar nicht auf, dass man eine Flosse trägt. “Meine Tochter hatte die schon im Thermalbad an und es hat sich niemand beklagt.”

Umso mehr auffallen dürfte dafür der Weltrekordversuch am 20. August im Caumasee. “Es sollen so viele kommen wie nur möglich.” Von alt bis jung, männlich zu weiblich – jeder der schwimmen kann, ist herzlich eingeladen durch den Caumasee zu flösseln.

Ich für meinen Teil war am Ende, mit meinen Kräften und meinem Herzen. Ein kleiner Kindheitstraum ging in Erfüllung und doch war ich froh, als ich wieder auf zwei Beinen festen Boden unter mir spürte. Arielle ist halt doch nur ein Märchen und Neoprenflossen vermögen dieses auch nicht zum Leben zu erwecken.

(abl)

 

 


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