«Im Dorf wird viel geredet»

Was geschah in Kobelwald?
Was geschah in Kobelwald? © kov/FM1Today
Der ungelöste Kristallhöhlenmord von 1982 in Oberriet erregt noch heute die Gemüter. Mittlerweile ist der Fall verjährt und die Beweismittel vernichtet. Im Rheintal ist der Mord aber nie in Vergessenheit geraten.


Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Rheintals. 1982 wurden im Dorf Kobelwald (Oberriet) zwei Mädchen ermordet. Ihr Tod erschütterte die Menschen über die Landesgrenze hinaus. – Der Mörder wurde nie gefasst.

Rückblick

Die beiden Mädchen im Alter von 15 und 17 Jahren unternehmen eine Velotour durch die Ostschweiz und kommen nicht mehr heim. Ihre Leichen werden erst neun Wochen nach dem Verschwinden unterhalb der bekannten Kristallhöhle entdeckt. Der oder die Täter hatten die Teenager erschlagen und im felsigen Gelände versteckt.

Eine grausame Tat, die bis zur Verjährung nie aufgeklärt wurde. Laut «20 Minuten» sind mittlerweile auch alle Beweismittel vernichtet worden. Vergessen wird man den Mord im Dorf aber nie – auch wenn man es versucht.

Der Fall ging ans Herz

Es ist still, nachmittags im Kobelwald. Die Sonne ist bereits weg, nur der Wind saust durch den dichten, dunklen Wald, der das Dorf umgibt. Die Strassen sind menschenleer – einzig die Wirtin eines Restaurants fegt Herbstlaub von ihrer Terrasse. Eigentlich möchte sie nicht so gerne über den Kristallhöhlenmord sprechen, tut es dann aber doch. «Ich hab die Mädchen vor ihrem Verschwinden gesehen. Das eine sass auf einem Stapel Holz, das andere stand bei ihrem Velo. Beiden hatten sie Röcke an», sagt die Wirtin. «Am gleichen Abend hiess es plötzlich, die Mädchen würden vermisst. Das geht nahe, vor allem wenn man eigene Kinder hat.»

Nicht nur im Kobelwald erinnern sich die Menschen an das Geschehene. Bei einem Besuch im Zentrum von Oberriet zeigt sich schnell: Die Erlebnisse von damals sind so präsent, als wären sie erst gestern passiert. «Ich sah ihre Velos, als ich vorbeifuhr», sagt eine Frau. «Mein Schwager war gerade aus Bern zu Besuch. Wegen seiner Autonummer wurde er von der Polizei bis zum Thunersee verfolgt. Sie wollten wissen, was mein Schwager im Rheintal gemacht hatte. Der ganze Fall ging mir sehr ans Herz, schlimm, hat man ihn nie aufgedeckt.»

Ein Rätsel

Dass Beweismittel nach der Verjährung vernichtet werden, ist ein normaler Ablauf und wird bei jedem anderen Fall so gehandhabt, bestätigt die Kantonspolizei St.Gallen. Im Rheintal stösst es zum Teil dennoch auf Unverständnis. Eine Passantin in Oberriet findet: «Das ist doch zur heutigen Zeit nicht möglich. Dass man so einen Mord nicht aufdeckt, kann ich mir nicht vorstellen.» Auch ein älteres Ehepaar schüttelt verständnislos den Kopf. «Das ist ein Rätsel», sagt der Mann. «Das ist doch einfach komisch, dass man nichts aufgedeckt hat. Irgendwas hätte doch ans Licht kommen müssen.»

Gerüchteküche

All die Jahre in Ungewissheit liessen die Menschen im Rheintal spekulieren. Gerüchte entstanden – die sich bis heute halten. «Es wird viel geredet im Dorf», sagt eine Frau in Oberriet, die gerade ihre Einkaufstaschen zum Auto trägt. «Ein Mann, der ins Tessin geflüchtet ist, soll es gewesen sein.» Sie ist nicht die einzige, die das behauptet. Erfahren wird man es nie, die Polizei geht nach der Verjährung keinen Hinweisen mehr nach. Die Wirtin des Restaurants im Kobelwald will einfach, dass man die Sache endlich in Ruhe lässt. «Das Geschehene ist schlimm. Doch nun ist es mehr als 30 Jahre her und irgendwann ist es an der Zeit, etwas ruhen zu lassen.»

(kov)


Newsletter abonnieren
2Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel