Keine Akkreditierung: “Spiegel”-Korrespondent verlässt die Türkei

Türkischer Mann bei der Zeitungslektüre in Istanbul: Der Korrespondent des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" berichtet künftig aus Wien über die Türkei, weil ihm die Regierung keine Akkreditierung ausstellt. (Symbolbild)
Türkischer Mann bei der Zeitungslektüre in Istanbul: Der Korrespondent des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" berichtet künftig aus Wien über die Türkei, weil ihm die Regierung keine Akkreditierung ausstellt. (Symbolbild) © KEYSTONE/EPA/DENIZ TOPRAK
Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” hat seinen Korrespondenten Hasnain Kazim aus der Türkei abgezogen. Die türkischen Behörden haben Kazim nach dessen Darstellung die Akkreditierung als Korrespondent verweigert. “Deswegen blieb mir letztlich keine Wahl, als dieses Land zu verlassen.

Man hat mir einfach nicht ermöglicht, hier weiter zu berichten”, sagte Kazim der Nachrichtenagentur dpa. Nach zweieinhalb Jahren in Istanbul wird der 41-Jährige nun von Wien aus berichten.

Kazim sagte, seinen Presseausweis für dieses Jahr habe er vor mehr als drei Monaten beantragt. Offiziell werde der Antrag weiterhin bearbeitet. Weder er noch der “Spiegel” rechneten aber damit, dass er noch bewilligt werde.

“Die Türkei hat mir nie einen Grund genannt dafür. Es wird wohl damit zu tun haben, dass die Machthaber in diesem Land unzufrieden sind mit der Berichterstattung des “Spiegel”.” Anhänger der islamisch-konservativen AKP-Regierung werfen dem Nachrichtenmagazin einseitige Berichterstattung vor.

Kazim übte Kritik an der Regierung in Ankara. “Ich glaube, von Pressefreiheit kann man in der Türkei schon seit langem nicht mehr sprechen.” Aus Sicherheitskreisen sei ihm zugetragen worden, dass ihm ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation drohen könnte, sollte er das Land nicht verlassen. “Bloss weil ich mit Leuten gesprochen habe, die die Türkei als Terroristen bezeichnet.”

Kazim sagte, die deutsche Regierung habe sich bei der türkischen Regierung für seinen Fall eingesetzt, leider ohne Erfolg. “Ich glaube, die Bundesregierung hat getan, was sie tun konnte.”

(SDA)


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