“Ich war hilflos im Rauch gefangen”

“Ich war hilflos im Rauch gefangen”
© FM1Today/Raphael Rohner
Nach einer Bauzeit von acht Jahren wird in wenigen Tagen die Tunnel-Umfahrungsstrasse bei Küblis im Bündnerland eröffnet. Wir waren bei der ersten Feuerwehrübung im Tunnel dabei.

“Plötzlich war im Tunnel überall Rauch und ich erschrak, obwohl ich wusste, dass es nur eine Übung war”, schildert eine Figurantin den Tunnelbrand. “Meine Schwester half mir, mich aus dem Autowrack zu befreien und schliesslich rettete uns ein Feuerwehrmann.” Die junge Frau war eine von zahlreichen Figuranten, die in einen gestellten Verkehrsunfall mitten im neuen Küblistunnel verwickelt waren.

Ambulanz muss draussen warten

In diesem, noch nicht eröffneten Tunnel, wurde am Donnerstagabend erstmal ein Ernstfall geprobt. “Rund 16 Polizisten, 40 Feuerwehrleute und sechs Ambulanzen waren im Tunnel”, sagt Robert Willi, Stabschef der Kantonspolizei Graubünden und Vorsitzender der Einsatzorganisation Schadenwehr des Tunnels. “Wir haben im Tunnel – einer künftigen 80er-Strecke mit Gegenverkehr – einen Zusammenstoss zwischen einem Kleinbus und einem Personenwagen simuliert, was gar nicht so selten vorkommt”, orientiert Willi vor arbeitenden Feuerwehrmännern.

Beim Crash sei der Personenwagen in Brand geraten und es habe sich schnell viel Rauch gebildet. Die Retter fanden im nagelneuen Tunnel tatsächlich ein brennendes Autowrack vor, wodurch sich die Sicherheitsmassnahmen, wie der Rauchabzug und die Signalisation im Tunnel automatisch auslösten. “Die Feuerwehr konnte den Brand rasch bekämpfen und die Rettungen beginnen. In einem Tunnel muss zuerst das Feuer gelöscht und der Rauch draussen sein, bevor weitere Rettungskräfte hinein dürfen”, erklärt Willi warum der Rettungswagen vor den Tunneleingängen wartete.

Tunnel ist sicher

Die Einsatzübung hat den zuständigen Behörden gezeigt, dass sich die Rettungsmannschaften mit den Gegebenheiten des Einsatzortes vertraut gemacht haben, damit im Ernstfall das Einsatzprozedere schneller und sicherer ablaufen kann. Der rund zweieinhalb Kilometer lange Umfahrungstunnel wurde in acht Jahren erbaut und kostete rund 210 Millionen Franken. Ende des Monats wird der Tunnel eröffnet und dem Verkehr freigegeben.

Für die Figuranten war die Übung ein unvergessliches Erlebnis: “Einmal hilflos in einem verrauchten Tunnel festzusitzen, macht einem die Gefahr eines Tunnels erst richtig bewusst. Ich werde künftig viel aufmerksamer durch Tunnels fahren.”

(rar)


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