Kein Deutsch für Flüchtlinge in St.Gallen?

Integrations-Deutschkurse könnten in Zukunft teurer werden.
Integrations-Deutschkurse könnten in Zukunft teurer werden. © KEYSTONE/KEYSTONE HAMBURG/Jochen Zick
Die Förderer der Integration im Kanton St.Gallen sind «hässig». Die Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidenten will sich in Zukunft aus der Finanzierung der Deutschkursangebote zurückziehen. Einen Beitrag von bis zu 1,2 Millionen Franken könnte dadurch wegfallen. Dass die Kurse so noch bezahlbar bleiben, glauben die Anbieter kaum.


«Die Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidenten (VSGP) will sich sehr kurzfristig und ohne Vorgespräche aus der Finanzierung der Deutschkursangebote zurückziehen», schreibt die Schule für fremdsprachige Frauen, Aida. Dies soll schon ab Anfang 2017 geschehen.

Für Aida völlig unverständlich: «Im Januar 2014 wurde das neue Tarifsystem lanciert. Alle laufenden Verträge mit Gemeinden und Kantonen wurden daraufhin aufgehoben, da die Finanzierung von da an zu einem grossen Teil von der VSGP übernommen wurde», sagt die Geschäftsleiterin Brigitte Eigenmann.

Nur noch Unterstützung bis im Juni

Der Entscheid, sich in Zukunft nicht mehr finanziell an den Deutschkursen zu beteiligen, komme daher sehr überraschend: «Wir haben viele Gespräche mit der VSGP über die Dauer der finanziellen Unterstützung geführt, leider konnte sie uns nie klare Informationen geben.» Bis am 28. September. «Wir haben erst zu diesem Zeitpunkt erfahren, dass die Vereinbarung in drei Monaten aufgelöst wird.”

Dieser kurzfristige Entscheid mache es für die Aida und auch andere Anbieter von Deutschkursen im Kanton St.Gallen unmöglich, neue Verträge abzuschliessen. «Die Zeit ist viel zu kurz.» Obwohl die Vereinbarung ab dem neuen Jahr nicht mehr gilt, zahlt die VSGP noch weiter bis zum 31. Juni 2017, was dann passiert, steht in den Sternen.

Deutschkurse werden teurer

Vermutlich werden die Kosten auf die Teilnehmer abgewälzt: «Es ist gut möglich, dass die Deutschkurse teurer werden. Wie wir sehen, bewegen sich bereits heute viele unserer Teilnehmer in der untersten Tarifstufe. Dass diese die Deutschkurse in Zukunft noch bezahlen können, ist eher unwahrscheinlich.»

Besonders ärgerlich findet die Aida, dass der Kanton St.Gallen in einer Intergrationsvereinbarung festlegt, welches Sprachniveau bei der Integration erreicht werden muss. Sollten die bestehenden Deutschkurse in Zukunft nicht gewährleistet werden, wird es schwierig dieses Sprachniveau zu erreichen.

St.Galler Gemeindepräsidenten nehmen keine Stellung

Warum sich die VSGP aus der Finanzierung zurückzieht, darüber kann Brigitte Eigenmann nur spekulieren: «Eine Möglichkeit ist, dass die Vereinigung einen gewissen Geldbetrag zur Verfügung hatte, welchen sie ausgeben mussten. Dieser ist nun entweder aufgebraucht oder die VSGP hat uns absichtlich nicht über das Auslaufen der Finanzierung informiert.»

Bei der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidenten war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen. Es wird auf ein ausführliches Statement in der kommenden Woche verwiesen.
(abl)


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