Kollektives St.Galler Versagen in Halbzeit zwei

Von Marco Latzer
Kollektives St.Galler Versagen in Halbzeit zwei
© Die St. Galler Martin Angha und Daniel Lopar im Duell mit dem Thuner Roman Buess. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
45 Minuten lang spielte der FC St.Gallen den FC Thun im eigenen Stadion an die Wand, um danach trotzdem als Verlierer vom Rasen zu gehen. Die Rechnung ist für die Ostschweizer damit ziemlich versalzen. Gute Noten haben sich mit dieser Leistung die wenigsten Spieler verdient – hier geht es zur grün-weissen Einzelkritik.

Tor:

Daniel Lopar: Note 4,0. Erfüllte seinen Part wie gewohnt zuverlässig. Hielt, was er halten konnte. An ihm lag es sicherlich nicht.

 

Verteidigung:

Silvan Hefti: Note 4,0. Lauffreudig und einsatzwillig. Damit hat es sich aber auch schon, erledigte seinen Part über weite Strecken anständig, aber keineswegs überragend. Musste in der 63. Minute verletzungshalber vom Feld – Nachwuchsspieler Kucani kam dadurch zu seinem Super-League-Debüt.

Roy Gelmi: Note 3,0. Der schwächste Defensivmann im Abwehrverbund. Hat er die Abgabe des Captain-Amts nicht gut verdaut? Zeigte sich äusserst fehleranfällig, leistete sich insbesondere viele Konzentrationsfehler. Verlor das entscheidende Duell gegen Rapp unmittelbar vor dem Ausgleich durch Buess.

Martin Angha: Note 4,5. Solid und damit zumindest in Normalform. Lieferte einen befriedigenden Einstand als Captain und zeigte sich im gegnerischen Strafraum mehrfach von seiner kopfballgefährlichen Seite. Galt ihm das Interesse von Nati-Trainer Vladimir Petkovic, der auf der Tribüne sass?

Florent Hanin: Note 3,5. Ein durchzogenes Debüt. Konnte noch nicht beweisen, dass er die bessere Alternative für den an Xamax abgegebenen Facchinetti ist. Wagte sich etliche Male in die gegnerische Platzhälfte, muss aber dringend einen Flankenkurs belegen. Wo seine Bälle hinflogen, standen in der Regel nämlich nur Gegenspieler. War zudem unglücklicher Akteur in der 94. Minute, als er den Freistoss von Sandro Wieser unfreiwillig noch leicht abfälschte.

 

Mittelfeld:

Geoffrey Tréand: Note 4,0. Zeigte speziell in der ersten Halbzeit ein gewisses Mass an Spielverständnis, indem er den einen oder anderen brauchbaren Ball in die Spitze spielte. Genügend, aber keineswegs überzeugend. Spürt damit den Atem von Steven Lang im Rücken, der ihn nach einer Stunde ersetzte.

Gianluca Gaudino: Note 2,5. Die grösste Enttäuschung des Tages. Vergab alleine vor Keeper Faivre eine sogenannte “Hunderprozentige”. Als Super-Transfer von den Bayern gehypt und mit einem Interviewverbot im Vorfeld vom ganzen Trubel abgeschirmt, blieb der 19-jährige Hoffnungsträger noch so ziemlich alles schuldig, was ein Supertalent ausmacht. Bewegte sich als Fremdkörper in der Mannschaft und verzeichnete (noch) keine einzige Aktion, die nicht auch ein gewöhnlicher 08/15-Durchschnittsfussballer aus der Super League zeigen würde. Freilich darf man ihn noch nicht abschreiben, aber da muss deutlich mehr kommen.

Danijel Aleksic: Note 5,0. Der beste St. Galler auf dem Rasen. Federführend in der Angriffsauslösung und mit guter Spielübersicht. Der Serbe war mit vollem Einsatz dabei, steckte nie auf und belohnte sich mit einem Kopfballtor. War nach toller erster Halbzeit aber – wie so ziemlich die gesamte Mannschaft – in den zweiten 45 Minuten ziemlich abgemeldet.

Mario Mutsch: Note 4,0. Wusste in der ersten Halbzeit wirklich zu überzeugen. Viele Ballkontakte, bissig und aufsässig. Nahm zudem Gaudino unter seine Fittiche, wie man es von ihm als Routinier erwarten darf. Schloss sich nach dem Pausentee aber dem kollektiven Schlendrian an und ward kaum mehr gesehen.

Marco Aratore: Note 3,5. Ein schwacher Auftritt. Versuchte alles, kam aber auf keinen grünen Zweig. In vielen Szenen, in denen er beteiligt war, hätte sich mehr rausholen lassen. Dann und wann zu eigensinnig. Oder positiv formuliert: Da ist noch viel Luft nach oben.

 

Sturm

Albert Bunjaku: Note 2,5. Ein äusserst diskretes Spiel von der einzigen St.Galler Sturmspitze. Am Einsatz lag es sicherlich nicht, letztlich setzte es aber wieder einen glücklosen Auftritt ab. Vergab die eine oder andere gute Möglichkeit, weil er nicht schnell genug war; und zwar sowohl im Kopf als auch läuferisch. Für ihn kam eine Viertelstunde vor Schluss Tafer ins Spiel, der gar noch isolierter wirkte.

FM1-Teamdurchschnitt (Durchschnitt aller elf Spieler in der Startformation): 3,7

Fazit: Das war ein ganz düsterer Rückrundenauftakt für den FC St.Gallen. Eine Halbzeit lang hat die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer absolut dominanten Power-Fussball gezeigt, um in der Folge den Spielbetrieb vollkommen einzustellen. Der deutsche Coach schaffte es in der Kabine und im zweiten Durchgang offenbar nicht, gegen das kollektive Überlegenheitsgefühl, den Sieg auch mit einer Schippe weniger über die Runden zu bringen, anzukommen. Viele Ansätze waren gut, aber es bleibt weiterhin ordentlich Arbeit liegen.

Nächste Woche geht die Reise nach Sitten. Mit Blick auf die Tabelle lässt sich eigentlich nur eine Devise rausgeben: Verlieren verboten, sonst wird es gegen unten bereits wieder ungemütlich.


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