Letztmals startete das Nationalteam 1972 ohne Trainer in die Saison

Eric Blum, Simon Bodenmann und Roman Josi feiern nach einem Treffer an der WM in Prag zusammen mit ihren Teamkollegen auf der Bank
Eric Blum, Simon Bodenmann und Roman Josi feiern nach einem Treffer an der WM in Prag zusammen mit ihren Teamkollegen auf der Bank © KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Das Eishockey-Nationalteam startet am Freitag in Augsburg am Deutschland-Cup in die neue Saison. Noch niemand hat eine Ahnung, wer im Frühling an der WM in Moskau an der Bande stehen wird.

Im Herbst 1972 bestritt die Schweizer Hockey-Nati letztmals Länderspiele ohne einen offiziellen Nationalcoach. Damals wurden Stu Robertson als Coach und Urs-Dieter Jud als TK-Chef erst nach den ersten Länderspielen im November gefunden. Und an der darauf folgenden B-WM in Graz im Frühling 1973 stieg die Schweiz in die C-Gruppe ab.

Im Moment ist die Situation um die Nationalmannschaft fast noch zerfahrener als damals. Der Kanadier Glen Hanlon wurde vor vier Wochen überraschend entlassen. Seither wurde mit Felix Hollenstein ein interimistischer Nachfolger eingesetzt, der für den Deutschland-Cup gleich wieder absagen musste. Die beiden besten Kandidaten des Verbandes für die Nachfolge (Arno Del Curto und Kevin Schläpfer) mussten oder wollten absagen. Nun steht in Augsburg gegen Deutschland (am Freitagabend), die USA (Samstagnachmittag) und die Slowakei (Sonntagmittag) der vollamtliche U20-Nationaltrainer John Fust an der Bande der A-Nationalmannschaft. Dabei wäre in dieser Woche Fusts Präsenz bei den Junioren, die den letzten Zusammenzug vor der U20-WM in Helsinki absolvieren, viel wichtiger.

Die Suche nach dem Nachfolger für Glen Hanlon steht praktisch still. In dem Monat, seit der Entlassung des Kanadiers, wurde von der Verbandsführung diese Woche einzig beschlossen, dass der neue Mann wieder im Vollmandat angestellt werden soll. Immerhin wurden Bewerbungen entgegen genommen. Die Vorstellung des neuen Nationalcoachs ist aber nicht unbedingt vor Weihnachten zu erwarten.

Der Schweizer Pass gilt mittlerweile auch nicht mehr als oberstes Anforderungsprofil für den neuen Nationaltrainer. Den Begriff “Swissness” könne man auch so deuten, dass der neue Mann an der Bande einfach “ein Herz fürs Schweizer Eishockey” haben muss, so Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer. Das gilt beispielsweise für Larry Huras, der diese Woche in Schweden entlassen worden ist. Bis zur definitiven Lösung wird nach John Fust das Klotener Urgestein Felix Hollenstein im Dezember das Schweizer Team als interimistische Lösung ans Heimvierländerturnier in Arosa führen.

Für das Heimturnier in Arosa wird der Verband zweifellos die schlagkräftigere Mannschaft aufbieten als diese Woche für den Deutschland Cup. Letzte Saison gelangten 69 verschiedene Akteure in der A-Nationalmannschaft zum Einsatz, so viele wie noch nie vorher und rund 20 mehr als beispielsweise in den Jahren unter Ralph Krueger.

Mittlerweile verfügt die halbe NLA über Nationalmannschaftserfahrung. Man wolle jungen Akteuren die Möglichkeit geben, internationale Erfahrungen zu sammeln und dadurch besser zu werden, so lautet der nicht neue Slogan des Verbandes. Klar ist: Für die vielen zusätzlichen Wettbewerbsspiele, die in den letzten beiden Saisons durch Champions Hockey League und Schweizer Cup dazu gekommen sind, muss primär das Nationalteam büssen. Mittlerweile sagen Klubvertreter sogar in aller Öffentlichkeit, sie fänden, es reiche durchaus, wenn die Besten an der Weltmeisterschaft mit von der Partie sind.

In der renovierten Augsburger Curt-Frenzel-Arena spielen diese Woche mit Robin Grossmann, Timo Helbling, Romain Loeffel, Luca Cunti, Etienne Froidevaux, Simon Moser, Reto Suri und Julian Walker nur acht “echte” Nationalspieler, die schon mindestens einmal an einer Weltmeisterschaft mit von der Partie gewesen sind. Die restlichen zwei Drittel der Equipe bilden sechs Debütanten sowie Spieler, die mit Ausnahme von Alessandro Chiesa (22) und Inti Pestoni (23) alle weniger als 20 Länderspiele bestritten haben.

Bietet sich dieser Auswahl die Chance, am Deutschland-Cup um den Sieg mitzuspielen? Auf jeden Fall! Als Sean Simpson vor fünf Jahren erstmals einen Zusammenzug als “Future Week” bezeichnete und 15 Debütanten aufbot, gewann die Schweiz in München gegen die Slowakei (2:0) und Kanada (2:1 n.V.), erst im letzten Spiel gegen Deutschland (1:2) wurde der Turniersieg im letzten Spielabschnitt verspielt.

Im Bayerischen treffen die Schweizer aber auf starke Gegner. Gastgeber Deutschland nominierte die stärkstmögliche Equipe; die Deutschen erhoffen sich ein starkes Debüt unter ihrem neuen Nationalcoach Marco Sturm. Die USA, die alle zwei Jahren am Deutschland Cup starten, stellten ein Team aus Legionären der Ligen Schwedens, Finnlands, Russlands, Deutschlands und der Schweiz zusammen. Aus der Schweiz erhielten Tim Stapleton (Biel), Jim Slater (Servette), Chad Kolarik (Kloten) und Aston Matthews (ZSC Lions) ein Aufgebot.

Zumindest Jungstar Matthews musste wegen Rückenbeschwerden aber absagen, auch Kolariks Einsätze erscheinen fraglich. Dennoch figurieren im amerikanischen Teams elf Akteure, die schon an Weltmeisterschaften mit dabei waren, acht haben sogar schon mit dem Team USA Medaillen gewonnen. Die Slowakei reiste ähnlich wie die Schweiz mit einem jungen Team nach Augsburg.

Augsburg. Deutschland Cup. Spielplan. Freitag, 6. November: USA – Slowakei (16.00 Uhr). Deutschland – Schweiz (19.30). – Samstag, 7. November: USA – Schweiz (14.00 Uhr). Deutschland – Slowakei (17.30). – Sonntag, 8. November: Slowakei – Schweiz (13.00 Uhr). Deutschland – USA (16.30).

(SI)


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