Lehrplan 21 kommt vors Volk

Lehrplan 21 kommt vors Volk
© Keystone/Christian Beutler
Die Einzelinitiative “Für eine starke Volksschule” zielt auf die Ablehnung des Lehrplans 21 im Kanton Appenzell Innerrhoden. Der Grosse Rat schmetterte die Initiative am Montag ohne Gegenvorschlag ab. Das letzte Wort hat die Landsgemeinde Ende April 2016.

Die Standeskommission empfahl dem Kantonsparlament die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung. Im Kanton St.Gallen war eine ähnliche Initiative für ungültig erklärt worden, weil solche Gesetzesänderungen nicht möglich seien, solange St.Gallen Mitglied des Harmos-Konkordats sei.

Appenzell Innerrhoden gehöre weder dem Harmos-Konkordat an, noch würden in der Primarschule zwei Fremdsprachen unterrichtet, sagte Grossratspräsident Pius Federer.

Lehrpersonen nicht bevormunden

Die Initiative will, dass nur Jahrgangsklassen geführt werden, altersdurchmischte Klassen sind nur im Ausnahmefall vorgesehen. Ausserdem wird Frontalunterricht gefordert. “Das wäre eine Bevormundung der Lehrpersonen”, sagte Landammann Roland Inauen, Vorsteher des Erziehungsdepartements.

Auch will die Initiative den Fächerkatalog für Kindergarten, Primarschule und Oberstufe fest definieren. “Das Fächerangebot ist dynamisch und verändert sich mit den Generationen”, erklärte Inauen. Solange es gehe, halte Innerrhoden daran fest, dass die erste Landessprache Französisch ab der Oberstufe von Fachkräften unterrichtet werde. “Das System hat sich bewährt”, so Inauen.

Keine altersdurchmischte Klassen vorgesehen

Die Initiative könne nur das Schulgesetz abändern und nicht den Lehrplan 21. Dieser soll Ende 2016 von der Landesschulkommission verabschiedet werden und 2018 in Kraft treten. Es werde in Appenzell Innerrhoder auch in Zukunft keine Basisstufe geben und auch keine altersdurchmischte Klassen, versprach Inauen. Am Schulnoten-Katalog 1 bis 6 werde festgehalten.

Im Rat wurde an der Initiative kein gutes Haar gelassen: Sie wolle die Schule 50 Jahre zurückdrehen und eine vermeintlich heile Welt wieder auferstehen lassen, sagten verschiedene Rednerinnen. Der Lehrplan 21 richte sich nach den Kompetenzen der Kinder und nicht nach ihren Defiziten.

Die Initiative wolle pädagogische Aufgaben auf die politische Ebene heben, kritisierte ein weiterer Grossrat. Ein gemeinsamer Lehrplan sei eine Chance. Auch die Kommission für Soziales, Gesundheit, Erziehung und Bildung sprach sich gegen die Einzelinitiative aus. Der Rat lehnte die Vorlage einstimmig ab.

(SDA)


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