Kein Favorit im Duell um den letzten NLA-Platz

Schwere Zeiten: Ambri-Piotta beendete die NLA-Saison auf dem letzten Platz und muss nun um den Ligaerhalt bangen
Schwere Zeiten: Ambri-Piotta beendete die NLA-Saison auf dem letzten Platz und muss nun um den Ligaerhalt bangen © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Nach 32 Jahren Erstklassigkeit droht dem NLA-Letzten Ambri-Piotta der Abstieg. Der Kultklub aus der Leventina kämpft gegen B-Meister Langenthal ums Überleben.

Langenthal, der Gegner von Ambri-Piotta in der am Donnerstag beginnenden Ligaqualifikation, sicherte sich gegen die Rapperswil-Jona Lakers erst am Dienstag den NLB-Meistertitel. Von daher sind die Oberaargauer zumindest für Spiel 1 beim Nordtessiner Dorfklub noch Aussenseiter.

Doch bei Ambri-Piotta herrscht Nervosität. Das Team von Gordie Dwyer trainiert seit Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei ist für den Playoff-Finalisten von 1999 der Abstiegskampf fast Alltag. Seit 2006 schaffte es der Traditionsklub nur einmal, 2014, in die Playoffs.

Ein weiteres Mal ist die Lage nun für Ambri-Piotta kritisch, zum dritten Mal sind die Biancoblu in einer Best-of-7-Serie als A-Vertreter in der Ligaqualifikation gefordert – gegen Visp (2011) und bereits einmal gegen Langenthal (2012) konnten die Leventiner die Klasse mit 4:1 Siegen jeweils halten.

Dass Ambri nun erneut so tief im Schlamassel sitzt, kommt nicht von ungefähr. Allein mit den Abgängen der Eigengewächse Inti Pestoni und Daniele Grassi gingen auf diese Saison hin insgesamt 70 Skorerpunkte verloren, die durch Zuzüge wie jene von Peter Guggisberg oder Eliot Berthon nicht kompensiert wurden.

Hinzu kamen teilweise bescheidene Leistungen der ausländischen Gastarbeiter. Der kanadische Stürmer Matt D’Agostini beispielsweise, in der Vorsaison noch Topskorer bei Genève-Servette und als Königstransfer gehandelt, blieb zuviel schuldig. Stammgoalie Sandro Zurkirchen, vor einem Jahr noch Nummer 3 im Schweizer WM-Aufgebot, war zuletzt auch kein (grosser) Rückhalt mehr. Sein (von Lausanne immer noch nicht bestätigter) Abgang per Saisonende stand bereits zur Saisonmitte fest.

Vorerst ist bei Ambri-Piotta maximale Hingabe gefordert – was eigentlich in der DNA des ewigen Underdogs verankert sein müsste. Denn: «Es gibt keinen Plan B. Ein Abstieg wäre eine Katastrophe. Es gibt für Ambri nur den Sieg in der Ligaqualifikation», fordert jüngst selbst Valerio Jelmini, der Bürgermeister des Bezirks Quinto, gegenüber dem Corriere dello Ticino.

Der unumgängliche Stadion-Neubau bei Ambri-Piotta mit einem Kostenvolumen von 50 Millionen Franken steht und fällt mit dem Verbleib in der höchsten Spielklasse. Präsident Filippo Lombardi betont in alle Richtungen gebetsmühlenartig: «Wir müssen erst die Saison mit der Ligazugehörigkeit beenden, ehe wir weiter über das Stadionprojekt diskutieren.» Vorderhand darf Ambri-Piotta noch maximal zwei Saisons in der Valascia spielen.

Langenthal verfügt in seinem ebenso altehrwürdigen Stadion Schoren eine provisorische Bewilligung für den Spielbetrieb in der NLA mit Auflagen. Im Vergleich zu 2012 zählt der SC Langenthal laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» nunmehr zu den Vorreitern der Datenanalyse. Seit drei Jahren arbeiten die Oberaargauer mit erweiterten Statistiken zu Spielern und Spielsituationen. Trainer Jason O’Leary sagt dazu schlicht: «Wer diese Hilfsmittel nicht nutzt, ist einfach dumm.»

Bei Langenthal würde das Budget im Aufstiegsfall von fünf auf sieben Millionen Franken erhöht. Ob der NLB-Meister bei einem Triumph in der Serie gegen Ambri nicht doch noch auf den Aufstieg verzichtet, ist indes offen.

Schon vor fünf Jahren hatte bei Langenthal gegen Ambri der diesjährige Topskorer Jeff Campbell gefehlt, weil er sich im letzten NLB-Playoff-Finalspiel gegen Lausanne verletzt hatte. Captain und wichtigster Schweizer Spieler bei Langenthal von damals wie heute ist Stefan Tschannen, der 2004 Meister mit dem SC Bern war.

Das Auf-/Abstiegsplayoff wird zum letzten Mal mit zwei Ausländern gespielt. Das Kontingent für diese Serie wird künftig auf drei erhöht. Bei Ambri dürfte zu Beginn einzig der kanadische Stürmer Cory Emmerton gesetzt sein. Langenthal spielt seit dem Saisonende von Campbell, der Mitte März eine Knieverletzung erlitt, nur mit einem Ausländer, dem kanadischen Stürmer Brent Kelly.

(SDA)


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