Geplanter Abschuss von Calanda-Wölfen ist für WWF der falsche Weg

Junge Wölfe (Archivbild KEYSTONE/EPA/UWE ZUCCHI)
Junge Wölfe (Archivbild KEYSTONE/EPA/UWE ZUCCHI) © KEYSTONE/EPA/UWE ZUCCHI
Die Kantone St. Gallen und Graubünden wollen zwei Wölfe aus dem Calanda-Rudel abschiessen. Das Rudel verhalte sich “zunehmend problematisch” und komme den Menschen zu nahe. Für WWF und Pro Natura ist der Abschuss keine Lösung – die Gefahr für Menschen sei minimal.

Bisher sei es noch nicht direkt zu gefährlichen Situationen für Menschen gekommen, teilten die Kantone St. Gallen und Graubünden am Montag mit. Immer öfter wagten sich aber einzelne Wölfe in Siedlungen vor und machten selbst vor Stalltoren, Gebäuden und Freilaufgehegen nicht Halt.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben die Kantone beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine Abschussbewilligung für zwei Tiere beantragt. “Nur wenn die Wölfe wieder scheuer werden, wird ein Zusammenleben dieser Grossraubtiere in der Kulturlandschaft Schweiz auch in Zukunft möglich sein”, schreiben sie.

Dieses Vorhaben kommt bei WWF und Pro Natura gar nicht gut an. In einer Stellungnahme kritisieren sie die geplanten Abschüsse von Jungwölfen. Dies sei “keine Lösung”. Dass Wölfe, ähnlich wie Füchse und Rehe, nahe an Siedlungen kommen, sei nicht ungewöhnlich und müsse nicht unbedingt problematisch sein.

In Europa kenne man kaum Zwischenfälle mit Wölfen, schreiben die Umweltorganisationen. Die Gefahr für die Menschen sei minimal. Sollte das BAFU den Abschuss von zwei Jungwölfen im Calandagebiet erlauben, müssten die Abschüsse “wissenschaftlich begleitet und die Auswirkungen genau dokumentiert werden”.

Das erste Wolfsrudel der Schweiz lebt seit 2012 im Gebiet des Calanda-Ringelspitz-Massivs. Laut dem Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen, Dominik Thiel, besteht das Rudel aus etwa zehn Wölfen: einem Elternpaar mit vier Jungen sowie drei bis fünf Jungtieren vom letzten Jahr.

Der geplante Abschuss von zwei Tieren habe nichts mit Rissen von Nutztieren zu tun, sagte Thiel der Nachrichtenagentur sda. Die Calanda-Wölfe hätten in diesem Jahr sieben Ziegen und ein Kalb gerissen. Das seien gemäss den Vorschriften des Bundes nicht genug Risse, um einen Abschuss zu begründen.

(SDA)


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