KFC als Weihnachtsfestessen

Eine Essiggurke am Weihnachtsbaum.
Eine Essiggurke am Weihnachtsbaum. © www.jessfuel.com
Es ist Weihnachten! Nicht nur bei uns, sondern auf aller Welt. Ausser ein paar Ausnahmen. Zeit für die Iren, einen Sprung ins kühle Nass zu machen. Die Japaner essen an Weihnachten am liebsten im Kentucky Fried Chicken. Und wo geht man wohl vor dem traditionellen Essen im Plenum in die Sauna? Zehn der kuriosesten Weihnachtsbräuche der Welt.

Es begann alles im Jahre 1974, als der amerikanische Hühnchen-Gigant Kentucky Fried Chicken (KFC) eine Werbekampagne – Kurisumasu ni wa kentakkii!” (Kentucky zu Weihnachten!) in Japan lancierte, die bis heute in der Gesellschaft durchschlägt. Seit diesem Zeitpunkt ist es Tradition für viele Japaner, an Weihnachten bei KFC das Weihnachts-Menü – frittiertes Hühnchen, Wein, Kuchen, Champagner – für 40 Dollar zu geniessen.

Heiliger Junk Food

Man muss mittlerweile Plätze reservieren, damit man bei KFC Weihnachten feiern kann. KFC macht an den Weihnachts-Feiertagen den besten Umsatz des Jahres in Japan. Darum gibt es auch heute noch klar ausgerichtete Werbekampagnen, um diese “Tradition” zu wahren.

Mit Religion hat das Fest übrigens nur ganz marginal etwas zu tun: Der Weihnachtstag ist kein offizieller Feiertag in Japan. Lediglich 1 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Christen.

Brrrrr in Irland

Die Iren sind harte Kerle. Das beweisen sie alljährlich in ihrer Tradition des “Weihnachts-Schwums” am Morgen des 25. Dezembers. Populär geworden für diese Tradition ist der Forty Foot Rock, südlich von Dublin. Hunderte Menschen springen alljährlich von dort aus in die irische See. Natürlich nur mit Badeanzug, Neopren gibt’s nicht! Das Wasser ist in der Regel etwa 10 Grad “warm”. Die Aussentemperatur ist aber meistens viel tiefer. Man sagt, dass der Sprung gegen Kater hilft. Wer nicht glaubt, dass die Iren das wirklich machen, der schaue selbst:

Single-Frauen versuchen ihr Glück

In Tschechien machen Single-Frauen am Weihnachtsabend eine Art Blick in die Liebes-Zukunft. Um herauszufinden, ob im kommenden Jahr um die Hand angehalten wird, stellen sie sich mit dem Rücken zur Hauswand. Dann werfen sie einen Schuh über die Schulter. Wenn nach der Landung die Spitze des Schuhs zur Tür zeigt, heiratet die Dame im nächsten Jahr. Zeigt der Absatz auf die Türe, wird nichts aus der Hochzeit.

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Übrigens darf in Tschechien laut Tradition am Weihnachtsabend kein Alkohol ausgeschenkt werden. Obwohl sie weltweit am meisten Bier trinken: 144 Liter pro Jahr und Nase (Stand 2014).

Strohziege in Schweden

In Schweden gibt den Julbock, das bedeutet so viel wie “Weihnachtsziegenbock”. Die Ziegenbockfigur aus Stroh wird heutzutage in Schweden sowie auch anderen skandinavischen Ländern wie Norwegen als Weihnachtsschmuck aufgestellt. Ursrpünglich brachte der Julbock die Geschenke an Weihnachten, heute macht das der Weihnachtsmann.

In der schwedischen Stadt Gävle wird seit 1966 auf dem zentral gelegenen Schlossplatz (Slottstorget) ein überdimensionaler Julbock aufgestellt. Er ist normalerweise 13 Meter hoch, sieben Meter lang und wiegt etwa 3,5 Tonnen. Trotz intensiver Bemühungen der Initiatoren, den Bock zu schützen, wird er fast jedes Jahr Opfer von Brandanschlägen.

Der Julbock in Gävle, Schweden.

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Dieser Vandalismus wurde von ausländischen Touristen bzw. Austauschstudenten als Tradition interpretiert, so dass sie sich aktiv an der Zerstörung des Julbocks beteiligten. Zum 40-jährigen Jubiläum wurde der Julbock im Winter 2006 erstmals mit einem Brandschutzmittel imprägniert und konnte einem Anschlagversuch erfolgreich standhalten.

Das “Scheisserchen” in Spanien

In Spanien ist man der Natur nahe. Dort ist es Brauch, ein kleines Männchen (“Caganer” genannt, katalanisch für “Scheisser”) in der Krippe aufzustellen, das sich gerade dem grossen Geschäft widmet. Der Ursprung dieses Brauchs ist unbekannt. Man vermutet aber, dass das Männchen mit den herunter gelassenen Hosen ein Sinnbild für den Kreislauf der Natur darstellt.

Heutzutage dienen populäre Personen wie der FC Barcelona-Starfussballer Luis Suarez als Vorlage für die Caganer-Krippenfiguren.

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Des weiteren ist der Caganer ein Symbol für einen gesunden und ausgeglichenen Körper. Vor einem guten Essen ist daher folgender ziemliche derber Spruch im vertrauten Umfeld durchaus üblich: „menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ (‚Iss gut, scheisse kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!‘).

In die Messe rollen

Wie in vielen katholisch geprägten Orten ist es auch in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, üblich, an Heiligabend in die Messe zu gehen. In Caracas geht man an den Feiertagen zu Weihnachten auf den Inline Skates zur Messe. Dafür werden extra die Strassen für Autos gesperrt.

Symbolbild

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Keine Besen in Norwegen

Böse Geister und Hexen kommen an Weihnachten besonders gerne in den Häusern vorbei. Das glauben zumindest viele Norweger. Deshalb verstecken sie während den Weihnachtstagen ihre Besen und andere ähnliche Putzinstrumente, damit die Hexen sie nicht klauen können. Zudem werden im Garten Pistolenschüsse abgefeuert, um die Geister und Hexen zu verscheuchen.

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Schwitzen vor dem Essen

Wen überrascht’s: In Finnland ist der Saunagang an Heiligabend Tradition. Man geht demzufolge vor dem Festmahl traditionell schwitzen, alle gemeinsam. In früheren Zeiten war die Weihnachtssauna für die Finnen das wichtigste Ereignis des ganzen Weihnachtsfestes. Die Leute glaubten damals, dass auch die verstorbenen Angehörigen zum Baden in die Weihnachtssauna kämen.

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Essiggurken am Weihnachtsbaum

Man kennt die USA vor allem durch ihre imposanten Lichtermeere während der Weihnachtszeit. Dieser weihnachtliche Baumschmuck ist aber eher kurios als kitschig: Die Amis hängen Essiggurken an ihre Christbäume. Keine echten, wobei die Essiggurke vielleicht gut käme mit dem hiesigen Schoggi-Eiszapfen zusammen.

Eine Essiggurke am Weihnachtsbaum.

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Der Brauch kommt aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, wo ein Kriegsgefangener 1864 am Weihnachtsabend den Gefängniswärter um eine Essiggurke bat. Er gab dem Inhaftierten eine. Dieser lobpreiste die Essiggurke später als Lebensretterin. So soll er die Tradition gegründet haben.

Grauseliges aus Grönland

Kein Fondue Chinoise oder Truthahn: In Grönland geht es etwas ekliger zu und her: Kiviak nennt sich die grönländische Spezialität, die zu Weihnachten und anderen festlichen Anlässen aufgetischt wird. Kiviak ist rohes Vogelfleisch (vom Alkenvogel) in Seehundhaut und wird mehrere Monate vor Weihnachten unter einen Stein gelegt, bis es schön zersetzt ist. Für viele Ureinwohner Grönland ist das verdorbene Fleisch eine Delikatesse. Ein Gericht namens “Mattak” – Walspeck oder Robbenspeck umhüllt mit Walhaut – wird auch oft an Weihnachtsfeiern serviert.

Der Vogel wird über Monate in der Walhaut "gegärt".

http://tywkiwdbi.blogspot.ch/2012/02/kiviaq-auk-fermented-in-seal.html

(lak)


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