Klimt aus dem 3D-Drucker: «Kuss»-Relief für Blinde

V.l.: Reiner Delgado (DT Blinden Verband), Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco und Christian Helmenstein (GF Economica) mit zwei Fassungen von Klimts "Kuss": hinten das Original, vorne die 3D-Kopie.
V.l.: Reiner Delgado (DT Blinden Verband), Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco und Christian Helmenstein (GF Economica) mit zwei Fassungen von Klimts "Kuss": hinten das Original, vorne die 3D-Kopie. © KEYSTONE/APA/HERBERT PFARRHOFER
Kunstgenuss mit Sehbehinderung? Ein EU-Projekt und neue Technologien machen es möglich: Per 3D-Drucker werden Kunstwerke zum Tastbild. Im Wiener Belvedere ist Gustav Klimts Meisterwerk «Der Kuss» nun als 42 mal 42 Zentimeter grosse Reliefdarstellung zu greifen.

«Wir wollen bei der Kunstvermittlung an Blinde und Sehbehinderte ein ganz neues Kapitel aufschlagen», so Reiner Delgado. Der Kulturreferent des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands präsentierte den «Kuss» bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Einer der Projektpartner ist das Manchester Museum, wo man das Verfahren auf archäologische Funde anwendete: ein Katzensarkophag wurde per computergesteuerter Fräse nachgebildet. «Irgendwann haben blinde und sehbehinderte Menschen vielleicht selbst einen 3D-Drucker zu Hause und können sich die entsprechenden 3D-Dateien von der Museumshomepage herunterladen.»

Der «Kuss» wurde in vielen ornamentalen Details pixelgenau ins Relief überführt. Per Finger-Tracking wird ausserdem erkannt, an welcher Stelle das Bild berührt wird und entsprechende Informationen via Audio geliefert. So wird aus «Flachware», wie zweidimensionale Objekte in der technologischen Fachsprache heissen, ein multidimensionales Werk.

«Der Klimt ist aber keine Flachware!», verwehrte sich Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco umgehend gehen solche Begriffe. Der Künstler habe mit Gold und Platin gearbeitet, um seiner Oberfläche meisterliche Tiefe zu verleihen. «Aber angreifen dürfen wir das leider auch nicht.»

Neben dem Wunsch, Blinden und Sehbehinderten den Zugang zu Kunstwerken zu ermöglichen, stehen allerdings auch ökonomische Überlegungen im Hintergrund des EU-geförderten Projekts, wie Christian Helmenstein vom beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitut Economica erklärte.

5,5 Prozent der Blinden und Sehbehinderten besuchen einmal im Jahr ein Museum. Würde man diese Gruppe an die allgemeine Besuchsfrequenz heranführen, gäbe es ein EU-weites Wertschöpfungspotenzial für Museen von 400 Millionen Euro jährlich.

(SDA)


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