Japans Regierungschef Shinzo Abe trifft sich mit Donald Trump

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe (rechts) gibt Reportern nach seinem 90-minütigen Treffen mit dem neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump in New York Auskunft.
Der japanische Regierungschef Shinzo Abe (rechts) gibt Reportern nach seinem 90-minütigen Treffen mit dem neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump in New York Auskunft. © KEYSTONE/AP/KATHY WILLENS
Diplomatisches Debüt für Donald Trump: Acht Tage nach seiner überraschenden Wahl hat sich der designierte US-Präsident erstmals mit einem amtierenden Regierungschef getroffen. Zu Gast im Trump Tower in New York war der japanische Regierungschef Shinzo Abe.

Trump empfing Abe an seinem Firmensitz zu einem rund 90-minütigen Gespräch. Abe zog eine positive Bilanz: «Ich bin überzeugt, dass Herr Trump eine Führungspersönlichkeit ist, zu der ich grosses Vertrauen haben kann», sagte Abe vor Journalisten. Es sei ein «sehr offenes Gespräch» gewesen, das in einer «sehr warmen Atmosphäre» stattgefunden habe.

Zum genauen Inhalt machten die Beteiligten zunächst keine Angaben. Trump hatte den US-Verbündeten Japan im Wahlkampf erheblich irritiert: Er hatte die Präsenz der US-Armee in Japan in Frage gestellt und darüber spekuliert, ob Japan sich Atomwaffen zulegen sollte, um sich selbst besser zu schützen.

Vor dem Treffen mit Abe holte sich Trump den Rat des Ex-Aussenministers Kissinger ein. Er habe «enormen Respekt» vor dem 93-Jährigen und wisse zu schätzen, dass dieser sich zu dem Gedankenaustausch bereitgefunden habe, sagte der designierte Präsident.

Laut Trump ging es in dem Gespräch um China, Europa, den Iran, Russland und breitgefächerte weltpolitische Themen. Kissinger war im Wahlkampf klar auf Distanz zu Trump gegangen.

Trump empfing am Donnerstag ebenfalls den Botschafter Israels in den USA, Ron Dermer. Dieser bezeichnete den designierten Präsidenten hinterher als «wahren Freund Israels».

Medienberichten zufolge sucht Trump auch Kontakt zu einem anderen Kritiker, dem früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Mehrere US-Medien berichteten sogar unter Berufung auf Quellen in Trumps Übergangsteam, Romney sei als künftiger Aussenminister im Gespräch. Am Wochenende wolle Trump ihn zu einem Gespräch treffen.

Der 69-jährige Romney war einer der schärfsten Kritiker von Trump im Wahlkampf. Als weitere Anwärter für den Posten des Aussenministers werden der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani und die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, genannt.

Der erzkonservative Senator Jeff Sessions aus Alabama, einer von Trumps frühen Verbündeten, äusserte sich positiv über Romney: «Ich denke, Herr Romney könnte eine ganze Menge Dinge machen.»

TV-Berichten zufolge bot Trump zudem dem Ex-General Michael Flynn, einem weiteren frühen Unterstützer, den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters an.

Romney und auch Kissinger stehen für den traditionellen politischen Kurs der Republikaner; im Wahlkampf hatte der Quereinsteiger Trump das Parteiestablishment immer wieder offen geschmäht.

Seit seinem Wahlsieg in der vergangenen Woche hatte sich Trump die meiste Zeit im New Yorker Trump Tower aufgehalten. Wie aus seinem Umfeld verlautete, wollte er sich am Freitag auf einen seiner exklusiven Golfplätze in New Jersey begeben. Seit dem Wahlsieg steht der Trump Tower in Manhattan unter starkem Polizeischutz, viele New Yorker klagen über Verkehrsbehinderungen.

Noch in diesem Monat will sich der designierte Präsident zudem auf eine Reise durch jene industriell geprägten Bundesstaaten begeben, die ihm letztlich den Sieg gebracht haben. «Wir bereiten eine Siegestour vor», sagte sein Berater George Gigicos. Diese werde «in den nächsten Wochen» stattfinden.

(SDA)


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