Keine Farbe für den Churer Mühleturm

So könnte der Mühleturm mit dem Gemälde von Fabian Florin aussehen.
So könnte der Mühleturm mit dem Gemälde von Fabian Florin aussehen. © pd
Der Churer Mühleturm bleibt vorerst eine graue Maus. Das Astra hat die Neugestaltung des Turms an der Autobahn nicht bewilligt. Bei der Stadt Chur ist man überrascht und glaubt, dass es sich nur um ein Missverständnis handeln kann.

Wenn es nach der Stadt Chur ginge, würde der Mühleturm schon in wenigen Monaten in neuem Glanz erstrahlen. Das Projekt steht und Graffiti- und Airbrushkünstler Fabian Florin alias Bane wartet auf grünes Licht. Nun macht das Bundesamt für Strassen Astra den Churern einen Strich durch die Rechnung, wie die «Südostschweiz» berichtet. Das Kunstprojekt halte die gesetzlichen Anforderungen nicht ein, heisst es in einem Schreiben des Astras an die Adresse des Stadtrats. Statt grünes Licht zu geben, sieht das Astra für das Bündner Projekt also schwarz.

Bei der Stadt Chur ist man vom Entscheid überrascht. Stadtpräsident Urs Marti erklärt, dass man während der Erarbeitung des Projekts bereits mit dem Astra in Kontakt gestanden hätte und geglaubt habe, dass man auf dem richtigen Weg sei. Laut Marti kann es sich deshalb nur um ein Missverständnis handeln. «Vielleicht ist aus dem Gesuch zu wenig klar hervorgegangen, dass es sich um ein Kunstprojekt handelt und nicht um Reklame», vermutet Marti.

Kunst kennt das Gesetz nicht

Tatsächlich hat die Stadt Chur ein Reklamegesuch eingereicht, wie der städtische Projektverantwortliche Victor Zindel sagt. Allerdings nur, weil es keine andere Möglichkeit gegeben habe. Denn das Problem ist: Kreatives kennt die Signalisationsverordnung des Bundes nicht – nur Reklamen. Als solche gelten «alle Werbeformen und andere Ankündigungen in Schrift, Bild, Licht, Ton usw., die im Wahrnehmungsbereich der Fahrzeugführenden liegen». All diese Reklamen sind im Bereich von Autobahnen verboten.

Luca Moro von der zuständigen Astra-Filiale in Bellinzona sagt gegenüber der «Südostschweiz», dass die Gesetzgebung sehr streng sei und nur wenige Ausnahmen kenne. Keine davon treffe auf den Fall des Churer Mühleturms zu. «In manchen Fällen kann das Gesuch angepasst werden, damit es den gesetzlichen Grundlagen entspricht. Für dieses Projekt scheint mir das jedoch schwierig», sagt Moro. Vielleicht gäbe es die Möglichkeit, es statt unter dem Titel der Reklame unter jenem der touristischen Signalisation zu versuchen.

Grau in Grau: So sieht der Mühleturm heute aus. (Bild: Screenshot Google Maps)

Chur hofft, dass sich Astra umentscheidet

Die Stadt Chur hofft nun auf eine Wiedererwägung. Ein Gesuch sei bereits unterwegs zum Astra, sagt Stadtpräsident Urs Marti. Jetzt heisst es abwarten, ob das Astra seinen ursprünglichen Entscheid aufhebt, den Fall nochmals beurteilt und anschliessend neu verfügt. Marti ist guter Dinge, dass das Astra doch noch grünes Licht gibt.

Künstler steht in den Startlöchern

Dass es vorerst einen Marschhalt gibt, kommt Graffitikünstler Fabian Florin ein Stück weit entgegen. «Ich bin froh um etwas Luft, da es ein riesiges und für mich sehr wichtiges Projekt ist, weil es Teil meiner Heimatstadt sein wird», sagt Florin. Allerdings hat sich der Bünder wegen des Grossprojekts den Frühling freigehalten und andere Aufträge im Ausland abgelehnt. Dass nun ungewiss ist, wann der Mühleturm Farbe bekommt, erschwert seine Terminplanung für die kommenden Wochen und Monate.

(red.)


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