Kaffee für zehn Rappen

Von Fabienne Engbers
Cornelia und Markus Wagner-Rhyner führen die Conditorei Rhyner in der vierten Generation.
Cornelia und Markus Wagner-Rhyner führen die Conditorei Rhyner in der vierten Generation. © zVg
Zehn Rappen kostete der Kaffee im Jahre 1886, als die Conditorei Rhyner in Buchs eröffnete. Heute Samstag, 130 Jahre später, offeriert die Familie Rhyner den Kaffee nochmals zum gleichen Preis wie anno dazumal. Bis nach Bern gingen sie, um zu recherchieren, wie viel ein Kaffee um 1900 gekostet haben könnte.

«Wir möchten unseren Kunden etwas zurückgeben», sagt Inhaber Markus Wagner-Rhyner (51). «Viele Kunden haben bereits am Freitag angerufen, um nachzufragen, was denn eine Tasse Kaffee vor 130 Jahren gekostet hat». Seine Frau Cornelia Wagner-Rhyner führt die Conditorei in vierter Generation. Damit gehört die Conditorei Rhyner zu den ältesten Kaffees in Europa, die noch in Familienbesitz sind. Und auch die nächste Generation wird bereits angelernt. Sohn Morris ist 15 und absolviert seine Lehre als Konditor im hauseigenen Betrieb.

«Das Kaffee hat schon viel erlebt»

Wo heute mehrstöckige Blöcke und Geschäft an Geschäft steht, standen vor 130 Jahren hauptsächlich Bauernhöfe an einem Kiesweg. «1886 stand noch kein Eiffelturm, die Menschen waren noch auf Pferdekutschen unterwegs. Unser Geschäft hat zwei Weltkriege überlebt», sagt Markus Wagner-Rhyner stolz. In der Kriegszeit waren die Kaffeehäuser ein beliebter Treffpunkt, da man sich dort informieren und austauschen konnte. Damit ein solches Geschäft so lange am Leben bleibt, braucht es viel Herzblut. «Unsere Vorfahren haben sicherlich viel gearbeitet, so wie wir heute auch», sagt Wagner-Rhyner.

So sah die Strasse der Conditorei Rhyner um 1920 aus.

zVg

Der Preis ist jener von vor 130 Jahren, der Kaffee bleibt modern

«Vor 130 Jahren gab es wahrscheinlich nur wässrigen Filterkaffe», sagt Markus Wagner-Rhyner. Das möchte die Conditorei Rhyner ihren Gästen dieses Wochenende nicht antun. «Wir gehen aber schon zurück zu unseren Wurzeln und servieren den Kaffee aus unserer Kolben-Maschine», sagt Wagner-Rhyner. Zehn Rappen kostet der Kaffee zum Geburtstag. «Ausserdem haben wir unsere eigene Rhyner-Kaffee-Mischung.»

«Qualität bleibt unsere Stärke»

Die Conditorei Rhyner macht seit 130 Jahren Brot, Pralinés und Kaffee nach hauseigenem Rezept. «Zum Beispiel unsere Gipfeli backen wir immer noch nach der alten, überlieferten Rezeptur des Urgrossvaters», sagt Markus Wagner-Rhyner. Die Conditorei Rhyner hat schon immer darauf geachtet, dass die Esswaren eine hohe Qualität aufweisen. «Nur so konnten unsere Vorfahren überleben. Deshalb wollen wir uns weiterhin daran halten.» Mindestens für die nächste Generation bleibt die Conditorei noch in Familienhand. Markus Wagner-Rhyner hofft, dass auch danach ein Rhyner-Sprössling Gefallen am Beruf des Conditors findet.


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