Korrekturen und die Warnung von Petkovic

Der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic (links) verlangt andere Mentalität
Der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic (links) verlangt andere Mentalität © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Die Schweizer enttäuschen beim 2:3 im gehaltlosen EM-Test gegen die Slowakei mehrheitlich. Erst dank einer späten Reaktion wenden sie eine empfindliche Lektion ab.

Im Gegensatz zu einigen seiner am Ende aufgebrachten Spieler kommentierte der slowakische Coach Jan Kozak den vorwiegend ungenügenden, in der wilden Nachspielzeit gar unsympathischen Auftritt der SFV-Auswahl überaus gastfreundlich: “Die starken Schweizer spielten hinten sehr beweglich und konsequent.” Seine Einschätzung eines lange lethargischen Gegners war nett, aber exklusiv.

Die Verlierer selber beschönigten vor allem die ungelösten Probleme bis zum 0:3 nach 55 Minuten nicht. Stephan Lichtsteiner holte weit aus: “Es war wahrscheinlich das schlechteste Spiel dieser Mannschaft seit Jahren.” Nichts habe zusammengepasst, mit jedem missratenen Vorstoss hätten sie sich in der unkoordinierten Rückwärtsbewegung selber in Bedrängnis gebracht.

“Ein Spiel zum Vergessen”, ärgerte sich der Juventus-Verteidiger. Nur jene vier, die auf Anordnung von Vladimir Petkovic gleichzeitig zur Begrenzung des Schadens eintraten, dürften die vierte Niederlage im 14. Spiel der Ära Petkovic minim besser in Erinnerung behalten. “Ihnen muss man ein Kompliment machen, sie haben der Mannschaft weitergeholfen”, so Lichtsteiner.

Valon Behrami, er als furchtloser Antreiber, Admir Mehmedi, der mehr Drive zu bieten hat als der viel zu zurückhaltende Flügel Valentin Stocker. Verteidiger Michael Lang brachte Ruhe und Ideen ein. Und der Mönchengladbacher Reservist Josip Drmic markierte das 2:3 und ist seit Petkovics Amtsantritt bereits bei fünf Treffern angelangt. Der Abend endete vor allem dank dem Support der Joker relativ glimpflich.

“Sie bewegten mehr als andere”, stellte auch der Schweizer Selektionär fest und lobte ausdrücklich “ihre Präsenz auf dem Platz”. Bevor er mit seinem taktischen Eingriff die gröbsten Mängel der unzureichend abgestimmten Equipe behob, hatte so ziemlich alles gefehlt: die Bewegung, die Leidenschaft, der Mut, das Tempo, die Konzentration, die Abstimmung, die Kommunikation.

Innerhalb einer Halbzeit kamen sehr viele Baustellen zum Vorschein. Notabene gegen einen Kontrahenten, der seit dem Ende einer fast einjährigen Siegesserie einen eher durchzogenen Herbst hinter sich hat, oder wie es Petkovic formulierte: “Der Gegner war nicht wahnsinnig stark. Wir erschwerten uns das Leben selber.”

Der schonungslosen Einschätzung Lichtsteiners mochte sich der Tessiner zwar nicht anschliessen, aber zwischen den Zeilen platzierte er eine Warnung an die Adresse jener, die in Interviews ihre Absicht kundtun würden, Stammspieler zu werden: “Mit Sprechen kann man nicht viel bewegen.” Gemischt werden die EM-Karten auf dem Platz.

Empfohlen hat sich aus der zweiten Reihe keiner. Pajtim Kasami, in Piräus auch auf Champions-League-Ebene ein sicherer Wert, tat sich an der Seite von Captain Gökhan Inler schwer, Gelson Fernandes wirkte planlos. Und an vorderster Front traf Eren Derdiyok im dritten Spiel seit dem Comeback zum zweiten Mal, überzeugt hat er Petkovic trotz seines akzeptablen Outputs noch nicht restlos: “Er muss sich um seinen Platz im EM-Team bemühen.”

Gegen Österreich, in der EM-Ausscheidung statistisch die Nummer 2 der 53 teilnehmenden Verbände und innerhalb von vier Jahren im FIFA-Ranking um 66 Ränge auf den elften Platz vorgestossen, ist eine kollektive Verbesserung unabdingbar. Petkovic verlangt eine andere Mentalität, mehr Risikobereitschaft: “Wenn wir ein gutes Ergebnis wollen, müssen wir von Anfang an so spielen wie in den letzten 30 Minuten.”

(SI)


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