«Ich will einfach wieder Fussball spielen»

Von Leila Akbarzada
Dejan Janjatovic im Gespräch am Gübsensee.
Dejan Janjatovic im Gespräch am Gübsensee. © FM1Today
Seit Ende Juni 2017 ist der ehemalige FCSG-Spieler Dejan Janjatovic ohne Vertrag. Und auch privat erlebt er nach dem Tod seiner Tochter eine sehr schwierige Zeit. Im Interview erzählt er von seiner beruflichen und privaten Krise, seinen Erwartungen an die Zukunft und seiner Zeit beim FC St.Gallen.

«Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig wird», sagt Dejan Janjatovic. Wir treffen ihn am Gübsensee. Der Ort ist ihm mehr als bekannt. «Viele Kilometer habe ich hier mit dem FC St.Gallen zurückgelegt», sagt der 25-Jährige. Doch das ist nun schon eine Weile her. Via dem spanischen Verein Getafe ist Janjatovic, der aus dem Nachwuchs von Bayern München stammt, im Jahr 2012 nach St.Gallen gekommen.

Bis 2016 blieb der Deutsch-Serbe beim FCSG. Dann folgte der Wechsel zum FC Vaduz im Februar 2016. Der Verein stieg letzten Sommer ab und Dejan Janjatovic verlängerte den Vertrag nicht. Nun, fast vier Monate später, ist der Mittelfeldspieler immer noch ohne Vertrag.

Challenge League kein Thema, zuerst…

«Ich hätte bei Vaduz bleiben können, doch ich habe mich dagegen entschieden. Ich wollte etwas Neues machen, vielleicht in einem anderen Land», sagt er. Aber «leider Gottes» habe er bis jetzt nichts anderes gefunden. Der Challenge-League-Verein Aarau war einmal im Gespräch. «Am Anfang war das für mich kein Thema. Aber als ich dann gesehen habe, dass die Optionen schwinden, habe ich Gespräche geführt mit den Verantwortlichen. Leider kam es aber zu keinem Angebot.»

Comeback in St.Gallen?

Für Janjatovic wäre im Moment jeder Super-League-Verein interessant, so auch der FC St.Gallen. Hier würde er auf einen ihm bekannten Trainer treffen: Schon beim FC Vaduz hat Janjatovic unter Giorgio Contini gespielt. «Ich könnte mir gut vorstellen, wieder in St.Gallen zu spielen. Ich hatte ein super Zeit hier. Und meine Frau ist auch von hier», sagt Janjatovic. «Aber ich kann nicht in die Köpfe von anderen Leuten rein und ihnen sagen, dass sie mich holen sollen. Das müssen die Verantwortlichen selber entscheiden.»

Familiärer Schicksalsschlag

Auch privat nahmen in der jüngsten Vergangenheit für den Mittelfeldspieler die Dinge nicht den Lauf, den sie sollten. Seine Tochter wurde am 7. März in der Klinik Stephanshorn geboren. Nach zwei Tagen hat man einen Herzfehler entdeckt. Es folgten zwölf Operationen. Trotz allem ist sie am 18. Juni verstorben. «Ich will jetzt nicht gross auf das Thema eingehen. Aber fakt ist: Es hätte nicht so weit kommen dürfen.» Mehr will er dazu nicht sagen, nur so viel: «Die Sache ist noch nicht abgeschlossen.»

Zwischen Training und Spital

Es sei sehr schwer für ihn, vor allem, wenn man schon ein Kind habe und wisse, wie das sei. «Die Kleine wurde immerhin drei Monate alt.» Diese Zeit war nicht nur sehr traurig, sondern auch sehr stressig. «Ich bin jeden Tag nach Zürich ins Unispital gefahren. Ich habe trainiert wie ich konnte, habe versucht, für die Mannschaft da zu sein. Aber die Familie war in dieser Zeit wichtiger.»

FCSG-Trainer Giorgio Contini über Dejan Janjatovic: «Dejan ist ein sehr sensibler Mensch. Er braucht jemanden, der ihn so akzeptiert und abholt. Er hat extrem viele fussballerische Qualitäten. Ich wünsche ihm, dass er jemanden findet, der ihn aus dem aktuellen Loch rauszieht.»

Auf dem Weg vorwärts

Nun steht er ohne Job da. Es sei sehr schwierig, das Fussball-Business. «Bist du gut, stehen alle zu dir. Hast du einmal eine Krise und bringst grad nicht deine Höchstleistung, lässt man dich fallen», sagt Janjatovic. Aber er will nun wieder Fuss fassen. «Anfangs habe ich mich sehr zurückgehalten mit dem Training. Ich musste für meine Frau und meinen Sohn da sein. Jetzt habe ich mich wieder gefangen», sagt er.

Nun müsse er eine Lösung finden, wie er wieder fit werde. «Ich will mich einem Verein anhängen, wenn auch nicht vertraglich. Damit ich spätestens im Winter irgendwo angreifen kann oder Probetrainings absolvieren kann.»

Chance für den Wiedereinstieg

Er brauche eine Gelegenheit, um sein Können unter Beweis zu stellen. «Ich bin in einem guten Alter. Ich hatte eine schwere Zeit. Nun brauche ich einfach jemanden, der mir eine Chance gibt. Ich will einfach wieder Fussball spielen und zeigen, was ich drauf hab.»


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