Kölner Bürgermeister-Kandidatin Reker bei Messerangriff verletzt

In Köln ist Henriette Reker, eine Kandiatin für das Amt des Oberbürgermeisters, von einem Mann mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt worden. Ein Polizist sichert den Tatort.
In Köln ist Henriette Reker, eine Kandiatin für das Amt des Oberbürgermeisters, von einem Mann mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt worden. Ein Polizist sichert den Tatort. © KEYSTONE/EPA DPA/FEDERICO GAMBARINI
Einen Tag vor der Oberbürgermeisterwahl in Köln hat ein Attentäter auf die Kandidatin Henriette Reker eingestochen und sie schwer verletzt. Laut den Ermittlern gibt es Hinweise auf fremdenfeindliche Motive.

Der 44-jährige arbeitslose Mann attackierte die auch für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständige Sozialdezernentin am Samstagmorgen mit einem Jagdmesser an einem CDU-Wahlkampfstand auf einem Wochenmarkt.

Die parteilose Reker wurde nach offiziellen Angaben im Halsbereich getroffen und im Spital operiert. “Aktuell ist sie stabil, aber nicht über den Berg”, sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers am Nachmittag.

Die Wahl findet trotz des Attentats wie geplant am Sonntag statt. Die Wahlleiterin Gabriele Klug appellierte an die Kölner, nach dem Angriff auf Reker auf jeden Fall wählen zu gehen.

Alle Parteien stoppten aber den Wahlkampf. Die parteilose Reker wird von CDU, Grünen und FDP unterstützt und liegt laut einer jüngsten Umfrage im Rennen um die Macht im Rathaus vor ihrem SPD-Konkurrenten Jochen Ott.

Am Tatort spielten sich dramatische Szenen ab. Ein Beamter der Bundespolizei, der in seiner Freizeit auf dem Markt war, griff laut Polizei als erster ein und überwältigte den Attentäter.

Neben Reker wurden auch eine Kölner CDU-Politikerin, eine FDP-Ratsfrau und zwei Bürger, die sich zufällig am Wahlkampfstand aufhielten, verletzt. Reker und eine weitere schwer verletzte Frau wurden in ein Spital gebracht.

Der festgenommene Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit hatte nach Angaben der Ermittler zwei Messer bei sich und griff Reker gezielt an. Nach eigenen Angaben war der Tatverdächtige seit längerem arbeitslos und Hartz IV-Empfänger.

Vor der Tat sei der in Köln lebende Mann polizeilich nicht ausgefallen, sagte Norbert Wagner, Leiter Direktion Kriminalität. Bei der Befragung habe er für die Tat fremdenfeindliche Motive angegeben. Nach der Festnahme habe der Mann allgemeine Angaben zur Flüchtlingspolitik gemacht.

Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn sagte: “Zum jetzigen Zeitpunkt deuten die Zeugenaussagen (…) darauf hin, dass in der Tat fremdenfeindliche Motive des Täters ausschlaggebend waren.” Der festgenommene Täter habe sich entsprechend geäussert, betonten die Ermittler. Das Wort “Ausländer” sei gefallen.

Der Angreifer war nach ersten Erkenntnissen allein an der Tat beteiligt. Er wird auch auf seinen psychische Gesundheit untersucht.

Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau, der Augenzeuge des Angriffs war, sagte der “Rheinischen Post”, vor dem Angriff habe der Mann gerufen: “Ich rette Messias. Das ist alles falsch, was hier läuft, ich befreie Euch von solchen Leuten.” Nach der Attacke sei er dann ganz ruhig stehengeblieben und habe gesagt: “Ich musste es tun. Ich schütze Euch alle.”

Die Messerattacke löste über die Parteigrenzen hinweg Entsetzen aus. Kanzlerin Merkel verurteilte die Tat und erkundigte sich in einem Telefonat bei CDU-Chef von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, nach dem Gesundheitszustand Rekers, wie eine Regierungssprecherin mitteilte.

Auch Justizminister Heiko Maas (SPD) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilten die Tat. Die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte: “Diese feige und verabscheuungswürdige Tat ist auch ein Anschlag auf die Demokratie in unserem Land und damit auf uns alle.”

(SDA)


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