Ist Zugfahren noch sicher?

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Symbolbild © KEYSTONE/Christian Beutler
Sind Reisende im Zug noch sicher? Diese Frage stellt sich, nachdem auch es in einem Regionalzug bei Salez zu einer Messerattacke kam. Experten fordern eine verstärkte Präsenz von Bahnsicherheitsfirmen.

“Ich selber habe meinen Auftraggebern bei der Bahn schon früher geraten, dass man die Bahnhofspräsenzen des Sicherheitspersonals auf 24 Stunden verteilen muss”, sagt Martin Graf, Geschäftsführer der Sicherheitsfirma Securitrans, der Zeitung “Schweiz am Sonntag”.

Mehr Präsenz tagsüber

An grossen Bahnhöfen sei seine Firma schon heute rund um die Uhr präsent. Anders laufe es an den kleineren. Das findet graf jedoch falsch. Dort sollten seiner Meinung nach die Sicherheitskräfte nicht nur nachts, sondern auch tagsüber präsent sein. Das sei ohne Personalaufstockung möglich: “Es braucht aber den Mut, die Präsenz in einzelnen Nächten zu reduzieren.”

Laut “Schweiz am Sonntag” kommen die Sicherheitsleute von Securitrans in jenen Zügen zum Einsatz, für die das Personal der SBB-Transportpolizei nicht ausreicht. In den Zügen und Bahnhöfen um Salez waren die Dienste der Sicherheitsfirma hingegen bisher nicht gefragt. “Das ist eine sehr ruhige Gegend”, sagt Graf.

“Ein sicheres Gefühl schaffen”

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), ist betroffen über den Vorfall in der Ostschweiz. Er kann sich an einen ähnlichen Fall nicht erinnern: “In diesem Ausmass ist das neu”, sagt er zur “Schweiz am Sonntag”. Stückelberger betont, die objektive Sicherheit im öffentlichen Verkehr sei noch immer hoch, doch es gebe auch die subjektive Sicherheit: “Es ist wichtig, dass sich die Menschen in unseren Verkehrsmitteln sicher fühlen – das müssen wir sehr ernst nehmen.”

Dazu beitragen würden saubere Züge und vor allem eine genügende Präsenz von Personal, gerade am Abend. Hier habe es in den letzten Jahren Verstärkungen gegeben. Dennoch: Die meisten Regionalzüge tagsüber fahren unbegleitet durch die Schweiz. “Das wird der Normalfall bleiben und lässt sich nicht ändern.”

“Keine Spinner und keinen Terror”

Das öffentliche Verkehrssystem lebe davon, dass es keine Spinner und keinen Terror gebe. “Es könnte nicht mehr funktionieren, wenn man das Schienennetz oder die Tunnels sichern oder bei den Passagieren Gepäckkontrollen durchführen müsste.” Die Zugverbindung Paris–London zeige, was das bedeuten würde: “Dort gelten erhöhte Sicherheitskontrollen – mit der Konsequenz, dass die Reisenden eine Stunde früher am Bahnhof sein müssen.”

Der VöV-Direktor hält die Schweizer Transportunternehmen für genügend sensibilisiert: “Sie haben bei der Sicherheit besondere Kompetenzen bekommen und machen regelmässig Lagebeurteilungen. Man weiss, welche Züge problematisch sind, dort werden mehr Bahnpolizisten eingesetzt.” Um allfällige Lehren aus dem Fall Salez zu ziehen, braucht es weitere Erkenntnisse.

(red)


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