Laaksonen und Co. spielen gegen Abstieg

Henri Laaksonen im Gespräch mit Davis-Cup-Captain Severin Lüthi vor dem Duell gegen Weissrussland.
Henri Laaksonen im Gespräch mit Davis-Cup-Captain Severin Lüthi vor dem Duell gegen Weissrussland. © KEYSTONE/Alexandra Wey
Ohne Roger Federer und Stan Wawrinka kämpft das Schweizer Davis-Cup-Team in Biel gegen Weissrussland um den Verbleib in der Weltgruppe. Kurz vor Beginn verbesserten sich die Schweizer Karten.

Der Gegner unberechenbar, die beiden Besten im eigenen Lager abwesend, der Rahmen in der 2700 Zuschauer fassenden Swiss Tennis Arena am Verbandshauptsitz klein: Severin Lüthi, der Trainer der Schweizer, hatte sich im Vorfeld auf einen heissen Tanz im Duell mit Weissrussland eingestellt und rückte auch am Tag vor dem Auftakt nicht von seiner Einschätzung ab. Doch die Ausgangslage hatte sich kurzfristig zugunsten der Schweizer verändert. Mit Jegor Gerassimow (ATP 126) fällt bei den Weissrussen die nominelle Nummer 1 aus. Auch der als zweiter Einzelspieler vorgesehene Ilja Iwaschka (221), der seinem Team zuletzt mit zwei Einzel-Siegen zum Überraschungserfolg gegen Österreich verholfen hat, fehlt verletzungsbedingt.

Im Zuge der Mutationen beim Gegner gestand Lüthi ein, dass sich die Favoritenrolle «auf dem Papier in unsere Richtung verschoben hat». Die Chancen von Henri Laaksonen (115) und Marco Chiudinelli (262), die wie zuletzt beim 0:5 gegen die USA (mindestens) für die Einzel vorgesehen sind, verbesserten sich merklich. Gegen Jaroslaw Schyla (390) und Dimitri Schyrmont (333) treten sie nun als Favoriten an. Doch Lüthi warnt: «Die Unterschiede unterhalb der Top 100 sind klein. Der Blick auf die Weltrangliste täuscht.»

Ohne Gerassimow, der im Davis Cup eine 15:4-Bilanz vorweist, ist das Doppel Weissrusslands grösster Trumpf. Wer für die Schweiz gegen die Spezialisten Max Mirnyi (ATP 55 im Doppel) und Andrej Wassilewski (65) antritt, ist noch offen. Neben Laaksonen und Chiudinelli sind Doppelspezialist Luca Margaroli und der formstarke Adrian Bodmer die Kandidaten. Einfach wird es für keine der Schweizer Optionen – wenngleich Mirnyi erst mit Verspätung in der Schweiz eintraf. Wegen des Tropensturms Irma sass der 40-Jährige, der die Doppel-Weltrangliste zwischen 2003 und 2012 während 57 Wochen angeführt hatte, tagelang in Florida fest.

Helfen könnte den Schweizern die Erfahrung. Seit Lüthi 2005 das Coaching von seinem Vorgänger Marc Rosset übernommen hat, bestritt die Schweizer Equipe elfmal eine Barrage. Nur zweimal stieg sie ab.

Ein drittes Mal will Lüthi vermeiden. Die Hoffnung auf dem Platz ruht vor allem auf Laaksonen. Der Schaffhauser, der in diesem Jahr erstmals in die Top 100 vorgestossen ist und im Davis-Cup im Einzel eine 6:4-Bilanz hat, ist in der Begegnung mit den Weissrussen der am besten klassierte Spieler. «Ich bin wieder bei 100 Prozent», liess der 25-Jährige im Vorfeld verlauten, nachdem er letzte Woche bei einem Challenger-Turnier wegen Fiebers in der 1. Runde aufgegeben hat.

Als zweiten Einzelspieler baut Lüthi auf Chiudinelli, der im Herbst seiner Karriere zum 21. Mal zum Schweizer Davis-Cup-Team gehört. Der 36-jährige Basler verzeichnet ein «schlechtes Jahr», wie er selbst sagt – eines, das auch von einer zweimonatigen Verletzungspause geprägt war. Doch rechtzeitig zur Davis-Cup-Partie an der Bieler Roger-Federer-Allee geht es ihm körperlich besser und kehrte das Vertrauen zurück. Mit seiner Erfahrung und seinen Kenntnissen über den Gegner will er dem jungen Team auch abseits der Courts helfen. «Der Entscheid, wer die Einzel spielt, fiel mir leicht», bekannte Lüthi.

Mit Weissrussland hat es Lüthi schon einmal zu tun gehabt. 2008 mass sich die Schweiz mit den Weissrussen in der 2. Runde der Europa-/Afrika-Zone. Stéphane Bohli, Stan Wawrinka und Yves Allegro entschieden das Duell in Minsk mit 4:1 Siegen für sich. Den einzigen Punkt holten die Weissrussen damals im Doppel. Mirnyi und Wladimir Woltschkow hiessen die Protagonisten, was deshalb besonders ist, weil beide auch heute Teil des weissrussischen Davis-Cup-Teams sind – Mirnyi als 40-jähriger Dauerspieler und Woltschkow als knorriger Captain. Vier Jahre vor dem damaligen Duell gegen die Schweiz hatten die beiden ihr Land zum einzigen Mal in die Halbfinals geführt.

(SDA)


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