Initianten dulden Judenhass auf Schawinski

Roger Schawinski spricht während eines Streitgesprächs über die No-Billag-Initiative.
Roger Schawinski spricht während eines Streitgesprächs über die No-Billag-Initiative. © (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Auf der Facebook-Seite der No-Billag-Initianten haben Nutzer antisemitische Äusserungen veröffentlicht. Trotz Protest bleiben die beanstandeten Passagen tagelang öffentlich einsehbar.

Fabian Fellmann | Tagblatt

Der Streit um die No-Billag-Initiative erreicht einen Tiefpunkt. Auf der öffentlichen Facebook-Seite der Initianten prangen seit zwei Tagen antisemitische Kommentare gegen Roger Schawinski. Der jüdische Zürcher Medienunternehmer hat sich in einem Buch gegen das Volksbegehren ausgesprochen, das die Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren verlangt und am 4. März zur Abstimmung kommt.

In Schawinskis Religion sei «Lügen erlaubt, wenn nicht sogar vorgeschrieben», schrieb ein Schweizer Nutzer am Montag in einem Kommentar auf der Facebook-Seite der No-Billag-Initianten. Obwohl andere Nutzer sofort darauf hinwiesen, diese Äusserung sei antisemitisch, löschte der Mann seinen Kommentar nicht etwa. Vielmehr doppelte der Pensionär, der laut seinem Facebook-Profil im thailändischen Ferienort Pattaya lebt, nach, das sei «die Wahrheit, nicht als die Wahrheit».

Kommentar weiterhin auf Facebook

Den Kommentar meldeten Nutzer sowohl den Initianten als auch Facebook. Auch zwei Tage später ist dieser jedoch immer noch öffentlich einsehbar, obwohl die Initianten bereits am Montagabend darauf aufmerksam gemacht wurden. Sie haben auch eine Medienanfrage zum Thema bisher nicht beantwortet.

Dominic Pugatsch, Geschäftsführer von GRA, der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, sagt: «Der Kommentar ist ein eindeutiger Fall von antisemitischer Hate Speech im digitalen Raum. Zudem ist die Aussage auch inhaltlich falsch.» Pugatsch verlangt, dass die sozialen Netzwerke selbst eingreifen: «Solche Kommentare sollten von Internetforen wie Facebook unmittelbar nach Meldung die Nutzer gelöscht werden.»

Auch Andreas Thiel wettert gegen Schawinski

Roger Schawinski will die antisemitischen Äusserungen gegen seine Person auf Facebook nicht kommentieren. Der Vorfall ist nur das jüngste Beispiel von stillosen Bemerkungen über sein Engagement gegen die NoBillag-Initiative. Der frühere SRG-Journalist hatte in den 1980er-Jahren als Radio-Pirat das Rundfunk-Monopol der SRG aufgebrochen und 1994 mit TeleZüri den ersten privaten Fernsehsender der Schweiz gegründet. Die No-Billag-Initiative gehe aber zu weit, argumentiert Schawinski, weil sie das bisherige Radio- und TV-System zusammenbrechen lasse und einen Pfeiler des Schweizer Staatswesens zertrümmere.

Der umstrittene Satiriker Andreas Thiel warf Schawinski vor, dessen Tiraden erinnerten an die «Sprache des Dritten Reiches», Schawinski mache «Anleihen bei der Nazipropaganda». Deswegen sah sich Arthur Rutishauser, Chefredaktor der «SonntagsZeitung», wo Thiels Text erschienen war, am vergangenen Donnerstag zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt.
Schon vor drei Jahren hatte Thiel in einem Fernsehinterview mit der Frage provoziert, ob Schawinski ein «Papierjude» sei. Das Interview lief aus dem Ruder, Schawinski wurde später von der Ombudsstelle für die Sendung gerügt.

Dieser Artikel erschien am 17. Januar erstmals auf Tagblatt.ch


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