Kindergärtnerinnen klagen für mehr Lohn

Von Linda Aeschlimann
Kindergartenlehrpersonen in Graubünden verdienen fast 22'000 Franken weniger als ihre Kollegen im Kanton Basel-Land.
Kindergartenlehrpersonen in Graubünden verdienen fast 22'000 Franken weniger als ihre Kollegen im Kanton Basel-Land. © KEYSTONE/ Georgios Kefalas
Unfair und diskriminierend: Bündner Kindergartenlehrpersonen sind mit ihrem Lohn unzufrieden. Sie klagen nun wegen Lohndiskriminierung. Nicht zu unrecht. Im Deutschschweizer Vergleich liegen die Löhne in Graubünden deutlich unter dem Schnitt.

In Graubünden herrscht Handlungsbedarf wenn es um die Löhne von Kindergartenlehrpersonen geht. Dieser Meinung ist zumindest der Bündner Lehrerverband (Legr). Nun will er vor dem Verwaltungsgericht für höhere Löhne kämpfen.

“Wir erhoffen uns Erfolg von dieser Klage, denn die Kindergartenlehrpersonen in Graubünden verdienen mit Abstand am wenigsten”, sagt Sandra Locher Benguerel, Präsidentin Legr. Sie zeigt sich zuversichtlich, dass das Verwaltungsgericht dem Bündner Lehrerverband Recht gibt. Schliesslich seien solche Klagen auch schon in anderen Kantonen erfolgreich gewesen.

60’000 Franken Jahreslohn

Die Kindergartenlöhne in Graubünden sind die tiefsten von allen Deutschweizer Kantonen. Ein Blick auf eine Mindestlohntabelle zeigt, dass der Anfangslohn bei 60’000 Franken im Jahr liegt. Der Durchschnitt in der Deutschschweiz liegt aktuell bei knapp 72’000 Franken.

Die Löhne der Büdner Kindergartenlehrpersonen sind die tiefsten. AI noch nicht angepasst.

Die Löhne der Büdner Kindergartenlehrpersonen sind die tiefsten. AI noch nicht angepasst. Quelle: D-EDK, Lohnstatistik 2016

Laut Sandra Locher Benguerel will man vor Gericht aber nicht den Vergleich mit anderen Kantonen oder Lehrpersonen machen. Es sollen die Löhne von anderen Gemeindeangestellten in einem “männlichen” Beruf verglichen werden.

Gemeinden werden verklagt

Das Ziel des Bündner Lehrerverbandes ist, dass der Kanton die Löhne von Kindergartenlehrpersonen anpasst. Da Lehrpersonen aber der Gemeinde unterstellt sind, werden drei bis fünf Gemeinden exemplarisch verklagt. Sandra Locher Benguerel möchte keine Namen nennen. “Wir wollen keine Gemeinde ins schlechte Licht stellen und bedauern, dass wir den juristischen Weg über die Gemeinden nehmen müssen. Unser Schlag richtet sich gegen die Mindestlohntabelle des Kantons.” Es bestände keine andere Möglichkeit. Es könne nur der Arbeitgeber, sprich die Gemeinden, verklagt werden. Die Klage wird nun vorbereitet und voraussichtlich im Frühling 2017 eingereicht. Das hat die Delegiertenversammlung des Bündner Lehrerverbandes gestern Abend entschieden.

Beim Kanton Graubünden, welcher den Mindestlohn festlegt, will man keine Stellung nehmen. Das mache man nie bei laufenden Verfahren, heisst es auf Anfrage von FM1Today.

Erhöhung in anderen Kantonen

Ein Blick in andere Kantone im FM1-Land zeigt: Auch da wurden die Löhne angepasst. In Appenzell Innerrhoden hat die Schulrätekonferenz im Juni 2016 entschieden, den Lohn der Kindergartenlehrpersonen an den der Primarlehrer anzupassen. “Die Ausbildung einer Kindergartenlehrperson ist analog zur Primarlehrerausbildung. Unter anderem aus diesem Grund haben wir uns für eine Anpassung entschieden”, sagt Norbert Senn, Leiter des Volksschulamtes des Kantons Appenzell Innerrhoden.
Gemäss Hansjörg Bauer vom Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverband St.Gallen kommt dieses Modell im Kanton St.Gallen schon länger zur Anwendung. Deshalb sind Klagen oder Anpassungen zurzeit kein Thema.

(lae)


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