«Ich fühlte mich während der Fahrt nicht wohl»

Beat Feuz lässt sich dem Gewinn der Bronzemedaille ein erstes Mal feiern
Beat Feuz lässt sich dem Gewinn der Bronzemedaille ein erstes Mal feiern © KEYSTONE/EPA/FILIP SINGER
Beat Feuz gewann in der Olympia-Abfahrt die Bronzemedaille, obwohl er mit seiner Leistung nicht ganz zufrieden war.

Beat Feuz, hatten Sie während Ihrer Fahrt die Medaille schon abgeschrieben?

«Schwer zu sagen. Aber ich habe mich während der Fahrt nicht wohl gefühlt.Wegen der Verschiebung sind wir vier Tage nicht mehr gefahren. Die Bedingungen waren nicht mehr die gleichen wie im Training. Ich habe mich schwer getan damit. Aber das war bei den anderen sicher auch so.»

Sie wollten Gold, haben Bronze gewonnen. Nach so langem Zittern ist sicher auch diese Medaille willkommen.

«Sicher, ja. Medaille ist Medaille. Ob Silber oder Bronze, ist am Ende nicht entscheidend. Gold ist überragend, Silber und Bronze sind gut. Es wäre heute sicher mehr möglich gewesen. Aber das sagen sich heute andere auch. Mit so einer Fahrt und soviel Druck Bronze zu gewinnen, ist genial.»

Sie haben den Druck angesprochen. Sind Sie froh, dass die Abfahrt nun endlich mal vorbei ist?

«Ich hatte mich wohl gefühlt vor dem Start. Ich war auch nicht sonderlich nervös. Aber während dem Fahren habe ich gemerkt, dass der Fluss nicht da war. Mal bin ich ausgerutscht, mal hat es bei einem Tor gezerrt. Es waren unterschiedliche Bedingungen auf der Piste. Deshalb ist es nicht selbstverständlich, heute die Bronzemedaille gewonnen zu haben.»

Die perfekte Fahrt haben wir nicht gesehen. Svindal schien nach dem oberen Teil bereits geschlagen.

«Den Svindal sollte man nie abschreiben. Den zweitletzten Abschnitt ist er sicher sensationell gefahren, ich dafür wieder den letzten Teil. Da waren wir sicher die Schnellsten. Jansrud hat uns dafür oben gezeigt, was möglich gewesen wäre. Wenn wir diese Abschnitte zusammenzählen würden, wäre wohl eine viel bessere Zeit möglich gewesen. Schlussendlich sind aber die besten drei Abfahrer der Saison auf dem Podium. Das ist nicht selbstverständlich in einer Olympia-Abfahrt.»

Morgen folgt der Super-G. Da lief es für Sie in diesem Winter noch nicht nach Wunsch, doch die Tendenz ist steigend. Vor zwei Jahren (bei den Testwettkämpfen) hatten Sie gesagt, dass im Super-G vom Knie her noch mehr möglich sei. Jetzt macht das Knie keine Probleme mehr.

«Schauen wir mal, wie der Kurs morgen ausschauen wird. Heute wird es noch ein langer Tag. Aber ich bin parat. Der erste Druck ist weg. Ich kann im Super-G befreit fahren. Wenn es nochmals klappt, umso besser. Wenn nicht, dann ist es auch nicht allzu tragisch.»

Eine Medaille hätte auch Ihr Servicemann Sepp Kuppelwieser verdient.

«Er hätte fast in jedem Rennen dieses Winters eine Goldmedaille verdient. Er macht seit Jahren einen Super-Job. Der Ski war auch heute wieder eine Rakete. Sepp hatte mir heute sicher den schnellsten Ski am Berg bereit gestellt.»

Diesen Ski sind Sie schon in anderen Abfahrten gefahren?

«Da muss ich nachdenken. Auf jeden Fall bei meinen Siegen in Lake Louise und in Wengen.»

Sie haben gegenüber Ihren Teamkollegen von einer «Gugus-Fahrt» gesprochen.

«Es war sicher nicht perfekt. Das sagen aber vermutlich auch die Norweger über ihre Fahrt. Ich hatte von mir einfach etwas anderes erwartet. Schlussendlich ist der Ski aber immer gelaufen. Ich habe keinen Schwung ‘abgestochen’. Im Ziel kamen viele auf mich zu und sagten, ich sei am Limit gefahren und hätte viel riskiert. Mir ist das aber gar nicht so vorgekommen.»

Wie genau hatte sich die Piste im Vergleich zu den Trainings verändert?

«Die Unterlage war glatter. Wir hatten gedacht, dass heute schnellere Verhältnisse sein würden. Dem war aber nicht so. Oft war es einfach, einen Radius zu fahren, ein andermal ist man ausgerutscht. Das war schwierig, weil man nicht wusste, was die Unterlage erträgt. Gerade bei mir hat man das im Mittelteil gesehen. Bei der einen Kurve bin ich auf dem Innenski ausgerutscht und lag fast am Boden. Da hatte ich schon einen Moment gezittert, dass ich den Schwung noch mitnehmen kann. Dort verliere ich drei Zehntel auf Svindal.»

Man hat gehört, dass sich die Bedingungen hier in Jeongseon selbst zwischen Besichtigung und Rennen verändern. Ist es so extrem?

«Schwierig zu sagen. Ich glaube aber nicht, dass sich die Bedingungen heute in dieser kurzen Zeit gross verändert haben.»

Was sagte Ihr Bauchgefühl nach dem Abschwingen im Ziel?

«Dass ich nicht gewinnen werde. Ich wusste, dass diese Fahrt nicht reicht. Dann kam Svindal, der achtzehn Hundertstel schneller war. Da wusste ich aber auch, dass keiner zwei Sekunden schneller sein wird. Nach der Nummer zehn hatte ich noch nicht damit gerechnet, dass es zu einer Medaille reichen könnte.»

(SDA)


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