“Knapper Gewinn für die FDP”

Von Leila Akbarzada
Die St.Galler Regierungsratskandidaten (von links) Marc MŠchler (FDP), Andreas Graf (Parteifrei), Esther Friedli (SVP) und Richard Ammann (BDP) bei einem Tagblatt-Podium.
Die St.Galler Regierungsratskandidaten (von links) Marc MŠchler (FDP), Andreas Graf (Parteifrei), Esther Friedli (SVP) und Richard Ammann (BDP) bei einem Tagblatt-Podium. © Tagblatt/Benjamin Manser
Am Sonntag wählt das St.Galler Volk das siebte Mitglied für den Regierungsrat. Wer hat die besten Chancen, was für eine Wahlbeteiligung braucht welcher Kandidat? Für den Analysten ist es klar: Eine Überraschung wird es keine geben. 

Die St.Galler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben für den noch freien Regierungsratssitz die Wahl zwischen vier Kandidaten: Der Kantonsrat Marc Mächler will den Sitz für die FDP verteidigen, der Steinacher Unternehmer Andreas Graf geht ohne Partei ins Rennen, der bei den letzten Wahlen nicht mehr gewählte Kantonsrat Richard Ammann will die BDP im Regierungsrat repräsentieren und die Lebensgefährtin von Toni Brunner, Esther Friedli, soll der SVP einen zweiten Sitz holen.

Vorgeschichte: Angriff und Niederlage von Herbert Huser

Die Ausgangslage ist bekannt: Die fünf bisherigen Regierungsräte – Fredy Fässler (SP), Heidi Hanselmann (SP), Martin Klöti (FDP), Stefan Kölliker (SVP) und Beni Würth (CVP) wurden im ersten Wahlgang bestätigt. Auch der zweite CVP-Sitz wurde im ersten Wahlgang mit dem neuen Bruno Damann verteidigt. Der zweite Sitz, der bisher von der FDP besetzt war, wurde von der SVP mit dem Kandidaten Herbert Huser angegriffen. Der Angriff scheiterte aber kläglich: Nach der derben Niederlage zog sich Herbert Huser gänzlich aus der Politik zurück. Die SVP konnte dies aber nicht auf sich ruhen lassen und bot kurzerhand Esther Friedli für den zweiten Wahlgang auf.

“Keine Überraschungen”

Reto Antenen, Politberater beim TVO, sieht für diese Wahl keine Überraschungen kommen. “Ich gehe davon aus, dass Marc Mächler ganz knapp gewählt wird mit etwas über 40 Prozent, knapp vor Esther Friedli, die wohl 30 bis 40 Prozent machen wird”, sagt er. Mächler sei im ersten Wahlgang dem absoluten Mehr sehr nahe gekommen. Das sei schon mal eine gute Ausgangslage. Antenen rechnet mit einer sehr tiefen Wahlbeteiligung von um die 30 Prozent. “Es gibt sonst keine anderen Abstimmungen, von daher wird die Mobilisierung nur bei jenen Parteien gross sein, die direkt beteiligt sind.” Unter dieser tiefen Stimmbeteiligung werden vor allem der BDP-Kandidat, Richard Ammann, und der parteilose Andreas Graf leiden. Antenen rechnet mit je fünf bis zehn Prozent Wähleranteil für diese.

Neues Pferd für die SVP

“Die SVP hat ihr Pferd gewechselt”, sagt Antenen. Rein von der Parteienstärke sei es legitim, dass die SVP einen Kandidaten oder eine Kandidatin stellt. Die Schwierigkeit der SVP sei, dass sie bei Exekutiv- und Personenwahlen wie im Ständerat ihre Kandidatinnen oder Kandidaten nicht durchbringen konnte. “Jetzt haben sie etwas Neues probiert, indem sie die Freundin von Toni Brunner aus dem Hut gezaubert haben. Mal sehen, ob das von den Wählern goutiert wird.” Friedli war früher CVP-Mitglied und zuletzt parteilos unterwegs. Ein Tag vor der Bekanntgabe als Kandidatin ist sie der SVP beigetreten. “Ich bin mir nicht so sicher, ob das den SVP-Wählern passt”, fragt sich Antenen.

Nationale Unterstützung

Friedli erhielt offiziell nicht nur kantonale Unterstützung von Aushängeschildern wie Lukas Reimann, Roland Rino Büchel und natürlich Toni Brunner selber. Auch nationale Grössen wie die Zürcher Nationalrätin Nathalie Rickli, der Bündner Heinz Brand und sogar der zukünftige SVP-Präsident Albert Rösti kamen in die Ostschweiz, um die Regierungsratskandidatin zu unterstützen, wie der “Blick” berichtete. “Klar hat das einen Einfluss auf die Mobilisierung, aber die andere Seite hat auch mobilisiert”, sagt Antenen dazu.

Logischerweise habe Friedli als “Anhängsel” von Toni Brunner mehr Resonanz bei den Schweizer Medien gehabt. In der Schweizer Illustrierten konnte man die Liebesbriefe von Brunner an Friedli lesen. “Ich gehe nicht unbedingt davon aus, dass das für die Wähler wichtig ist”, sagt Antenen.

“Nach meinem Gefühl hätte man den Wahlkampf mit Frau Friedli etwas früher anfangen sollen. Von Null auf Hundert wird man nicht so schnell bekannt, auch wenn man die Freundin von Toni Brunner ist.”

Die Linke entscheidet

Entscheidend sei, was die linke Seite mache. Dass sie für die weibliche Kandidatin stimme, scheine nicht einzutreffen. “Ich gehe davon aus, dass die linken Wähler eher für Mächler stimmen, da sie die SVP nicht stärken wollen.”

Trotz SVP-Wende: Für Reto Antenen wird die Wahl nicht spannend. Sie gleiche eher einer Pflichtübung. “Diese Wahl holt nur noch die stark Interessierten hinterm Ofen hervor.”

Wie der 2. Wahlgang am Sonntag, 24. April, ausgeht, erfährst du natürlich auf FM1Today.


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