Langjähriger israelischer Linkspolitiker Jossi Sarid gestorben

Jossi Sarid (zweiter von links) bei einem Treffen über Nahost-Friedensgespräche in Berlin 2002 (Archiv)
Jossi Sarid (zweiter von links) bei einem Treffen über Nahost-Friedensgespräche in Berlin 2002 (Archiv) © KEYSTONE/EPA DPA/STEPHANIE PILICK
Eine der führenden Persönlichkeiten der israelischen Linken, Jossi Sarid, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Der langjährige Politiker starb am Freitagabend in Tel Aviv an einem Herzinfarkt. Sarid war von 1974 bis 2006 Abgeordneter im israelischen Parlament.

Er war Umweltminister und Bildungsminister und von 1996 bis 2003 Vorsitzender der linken Meretz-Partei. Sarid gehörte der Regierung von Jizchak Rabin an, die 1994 den Friedensvertrag von Oslo mit den Palästinensern unterzeichnete.

In einer Mitteilung würdigte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Verstorbenen. “Obwohl wir in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung waren, habe ich ihn bewundert für das Festhalten an seinen Überzeugungen, für sein umfangreiches Wissen und für seinen einwandfreien Gebrauch des Hebräischen”, erklärte der Regierungschef von der rechten Likud-Partei.

Oppositionschef Isaac Herzog von der Arbeitspartei schrieb auf seiner Seite im Online-Netzwerk Facebook, mit Sarid habe Israel “eine wichtige Stimme” verloren.

Sarid hatte sich als Politiker und nach seinem Ausscheiden aus der Politik als Zeitungskommentator stets für ein Ende der israelischen Besatzung im Westjordanland stark gemacht. Er war für die Schaffung eines palästinensischen Staates und gegen die Privilegien für ultraorthodoxe Juden in Israel.

Noch am Freitag war in der Zeitung “Haaretz” eine Kolumne Sarids erschienen. Darin kritisierte er die ungleiche Behandlung von Juden und Palästinensern, denen “Terrorismus” vorgeworfen wird. “Jüdische Terroristen werden bevorzugt”, schrieb er. “Ihre Häuser werden nicht zerstört, ihre Familien werden nicht die Schuld tragen.” Damit bezog er sich auf die israelische Methode, die Häuser von Familien palästinensischer Attentäter als Strafmassnahme zu zerstören.

(SDA)


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