Kampfzone Waschküche

Wenn der Wäschekorb tagelang so stehenbleibt, gibt das Zoff unter Nachbarn.
Wenn der Wäschekorb tagelang so stehenbleibt, gibt das Zoff unter Nachbarn. © (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Wäsche, die ewig zum Trocknen hängt, Waschmittel, das stehenbleibt, dreckige Flusensiebe – fast jeder hat sich schon über die gemeinsame Benutzung der Waschküche aufgeregt. Eine Umfrage zeigt: Die Hälfte der Mieterinnen und Mieter ärgert sich über die Nachbarn, aber kaum jemand sagt etwas. Drastisch: Wegen Zoff in der Waschküche sind sogar schon Mieter umgezogen.

Der Umgang mit der Kollektiv-Waschküche in einem Wohnblock ist nach wie vor eine helvetischer Eigenart. Denn nirgends sonst im Mietshaus wird der Einzelne dermassen in die Pflicht genommen, um das Einhalten von Ordnung zu gewährleisten. homegate.ch wollte in einer Online-Umfrage wissen, ob die von Demokratie und Verboten umgebene Waschküchenordnung auch heute noch für Zündstoff mit den Nachbarn sorgt.

Das Ergebnis: Ja – die Waschküche sorgt für Stress

72 Prozent der Befragten haben Erfahrungen mit der Benutzung einer Kollektiv-Waschküche gemacht. Dabei waren die Waschzeiten von drei Viertel der Befragten geregelt, entweder durch fixe Zeiten oder mithilfe einer Liste, in die man sich einträgt. Wer die Waschküche teilt, ärgert sich auf alle Fälle mehrmals jährlich, öfters auch monatlich und schlimmstenfalls sogar wöchentlich über die Mitbenutzer. Nur gerade 21 Prozent haben sich noch nie über die gemeinsame Waschküche aufgeregt.

Am meisten nervt der Dreck

Fast die Hälfte der Befragten nervt sich über den vorherigen Waschküchenbenutzer, besonders wenn dieser das eigene Waschritual stört. Sei es durch Nicht-Einhalten des Terminplanes, überzogene Nutzungszeiten, oder gar in der Trommel liegengebliebene Wäsche. 30 Prozent der Teilnehmer stört es auch, wenn die Wäsche des Mitbenutzers zum Zeitpunkt der Übernahme noch zum Trocknen aufgehängt ist. Das grösste Ärgernis aber bereitet mangelnde Hygiene in Form von ungenügender Reinigung nach der Benützung.

Selbst scheint man hingegen unfehlbar zu sein:81 Prozent bestätigen, selbst noch nie auf ein Problem angesprochen worden zu sein. Es stellt sich daher die Frage, ob Probleme überhaupt thematisiert werden. 44 Prozent haben sich noch nie beschwert oder sich nur im privaten Kreise darüber ausgelassen. Immerhin 38 Prozent geben an, den Mitbenutzer auf sein Fehlverhalten angesprochen zu haben. Nur 18 Prozent reklamierten direkt bei der Verwaltung und zwei Prozent landeten vor der Schlichtungsbehörde.

Wer rügt, wird belohnt – oder auch nicht

Die Hälfte derjenigen, die ein Problem angesprochen hat, konnte es mit einem Gespräch aus der Welt schaffen. Die andere Hälfte ärgert sich noch immer und wünscht sich mehr Kommunikation und Toleranz unter den Mitbenutzern. Drastische Massnahmen ergriffen 12 Prozent: Sie sind umgezogen, um dem Problem zu entgehen.

Obwohl insgesamt drei Viertel der Befragten mit ihrem Waschplan zufrieden bis sehr zufrieden sind, wünschen sich knapp 70 Prozent der Frauen schlichtweg mehr Geräte ‒ ob Waschmaschine, Tumbler, Lufttrockner ‒ für das Haus und träumen bestenfalls von einer eigenen Waschmaschine in ihrer Wohnung. Neubauten werden diesem Wunsch vermehrt gerecht. Das freut nicht zuletzt den Abwart, der mit dem Wegfallen der Kollektiv-Waschküche eine Aufgabe weniger zu betreuen hat. (pd/red)


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