Keine Selfies in Paris

Basels Mittelfeldantreiber Geoffroy Serey Die spricht vor dem Champions-League-Auftritt bei Paris Saint-Germain
Basels Mittelfeldantreiber Geoffroy Serey Die spricht vor dem Champions-League-Auftritt bei Paris Saint-Germain © KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Basel hat in Paris einen couragierten Auftritt im Sinn. Die Champions-League-Lektion von London soll sich gegen den PSG keinesfalls wiederholen. «Europäisch zu überwintern, ist unser Ziel. Wir benötigen dafür noch Punkte. Je früher wir sie gewinnen, desto besser wird die Ausgangslage.

» Urs Fischer weicht in Paris selbstredend nicht von seinem Vorhaben ab, in der Gruppenphase mindestens Platz 3 anzuvisieren.

Die Herausforderung könnte kaum grösser sein, ausgerechnet auf dem Platz einer Mannschaft einen Coup zu zelebrieren, die nur minim hinter Arsenal einzustufen ist. Von ihren 41 Europacup-Heimspielen der letzten zehn Jahre hat die französische Nummer 1 nur eines verloren – im Viertelfinal im vorletzten April gegen den FC Barcelona.

Aber die Bebbi signalisierten zumindest am Tag vor dem Kick-off auf verbaler Ebene Entschlossenheit. «Wir sind nicht hier, um Selfies zu machen», sagte etwa Geoffroy Serey Die. «Nein, den Eiffel-Turm werden wir nicht besuchen, es geht hier um Punkte», legte Coach Urs Fischer nach.

Fischer schwebt ein Team vor, «das die 1:1-Situationen annimmt». Deshalb dürfte er das europäische Comeback von Serey Die in Betracht ziehen. Für den Ivorer, in den zwei Kampagnen vor seinem Abstieg mit dem VfB Stuttgart im defensiven FCB-Zentrum eine verlässliche Grösse, spricht neben der Kampfkraft die internationale Reife.

Der bullige Mittelfeldspieler gehörte an zahlreichen spektakulären Europacup-Abenden zu den Hauptdarstellern. Für ihn Tempi passati: «Die Vergangenheit zählt nicht mehr.» Der aus Basler Sicht suboptimale Fakt der europäischen Erfahrungswerte wird der Afrikaner mutmasslich ebenso ausblenden: Im Kader von Paris sind 573 Champions-League-Einsätze vereint, die Bebbi kommen auf lediglich 131 Partien.

Für einmal müssen die FCB-Professionals mehrheitlich auf den Support ihrer lautstarken Anhänger verzichten. Der harte Kern der «Muttenzerkurve» boykottiert die Partie. Vertreter der Basler Fan-Gruppierung begründeten die Absage der Reise mit dem gemessen an der Stadiongrösse zu knappen Kontingent von 800 Karten und den engmaschigen Registrierungsauflagen.

«Cavani gibt Paris Luft», titelte Frankreichs Fachzeitung «L’Equipe» nach dem 3:1 von PSG in Sofia. Mit einer Doublette innerhalb von vier Minuten hatte der Uruguayer den Ligue-1-Titelhalter zum 3:1-Erfolg geführt. Drei der vier Champions-League-Treffer des Vereins aus der Metropole schoss der Südamerikaner.

Auch im Tagesgeschäft ist «El Matador» kaum zu bremsen – neun Tore in acht Spielen. Ihm hat Coach Unai Emery viel zu verdanken. Mit seiner Formstärke kaschiert der Uru gegenwärtig mehrere Defizite. Emerys Impulse sind (noch) zu wenig spürbar, auch wenn der Basler Trainer Urs Fischer in der Pariser Spielart «bereits einiges von Sevilla» erkannt haben will. Die pedantische Vorgehensweise des spanischen Fussball-Lehrmeisters ist für die Stars offenbar gewöhnungsbedürftig. Er verschiebe die Spieler im Training wie Schachfiguren und behandle sie teilweise wie Schulbuben, halten Kritiker seines streng didaktischen Stils fest.

Erschwerend kommt für Emery hinzu, dass dem Double-Gewinner im Tagesgeschäft auch nach dem 9. Spieltag Lucien Favres Nice vor der Sonne steht. In der Stunde des vierten Pariser Titelgewinns in Serie – notabene mit einem Rekordvorsprung von 31 Punkten – hätte kaum jemand mit einem derart überraschenden Zwischenstand gerechnet.

 

(SDA)


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