Jenische und Sinti eröffnen in Bern ihre Feckerchilbi

Bundesrat Alain Berset und der Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, Daniel Huber, sprechen zusammen an der Feckerchilbi in Bern.
Bundesrat Alain Berset und der Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, Daniel Huber, sprechen zusammen an der Feckerchilbi in Bern. © KEYSTONE/ANTHONY ANEX
In Bern ist die Feckerchilbi eröffnet worden, ein Fest der Jenischen und Sinti mit langer Tradition. Bundesrat Alain Berset stellte sich dabei hinter die Forderung der Organisatoren, nicht mehr von «Fahrenden» zu reden.

Diesen Begriff finden viele Jenische und Sinti problematisch, weil nicht alle von ihnen herumziehen. Zudem sagen sie, sie selber nennten sich Jenische und Sinti. Also solle man sie auch so bezeichnen. Eine Petition mit diesem Anliegen übergaben Jenische- und Sinti-Organisationen im April dem Schweizer Innenminister.

Dieser sagte in seiner Rede zur Eröffnung der Feckerchilbi am Donnerstag auf der Berner Schützenmatte, er anerkenne diese Forderung nach Selbstbezeichnung. Er werde sich dafür einsetzen, dass der Bund die Jenischen und Sinti künftig auch so bezeichne. Das sei nicht Wortklauberei. Mit Sprache schaffe man Realität.

Berset wies auch darauf hin, dass die Schweiz 1998 mit der Ratifizierung eines europäischen Übereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten die «Fahrenden» als nationale Minderheit anerkannt habe. 2001 habe der Bundesrat festgehalten, dass damit alle Jenischen und Sinti gemeint seien – unabhängig davon, ob sie fahrend lebten oder nicht.

Die Schweiz sei kein Volk mit Minderheiten, sagte Bundesrat Berset weiter, sondern ein Volk der Minderheiten. Die Vielfalt der Lebensweisen, der Kulturen und des Blicks auf die Welt: Das sei eine immense Stärke dieses Landes. Insofern bereicherten Jenische und Sinti die Schweiz.

Der Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, Daniel Huber, lud die Bevölkerung ein, das Volk der Jenischen und Sinti am viertägigen Anlass kennenzulernen. Die Radgenossenschaft wolle mit der Chilbi Brücken schlagen.

Venanz Nobel, Vizepräsident des Vereins Schäft Qwant, sagte, für Jenische und Sinti sei die Feckerchilbi etwa wie eine Landesausstellung für andere Schweizer, also eine «Expo der Jenischen und Sinti».

Im Programmheft wird der Anlass als Jahrmarkt, Fest und Ort der Begegnung bezeichnet. Zur diesjährigen Chilbi gehört ein reichhaltiges Kulturprogramm. Die letzte Feckerchilbi fand 2013 in Zürich statt. Etwa 35’000 Jenische und Sinti leben in der Schweiz.

(SDA)


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