«Kurvige Models muss man zeigen»

Die «Curvy Supermodels» geben sich selbstbewusst.
Die «Curvy Supermodels» geben sich selbstbewusst. © RTL II / Magdalena Possert
Mit der Sendung «Curvy Supermodel» startet erneut eine Gegenbewegung zum Schlankheitswahn und den Hungerhaken, die auf den internationalen Laufstegen zu sehen sind. Kurven seien echt und repräsentieren die durchschnittliche Frau. Doch ist es das, was wir sehen wollen?

Der deutsche Fernsehsender RTL2 sucht mit der Sendung «Curvy Supermodel» seit Mittwoch das nächste Supermodel mit gesunden Rundungen. Unter dem Motto «Echt, schön und kurvig» will das Format weg von den gesellschaftlichen Schlankheitsidealen hin zu normalen Massen. Denn die weibliche Durchschnittsgrösse in Deutschland betrage 42 und nicht, wie in den Modemagazinen, 34. Immer mehr Modemarken produzieren auch Kleider in grösseren Konfektionen. Der Markt wächst und somit auch die Nachfrage nach «Curvy Models».

Schönheit ist Gewohnheit

Das Thema wird nicht zum ersten Mal diskutiert, die grossen Modemarken setzen aber immer noch auf dünne Models. Peter von der Schweizer Modelagentur Scout Model erklärt, weshalb sich der kurvige Trend noch nicht ganz durchgesetzt hat. «Es wirkt einfach besser auf den Bildern, wenn Stoffe schön fallen und keine Pölsterchen zu sehen sind. Unser Auge ist sich das gewöhnt und findet das schön. Und was wir schön finden, das lässt sich werbetechnisch besser verkaufen.» Schliesslich gehe es aber nicht darum, dünn zu sein, sondern straff, sagt der Experte.

«Schönheitsideale sind hartnäckig in unseren Köpfen»

Ein Sendeformat wie «Curvy Supermodel» findet Peter gut: «Die Schönheitsideale sind hartnäckig in unseren Köpfen drin. Es ist wichtig, dass aufgezeigt wird, dass es auch die runderen Modelle gibt. Es gibt sie schon seit Jahren, dies ist der Allgemeinheit aber nicht präsent». Der St.Galler Modelscout nimmt jedoch auch die dünnen Models in Schutz: «Teilweise sind die Models noch sehr jung und deshalb auch Bohnenstangen. Dies bedeutet aber nicht, dass sie nichts essen. Ihr Körper ist einfach noch nicht so weit, wie bei einem reiferen Model».

«Eine gute Durchmischung ist wichtig»

In die «Haute Couture» werden es kurvigere Models trotz gesellschaftlicher Reformen wohl nicht schaffen. «Man muss differenzieren. ‘Haute Couture’ ist eine spezielle Kunstform. Ein grosser Designer hätte am liebsten Models mit drei Augen. Sie suchen Charaktergesichter.» Für Peter ist aber wichtig, dass man nicht vergisst, dass der normale Mensch nicht so aussieht. «Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für beide Seiten, die dünneren und auch die breiteren Models. In der Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass auch in grossen Shows vereinzelt kurvigere Models zu sehen sind. Eine gute Durchmischung ist wichtig.»

(Lilian Wehrle)


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