«Keine Schikanen bei Einbürgerungen!»

Nicht eingebürgert, weil er die Dorfbeizen nicht kennt? Das lässt sich Mergim Ahmeti nicht bieten und legt Rekurs ein. (Symbolbild)
Nicht eingebürgert, weil er die Dorfbeizen nicht kennt? Das lässt sich Mergim Ahmeti nicht bieten und legt Rekurs ein. (Symbolbild) © KEYSTONE/Christian Beutler
Nachdem das Einbürgerungsgesuch des 22-jährige Albaners Mergim Ahmeti von der Gemeinde abgelehnt wurde, hat er Rekurs beim Kanton eingereicht. Nun stellen sich auch Politiker hinter ihn. Die Verfahren müssen transparenter werden, fordert die SP.

Das abgelehnte Einbürgerungsgesuch des 22-jährigen Montlingers Mergim Ahmeti macht im ganzen Land Schlagzeilen (FM1Today berichtete). Der 22-jährige Kosovare, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, fühlt sich vom Einwohnerrat der Gemeinde diskriminiert. Darum hat er nun beim Kanton Rekurs eingereicht. Der 22-Jährige spricht perfektes Schweizerdeutsch, arbeitet in Weinfelden und studiert Beriebswirtschaft an der Höheren Fachschule.

«Glaube darf kein Kriterium sein für die Einbürgerung»

Als sich Ahmeti im Dezember einbürgern lassen will, wird er über seinen muslimischen Glauben ausgefragt: «Nicht, dass Sie jetzt hier ihren Teppich ausbreiten und zu beten beginnen», soll es bei der Befragung geheissen haben. Dies sorgte bei Ahmeti für Kopfschütteln: «Der Glaube kann doch kein Kriterium sein, ob man den Schweizer Pass bekommt oder nicht?»

«Wir fragen sachlich und objektiv»

Von solchen Fragen will Rolf Huber, Vorsitzender des Montlinger Einbürgerungsrats, nichts wissen: «Wir diskriminieren niemanden wegen seines Glaubens. Wir fragen ganz sachlich und objektiv.» Mehr will man hier nicht zum Fall Ahmeti sagen: Es laufe ein Verfahren beim Kanton.

«Er kennt die Beizen des Dorfes nicht»

Die Gemeinde begründete die Ablehnung Ahmetis nicht etwa mit dem Glauben. Vielmehr habe er sich nicht richtig integriert und sich nicht richtig im Gemeindeleben betätigt. In der schriftlichen Stellungnahme der Gemeinde beschreibt der Einbürgerungsrat den ehemaligen Fussballer des FC Montlingen so: «Er bemüht sich wenig, um sich voll und ganz im Dorf zu integrieren. Beispielsweise kennt er die Restaurants in Montlingen nicht, obwohl er dort aufgewachsen ist.» Ebenso sei kein Wille spürbar, dass Ahmeti etwas für die Gemeinde Montlingen bewirken möchte.

Politik fordert Einsicht in die Verfahren

Auch Politikern sind solche Aussagen ein Dorn im Auge. Der Vizepräsident der SP des Kantons St.Gallen, Arber Bullakaj, stellt sich hinter Mergim Ahmeti: Man sollte die Fragen des Einbürgerungsrats publik machen. Es sollte für jeden einsehbar sein, ob die Fragen überhaupt etwas mit einem möglichen Einbürgerungsverfahren zu tun haben oder ob sie lediglich persönliche Schikanen sind.

Ein Entscheid zum Einbürgerungsverfahren des Kantons St.Gallen ist ausstehend.

 

Der Bericht dazu auf TVO:


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