Ist die KV-Lehre nicht mehr gefragt?

Von Leila Akbarzada
Das KV ist noch immer sehr beliebt bei den Jugendlichen.
Das KV ist noch immer sehr beliebt bei den Jugendlichen. © KEYSTONE/Gaetan Bally
Für viele Jugendliche heisst es zurzeit: Lehrstelle suchen. Laut einer Studie sind am meisten KV-Lehrstellen schweizweit offen. Aber wie die Situation in der Ostschweiz zeigt: Es herrscht generell ein Lehrlingsmangel.

678 KV-Lehrstellen waren per 20. April noch offen, das sei der Spitzenplatz vor dem Detailhandel (642 offene Stellen) und der Elektroinstallateur-Branche (582 Stellen), schreibt der “Blick”. Im kaufmännischen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen ist man überrascht ob dieser Zahl. “Wir haben bei den Anmeldungen für das Schuljahr 2016 keinen Einbruch verglichen mit dem Stand des letzten Jahres”, sagt Rektor Urs Bucheli.

Es sei jedoch schon so, dass es für Suchende immer schwieriger sei, eine KV-Lehre zu bekommen. “Die Ansprüche sind hoch”, sagt Bucheli. Die KV-Lehre sei heutzutage von Anfang an eine anspruchsvolle Ausbildung. “Die einfachen kaufmännischen Tätigkeiten, die man früher den Lernenden übergeben konnte, sind in vielen Betrieben aufgrund der Rationalisierung in den Büros nicht mehr vorhanden”. In einer Bank beispielsweise habe man früher, als es noch nicht so viele Geldautomaten gab, die Lernenden gut am Schalter einsetzen können. “Einfache Büroarbeiten wurden mittlerweile aber durch den Computer ersetzt.”

Dadurch stellten die Lehrbetriebe hohe Ansprüche an die Lernenden. Und haben auch höhere Anforderungen an die Sekundarschulen. “Man hört von vielen Lehrbetrieben, dass sie zu wenig ‘gute Leute’ finden für jene Tätigkeiten, die sie in der Lehre noch anbieten können”, ergänzt Bucheli.

“Es muss für beide stimmen”

Müssten nicht die Betriebe etwas flexibler werden? “Unsere Lehrbetriebe geben sich grosse Mühe, den Lehrlingen einen geeigneten Arbeitsplatz zu gewähren. Aber sie müssen die Voraussetzungen im Betrieb haben.” Man könne nicht von einem Betrieb verlangen, Abläufe und Prozesse so umzugestalten, dass sie für Lernende passen. Es müsse für beide stimmen.

Das KV sei noch immer beliebt. “Es ist grundsätzlich eine breite, solide Grundausbildung, die viele Türen öffnet. Viele machen die Lehre auch, weil sie sich noch nicht entscheiden können. Das KV hat manchmal schon fast etwas die Funktion, die Schulzeit etwas weiterzuziehen.” Viele wollen laut Bucheli halt lieber im Büro arbeiten und keiner Arbeit mit körperlicher Anstrengung nachgehen.

Weniger Schulabgänger

Auch beim Amt für Berufsbildung relativiert man die hohe Zahl an freien KV-Stellen. Es gebe nicht nur beim KV viele freie Lehrstellen, sondern generell. “Die Zahl der Schulabgänger ist seit dem Jahr 2008 um 20 Prozent gesunken. “Es ist für alle Berufe schwieriger geworden, ihre Lehrstellen wunschgemäss zu besetzen”, sagt Ruedi Giezendanner, Amtsleiter des Amts für Bildung Kanton St.Gallen. 34 offene KV-Lehrstellen seien nicht besorgniserregend.


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