Leben die Alcatraz-Häftlinge noch?

Leben die Alcatraz-Häftlinge noch?
© Ein historisches Bild der Alcatraz-Festung aus dem Jahr 1962. (AP Photo/N-CB)
Die Haftanstalt Alcatraz auf der gleichnamigen Insel in der Bucht von San Francisco war eines der berüchtigsten Gefängnisse der USA. Wer versuchte zu fliehen, starb in den tückischen Wellen des Atlantik. Doch offenbar nicht alle: Drei Alcatraz-Überlebende sollen in Brasilien leben. Das behaupten zumindest ihre Nachfahren.

Das Gefängnis auf Alcatraz, oder auch in einem bekannten Film “The Rock” genannt (der Felsen), war und ist dafür bekannt, dass niemand der Festung entfliehen konnte. Trotzdem versuchten es 36 Häftlinge während den 30 Jahren, in denen die Anlage als Hochsicherheitsgefängnis diente (1934-1964). Keiner wurde je wieder gefunden. In einer neuen Dokumentation wollen Nachkommen nun die Geschichte umschreiben. Denn ihrer Meinung nach haben drei Flüchtige überlebt, und sind heute in Brasilien wohnhaft.

Die bekannte Geschichte

John Angler wurde 1960 in Alcatraz wegen bewaffneten Raubes inhaftiert. Normalerweise wurden Schwerverbrecher wie Mafiaboss Al Capone nach Alcatraz geschickt. Weil John Angler aber immer wieder versuchte, aus den anderen Haftanstalten zu fliehen, haben die Behörden ihn nach Alcatraz verfrachtet.

Ein Jahr später wurde auch sein Bruder Clarence in das Hochsicherheitsgefängnis gebracht. Sie freundeten sich mit Francis Morris an, ein Drogendealer und Dieb, und heckten einen Fluchtplan aus. Nachts gruben sie einen Tunnel durch Gefängnismauern, die von der salzigen Seeluft marode geworden waren. Über den Lüftungsschacht erreichten sie das Dach des Zellenblocks. Von dort gelangten sie nach außen und konnten in einem selbstgebauten Schlauchboot, das aus Regenmänteln bestand, von Alcatraz entkommen.

Ob die drei überlebten oder nicht, konnte nie richtig nachgewiesen werden. Man nahm an, dass angeschwemmte Knochenstücke die verbleibenden Überreste der drei waren. Die Geschichte wurde durch eine Verfilmung 1979 mit Clint Eastwood in der Hauptrolle weltbekannt.

Nachfahren forschen nach

Ken und David Widner sind Nachfahren von den Angler-Brüdern, die 1962 aus Alcatraz ausbrachen. Sie sind überzeugt, dass ihre Onkel die Flucht schafften und noch leben. Sie sagen, dass die Mutter von John und Clarence über drei Jahre danach Weihnachtskarten von den beiden erhalten habe. Die Vergleiche der DNA-Tests von den Überresten und denen eines anderen Bruders von Clarence und John hätten ergeben, dass sie nicht verwandt sein können.

Der Bostoner Gangster Whitey Bulger – dessen Leben gerade von Johnny Depp verfilmt wurde (“Black Mass”) – sass ebenfalls mit den beiden in Alcatraz und habe ihnen damals geraten, sich von jeglichen Verbindungen zu Bekannten, Verwandten zu trennen. Das habe er Ken und David in einem Brief 2014 mitgeteilt, wie die Widners gegenüber dem “Telegraph” sagten.

Schlagendstes Indiz ist den Widners zufolge jedoch ein Foto, das die drei geflohenen Häftlinge wesentlich älter zeigt als zum Fluchtzeitpunkt.

Die drei Ausbrecher könnten noch am Leben sein, meinen die Nachfahren. (Bild: Reuters)

Die drei Ausbrecher könnten noch am Leben sein, meinen die Nachfahren. (Bild: Reuters)

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Eine Untersuchung von 2014 zeigte auf: Wenn die Männer genau zur richtigen Zeit das Boot bestiegen – nämlich zwischen 23 Uhr und Mitternacht – und Richtung Norden paddelten, könnten sie den trügerischen Engpässen der See rund um die Alcatraz-Insel entkommen sein. Art Roderick ist der leitende Chefinspektor des Falls und beschäftigt sich seit über 20 Jahren damit. “Wenn man an solchen Fällen arbeitet, gibt es irgendwann ein bestimmtes Gefühl, wo alles langsam zusammenpasst”, sagte er. “Jetzt habe ich dieses Gefühl.”

Flucht nach Südamerika?

Die Widners zeigen dem amerikanischen Publikum ihre neuesten Erkenntnisse nächsten Montag in einer Dokumentation auf dem “History Channel”. David Widmer möchte seine Nachformschungen weitertreiben und ein Buch verfassen. Forscher wollen der These, dass sich die drei in Brasilien befinden sollen, nachgehen.

Würde man die drei Häftlinge, die ja eigentlich immer noch “wanted” sind nach amerikanischer Justiz, tatsächlich gefunden werden, hätten sie wohl aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters keine Gefahr, dass sie in die Haftanstalt zurück müssen.

Wer sich für Ausbruchgeschichten dieser Art begeistern lässt, der sollte unbedingt die folgenden 10 Ausbruchs-Filme schauen:

1. Wie angesprochen: Die Flucht von Alcatraz (Originaltitel: “Escape from Alcatraz”). Don Siegel verfilmte die oben erzählte Geschichte von den Angler-Brüdern und Francis Morris im Jahre 1979. Clint Eastwood spielt Francis Morris. Ein spannender, durchkomponierter Film. Ein Klassiker und definitiv “must-watch” im Ausbruchs-Genre.

Das Cover von "Escape from Alcatraz. (Bild: clinteastwoodarchive.com)

Das Cover von “Escape from Alcatraz. (Bild: clinteastwoodarchive.com)

2. Midnight Express. Auch ein Klassiker, und zwar ein heftiger. Das Drama von Alan Parker (1978) erzählt die Geschichte von Billy Hayes, ein US-amerikanischer Student, der versucht, Haschisch aus der Türkei zu schmuggeln. Er wird am Flughafen verhaftet und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Ihm gelingt die Flucht, indem er einen Gefängniswächter tötet und mit dessen Uniform bis an die griechische Grenze flüchtet. Wer einen Grund braucht, keine Drogen aus dem Urlaub mitzubringen, sollte diesen Film schauen – auch wenn er Kritikern zufolge ein brutalisiertes Bild der Türkei in Hollywood vermittelt hat. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, und so sieht der echte Billy Hayes aus:

Billy Hayes an einer Pressekonferenz in Istanbul 2007. (AP Photo/Murad Sezer)

Billy Hayes an einer Pressekonferenz in Istanbul 2007. (AP Photo/Murad Sezer)

 

3. Nun etwas weg von der Realität. 1981 kam der Film “Escape from New York” (der deutsche Filmtitel lautet “Die Klapperschlange”) auf die Leinwand, der Kurt Russel den Durchbruch in Hollywood brachte. Der Science-Fiction-Film handelt von der Zukunft (für damals) im Jahre 1997. New York hat keinen Platz mehr für Häftlinge, die Gefängnisse sind voll. Ganz Manhatten wird zu einer Gefängniszone umgewandelt. Dem Elitesoldaten Snake Plissken (gespielt von Kurt Russel) gelingt die Flucht, als er den Präsidenten aus dem Gefängnis retten soll, der zuvor mit seiner Air Force One-Maschine abgestürzt war. Doch der führt nichts Gutes im Schilde. Spannung garantiert! Ein Detail zum Dreh: Das Gefängnis, das als Kulisse diente, gibt es wirklich und befindet sich in Bolivien. Wie im Film ist auch die Haftanstalt in Bolivien mehr oder weniger autonom und von Banden kontrolliert.

Ein Film-Plakat von "Escape form New York".

Ein Film-Plakat von “Escape form New York”.

 

4. Ein Kultfilm von Jim Jarmusch gehört auch auf diese Liste. “Down by Law” ist eine Schwarzweiss-Komödie aus dem Jahre 1986. Drei Häftlingen brechen zusammen aus und erleben einiges an Kuriositäten. Der Film kommt zwar aus dem Independent-Genre, ist aber auch in der breiten Masse gut angekommen, nicht zuletzt wegen der Besetzung: Tom Waits und Roberto Benigni spielen zwei der drei Hauptrollen. Der Film wurde für seinen skurrilen Humor und die passende Musik (ebenfalls Tom Waits’ Werk) hoch gelobt.

Szene aus "Down by Law". (Bild: openculture.com)

Szene aus “Down by Law”. (Bild: openculture.com)

 

5. “The Rock“, oder auf deutsch “The Rock – Fels der Entscheidung”, gehört natürlich in die Liste. Auch wenn der Film aus dem Jahre 1996 kein klassischer Ausbruch-Film ist. Aber Alcatraz ist Alcatraz. Im Action-Streifen muss der FBI-Bombenexperte die Insel Alcatraz von einem General (Ed Harris) befreien, der sich in Alcatraz verschanzt hat und droht, Giftgasraketen auf San Francisco abzuschiessen. Das gelingt ihm nur mithilfe des hochgefährlichen Spions Mason (Sean Connery), der einzige, dem die Flucht jemals gelungen ist. Der Film gehörte zu den erfolgreichsten seiner Zeit und spielte weltweit etwa 335 Millionen Dollar ein. Hier der Trailer, der Lust macht, diesen Film mit unserem Lieblingsschotten wiedermal zu schauen:

6. Und damit zu einem netten Ausbruchs-Film Ende 90er: Out of Sight. George Clooney alias Jack Foley ist ein überaus höflicher Bankräuber und flüchtet mit einem Kumpel aus dem Knast. Karen Sisco (gespielt von Jennifer Lopez) beobachtet den Vorfall zufällig und wird von den beiden als Geisel genommen. Der Rest des Films ist eigentlich nur noch Geflirte zwischen Clooney und Lopez. Trotzdem wurden der Drehbuchautor (und auch die Cutterin) für den Oscar nominiert. George Clooney kassierte 10 Millionen US-Dollar Gage, während Jennifer Lopez sich mit lediglich zwei Millionen zufrieden geben musste. Einfach nicht fair, diese Unterbezahlung, und natürlich hat Lopez Recht, wenn sie beklagt, dass ihr Honorar für den Film zu niedrig war.

7. Ein Kultfilm sondergleichen: “O Brother, Where Art Thou?” Die Coen-Brüder haben im Jahre 2000 einen Kinofilm rausgehauen, der von Sträflingen in den 30er-Jahren während der Weltwirtschaftskrise handelt. Der Film beginnt mit der Flucht von drei Häftlingen, die an einen bestimmten Ort flüchten wollen. Die Reise wird zur Odyssee mit vielen merkwürdigen Begegnungen. Der Titel ist übrigens aus dem Altenglischen und heisst so viel wie “Oh Bruder, wo bist Du?”. Die Frage spielt direkt auf die Bibel an.

(Bild: onlinemovies.pro)

(Bild: onlinemovies.pro)

8. Das Experiment. Der deutsche Film (2001) mit Moritz Bleibtreu in einer der Hauptrollen beruht auf einer wahren Begebenheit. Ein Team von Wissenschaftlern stellt eine Gruppe von 20 Menschen zusammen, die in Wärter und Gefangene eingeteilt werden. Das Team beobachtet, wie sich das Machtgefüge entwickelt. Das Projekt gerät komplett aus den Fugen und wird zu einem Kampf ums Überleben. Das Experiment wurde 1971 an der Stanford University durchgeführt. In Wirklichkeit kam es dort aber nicht zu Mord und Totschlag: Am 6. Tag wurde das Experiment abgebrochen. Trotzdem ein sehr sehenswerter Film, der viele Fragen aufwirft.

9. Es geht auch über einen längeren Zeitrahmen: Die Serie Prison Break (Erstausstrahlung 2005) hat einen Gefängnisausbruch über mehrere Staffeln ausgedehnt. Aber die Aufgabe des Protagonisten ist auch äusserst schwierig: Michael Scofield (gespielt von dem wunderschönen Wentworth Miller) will seinen zum Tode verurteilten Bruder aus einem Hochsicherheitsgefängnis retten. Den Fluchtplan hat er nicht im Kopf, sondern als Tattoo auf dem Rücken manifestiert. Dafür lässt er sich selber einlochen. Spannende US-Serie, zumindest die ersten beiden Staffeln.

10. Und zu guter Letzt: Shutter Island. Ob der Psychothriller aus dem Jahre 2010 von Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle ein Meisterwerk ist oder nicht, da scheiden sich die Geister. Der Ermittler Edward “Teddy” Daniels untersucht in einer Klinik für psychisch gestörte Schwerverbrecher das Verschwinden einer Frau und wird zunehmends in die Fängen der psychischen Verwirrung gezerrt. Äusserst spannend, auch gruselig, und DiCaprio in einer seiner überzeugendsten Rollen.

(red)


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