«Ich dachte mir, die Decke stürze ein»

Empfinden den neuen Pausengong als störend: Studenten der Universität St.Gallen. (Archiv)
Empfinden den neuen Pausengong als störend: Studenten der Universität St.Gallen. (Archiv) © TAGBLATT/Ralph Ribi
Um gezielt die Gewohnheiten von HSG-Studierenden zu durchbrechen, hat ein Künstler im Rahmen einer Kunstwoche den Pausengong modifiziert. Der ungewohnte Klang erhitzt die Gemüter. 

Seit dem Jahr 1990 klingt es auf dem Campus der Universität St.Gallen gleich, wenn Pause ist. «Die Glocke, die im Alltag kaum noch wahrgenommen wird, haben wir für eine Woche ausgetauscht», sagt Fabian Oderbolz von der Kunstwoche «Intervention – young artists on campus». Man kann sagen, was man möchte: Die neue Glocke klingt irritierend, wie in einem Science-Fiction-Film – und weckt einen auf uncharmante Weise, wenn die Vorlesung zu Ende ist.

Experiment soll sinnliche Gewohnheiten durchbrechen

«Mit dem neuen Pausengong möchten wir untersuchen, wie schnell sich die Studierenden gestört fühlen, und inwiefern solche sinnliche Eindrücke zur Normalität werden», so Oderbolz weiter. Gemäss der studentischen Initiative «proArte», welche die Kunstwoche organisiert, gehen die Meinungen bezüglich der neuen Glocke auseinander. «Einige interessieren sich für unsere Art der Intervention, andere fühlen sich gestört», sagt Fabian Oderbolz.

«Klingt, als hätte die normale Glocke ihre Tage»

«Ich weiss nicht, was sie damit angestellt haben, aber es klingt so, als hätte die normale Glocke ihre Tage», sagt ein Student gegenüber FM1Today. «Ich war auf dem WC, dann läutete die Glocke und ich dachte mir, die Decke stürze ein», berichtet ein weiterer Mann. «Ich erschrecke jedes Mal, wenn ich sie höre. Wenn ich sowieso schon Kopfschmerzen habe, und dann kommt der Gong hinzu, dann ist fertig lustig», klagt eine Frau auf einem Streifzug über den Campus. Am Anfang seien alle Studierenden der Überzeugung gewesen, der Gong sei kaputt.

So hört sich übrigens der gewöhnliche Gong an:

Künstlerische Interventionen während einer Woche

Der Verein «proArte» durchbricht die gewohnten Strukturen an der HSG. Verschiedene Künstler intervenieren während einer Woche in das gewohnte Leben der Studierenden. So modifizierte der Zürcher Vinzenz Meyner den Pausengong. Eine weitere Künstlerin präsentiert die finanziellen Ergebnisse ihres Lebens als Künstlerin. Weiter wird der Frage nachgegangen, ob Börsenkurse nach Kaugummi schmecken – und «Statisten der Wirtschaft» greifen in den studentischen Alltag ein.

(lag)


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