«Krass» oder «lame» in einer Predigt?

Richa Huber, Projektleiterin vom kirchlichen Jugendmagazin «(d)ich»
Richa Huber, Projektleiterin vom kirchlichen Jugendmagazin «(d)ich» © zVg
Uralte Gebäude, uralte Traditionen und eine uralte Sprache: Viele junge Menschen verbinden all dies mit der Kirche und fühlen sich darum auch nicht mehr angesprochen. Was braucht es, damit die Sprache von Kirchen wieder verstanden wird?

«Bei Pfarrern und Kirchenleuten habe ich manchmal das Gefühl, dass sie in einer anderen Welt sind. Sie reden wirklich eine andere Sprache und damit kann ich nichts anfangen», sagt die 23-jährige Richa Huber, Projektleiterin des kirchlichen Jugendmagazins «(d)ich».

Was können die Kirchenleute tun, damit ihre Message beispielsweise in einer Predigt bei den Jugendlichen ankommt? Richa Huber findet, dazu brauche es keinen Slang. «Man muss vor allem verständlich reden. Ausserdem sollten sich die Kirchenleute mehr mit Jugendlichen unterhalten, sich für ihre Probleme interessieren und mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren», so Huber.

Sie sagt, ein Pfarrer müsse natürlich nicht gleich sprechen, wie ein 16-Jähriger, das sei nicht authentisch. Dennoch sollte er vielleicht seinen Wortschatz mit jenem der Jugendlichen vergleichen.

«Wäre die Sprache in der Kirche eine andere, denke ich, dass vielleicht einige junge Leute sagen würden, sie könnten sich mit dem identifizieren, was der Pfarrer sagt. Es kommt jetzt schon vor, dass die Kirche die jungen Menschen durch Jugendarbeit immer mehr anspricht, aber noch viel zu wenig», sagt Huber.

Sie fände einen Gottesdienst mit Worten wie «krass», «nice» oder «lame» spannend. «Ich habe das so zwar noch nie gehört, aber man würde ganz sicher genauer hinhören», sagt Huber. So weit muss es für sie aber nicht gehen. Viel wichtiger für sie sind Themen aus dem Leben.

«Ich habe eine Predigt von einem Pfarrer gehört, der sehr gut geredet hat. Er sprach nicht wie ein klassischer Pfarrer, sondern so, wie wir miteinander sprechen. Mich hat das sehr angesprochen», sagt Huber. Der Pfarrer habe Alltagssituationen angesprochen und Probleme, die wahrscheinlich die meisten haben.

Wie modern würde denn eine Predigt von Huber selbst sein? «Wenn ich reden dürfte, würde ich über die Kommunikation zwischen den Menschen sprechen. Ich finde, oft ist ein Streit oder ein Missverständnis ein Problem der Kommunikation. Jemand denkt es, der andere weiss es und man versteht sich falsch», sagt Huber.

Huber wünscht sich, die Kirche würde mehr für die Jungen kommunizieren. Sie und ihr Team machen es mit ihrem kirchlichen Jugendmagazin «(d)ich» schon vor.

(red.)

 

 

 


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