Kunden der Postfinance droht Gebührenerhöhung

Postfinance-Chef Hansruedi Köng: "Ich glaube, dass branchenweit weitere Preiserhöhungen kommen werden, auch bei uns." (Archiv)
Postfinance-Chef Hansruedi Köng: "Ich glaube, dass branchenweit weitere Preiserhöhungen kommen werden, auch bei uns." (Archiv) © Keystone/MARCEL BIERI
Kleinsparern in der Schweiz drohen wegen der Negativzinsen der SNB in absehbarer Zeit zwar keine Strafzinsen. Jedoch zeichnet sich laut Postfinance-Chef Hansruedi Köng branchenweit eine Gebührenerhöhung ab.

In der Vergangenheit habe eine Bank die anfallenden Kosten dank der höheren Zinsmarge decken können, sagte Köng in einem Interview mit der “Berner Zeitung” vom Freitag. Das sei im heutigen Zinsumfeld nicht mehr möglich. “Ich glaube deshalb, dass branchenweit weitere Preiserhöhungen kommen werden, auch bei uns”, sagte er.

Beschlossen sei zwar noch nichts, aber der Aufwand für erbrachte Dienstleistungen müsse gedeckt sein. Zudem habe sich der Aufwand für die Eröffnung und Führung einer Kundenbeziehung in den letzten Jahren auch aufgrund zunehmender regulatorischer Vorschriften spürbar erhöht, sagte der Postfinance-Chef.

Strafzinsen für die Sparer seien bis auf weiteres nicht geplant und er hoffe, dass ein solcher Schritt auch nicht nötig werde. Aber faktisch würden die Privatkunden derzeit selbst bei einer Nullverzinsung quersubventioniert, denn am Finanzmarkt herrschten Negativzinsen.

Von Grösstkunden und institutionellen Anlegern verlange die Postfinance deshalb – wie andere Banken auch – auf Beträgen über einem individuellen Schwellenwert eine Guthabengebühr von aktuell 1 Prozent, erklärte Köng.

Bei einigen Schweizer Privatbanken werden auch sehr reiche Privatkunden, die grosse Teile ihres Vermögens in bar auf dem Konto liegen haben, zur Kasse gebeten.

Der Postfinance-CEO wiederholte zudem seine Kritik am politisch verordneten Kreditverbot. Das gegenwärtige Zinsumfeld habe dazu geführt, dass die Finanzdienstleisterin in einem Anlagenotstand stecke.

Die Postfinance sollte pro Jahr etwa 10 Milliarden Franken investieren, erklärte Köng. Dies mit tiefem Risiko und zu möglichst positiven Zinsen, was ihr nicht mehr in allen Fällen gelinge.

“Wir gehen daher vereinzelt negativ rentierende Anlagen ein. Vor zwei Jahren hätte ich noch ausgeschlossen, dass wir je Obligationen mit einer negativen Rendite zeichnen würden”, sagt der Postfinance-Chef. “Heute muss ich feststellen, es kann Sinn machen. Denn die Frage ist: Sollen wir 0,75 Prozent bei der Nationalbank zahlen, oder vielleicht 0,2 Prozent auf einer Obligation.”

Es gehe also nicht mehr darum, wo die Postfinance dank intelligenter Anlagestrategien mehr Zinsertrag erzielen könne, sondern darum, wo sie weniger dafür zahlen müsse, dass ihr Geld überhaupt dort liege, sagte Köng.

(SDA)


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