Kriselnde Seilbahnen fordern mehr Geld und weniger Hürden

Wenig Schnee, wenig Gäste: Die Schweizer Seilbahnen sind auch, aber nicht nur wegen des abgelaufenen warmen Winters unter Druck. (Archiv)
Wenig Schnee, wenig Gäste: Die Schweizer Seilbahnen sind auch, aber nicht nur wegen des abgelaufenen warmen Winters unter Druck. (Archiv) © KEYSTONE/TI-PRESS/FRANCESCA AGOSTA
Die Schweizer Seilbähnler suchen bei den erfolgsverwöhnten österreichischen Kollegen nach Wegen aus der Krise. Sie nehmen den Bund in die Pflicht. Dieser müsse die Projektverfahren besser koordinieren und den Finanzierungsfonds für Seilbahnen äufnen.

Nach dem schneearmen Winter mit roten Zahlen schlagen der Verband Seilbahnen Schweiz und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) Alarm. Neben den schlechten Pistenverhältnissen haben die Touristiker seit Jahren mit dem ungünstigen Wechselkurs und stetig wachsenden administrativen Auflagen zu kämpfen.

An einer Tagung in Bern wurde diskutiert, wie diese Herausforderungen gemeistert werden können. Dabei steht der Bund für die Seilbahnen in der Pflicht: Eine klare Aufgabenteilung bei den Behörden sei vonnöten, damit die Verfahren beschleunigt werden könnten, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Heute seien die Seilbahnen mit “enormen administrativen Lasten” konfrontiert. So führten beispielsweise die neuen Bestimmungen des Bundes zum Gewässerraum dazu, dass bereits in Vorbereitung befindliche Konzessionsgesuche angepasst und neue Projektbestandteile eingebaut werden müssten.

Ein Problem sei die fehlende regionale Differenzierung der Bundesvorgaben. Bestimmungen zum Lärmschutz oder zur Raumplanung gälten auf 400 Metern über Meer genau gleich wie in hochalpinen Lagen, obschon dort eigentlich ganz andere Verhältnisse herrschten.

Gesetze sollen laut den Seilbahnen und Berggebieten künftig so ausgestaltet werden, dass regionale Unterschieden berücksichtigt werden. Auch brauche es einen partnerschaftlichen Umgang zwischen Unternehmen und Behörden. Unternehmen und Verwaltung nähmen sich oft als Gegensätze wahr. Diese Gegensätze gelte es durch einen Dialog zu überwinden.

Solche Massnahmen reichten angesichts der hohen Wettbewerbsverzerrung im Vergleich zum benachbarten Ausland aber nicht aus. Neben kommunikativen fordern die Bergbahnen deshalb auch finanzielle Massnahmen. Der Bund müsse Mittel freimachen, um die Finanzierung der Seilbahnen langfristig sicherstellen zu können.

Die teilweise Befreiung der Pistenfahrzeuge von der Mineralölsteuer per 2017 und verschiedene Impulsprogramme reichten nicht aus. Die Seilbähnler befürchten, dass der Fonds für Regionalentwicklung in naher Zukunft spürbar leerer werden könnte. Die SAB verlangt deshalb bereits jetzt, dass der Fonds durch zusätzliche Einlagen des Bundes wieder aufgestockt wird.

Als Vorbild dient den Seilbahnunternehmen die Praxis im Tirol und Südtirol. Dort wurden in den vergangenen Jahren stetig steigende Umsatzzahlen verbucht – nicht zuletzt dank massiver Investitionen in die Infrastrukturen durch die öffentliche Hand.

Die Schweizer Seilbahnbranche musste dagegen auch im abgelaufenen Winter wieder negative Zahlen vermelden. Im Vergleich zu den vorangegangenen vier Jahren ging die Anzahl der Ersteintritte um 8 Prozent zurück, der Umsatz brach sogar um über 10 Prozent ein.

Den stärksten Rückgang musste im Winter 2015/16 das Tessin hinnehmen. Die Gästezahlen gemessen an den Ersteintritten sanken um 46,9 Prozent, der Umsatz tauchte um 38 Prozent. Darin findet der ausserordentlich späte Winteranfang seinen Niederschlag; etliche Bahnen konnten den Betrieb erst im Februar aufnehmen.

Gar seit rund zehn Jahren sind die Skitage von Wintersportler in der Schweiz rückläufig. Österreich konnte auf der anderen Seite die Nachfrage im gleichen Zeitraum weiter steigern.

(SDA)


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