Nach Terrorattacke gehen Ermittler von Islamisten-Zelle aus

Der spanische Badeort Cambrils liegt rund 100 Kilometer südlich von Barcelona.
Der spanische Badeort Cambrils liegt rund 100 Kilometer südlich von Barcelona. © Keystone
Hinter den Anschlägen in Barcelona und im Küstenort Cambrils mit mindestens 14 Toten und 130 Verletzten vermuten die Sicherheitsbehörden offenbar eine bis zu zwölfköpfige Terrorzelle.Sie sollen ursprünglich einen «noch grösseren Anschlag» geplant haben.

Vier mutmassliche Terroristen wurden festgenommen. Unter den vier Festgenommenen befanden drei Marokkaner und ein Spanier, wie die Polizei mitteilte. Keiner der 21- bis 34-Jährigen sei bislang im Zusammenhang mit Terrorismus in Erscheinung getreten.

In Barcelona kamen 13 Menschen beim Anschlag zu Tode, mehr als 100 wurden verletzt. Wenige Stunden später wurde im Badeort Cambrils rund 100 Kilometer weiter südlich eine Frau von flüchtenden Terroristen getötet.

Die Polizei erschoss in der Touristenhochburg anschliessend an der Costa Dorada fünf mutmassliche Mitglieder der Terrorzelle und verhinderte damit einen weiteren Anschlag. Drei der fünf mutmasslichen Attentäter seien inzwischen identifiziert.

Unklar ist, wo sich der Haupttäter von Barcelona befindet, der mit einem Lieferwagen in Gruppen von Passanten gerast war. Einerseits hiess es, es werde noch nach ihm gefahndet.

Andererseits sei es nicht auszuschliessen, dass unter den Erschossenen auch der Fahrer des Kleintransporters war. Gewiss sei dies jedoch nicht, teilte die Polizei mit.

Beim Mann könnte es sich nach übereinstimmenden Berichten spanischer Medien um den den 17-jährigen Moussa Oukabir aus Ripoll handeln. Dafür gab es aber keine offizielle Bestätigung.

Der Marokkaner, dessen Alter von einigen Zeitungen auch mit 18 Jahren angegeben wurde, soll nach der Todesfahrt zu Fuss geflüchtet sein. Er soll nach diesen Informationen seinem älteren Bruder Driss dessen Pass gestohlen und unter dessen Namen den Transporter angemietet haben. Dies habe Driss Oukabir nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei bestätigt, hiess es.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag von Barcelona laut ihrer Propagandaorganisation Amak für sich. Die Attacken in Barcelona und Cambrils waren nach Ansicht der Sicherheitskräfte allerdings nicht das Werk von Einzeltätern, sondern eines organisierten Kommandos. Die katalanische Polizei teilte mit, zwischen beiden Verbrechen bestünde ein Zusammenhang.

Die Terroristen hätten die Attacken vermutlich seit längerer Zeit in der kleinen Ortschaft Alcanar vorbereitet. In der Gemeinde mit knapp 10’000 Einwohnern südlich von Tarragona war am Mittwoch bei einer Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben gekommen. Dort sollen nach Informationen der Zeitung «El País» etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein.

In Cambrils hatten die fünf Terroristen nach Angaben der Polizei kurz davor gestanden, einen ähnlichen Anschlag wie in Barcelona zu verüben. Die fünf Männer ergriffen die Flucht, als sie mit ihrem Auto von der Polizei gestoppt wurden.

Die Verdächtigen seien davongerast und hätten Passanten angefahren, hiess es. Dabei wurden sieben Menschen verletzt, eine Frau starb später.

Auf der Flucht kippte das Fahrzeug um. Nach Angaben der Polizei verliessen die Insassen mit Äxten und Messern bewaffnet das Fahrzeug. Zunächst hatte es geheissen, die fünf Männer hätten Sprengstoffgürtel getragen. Diese erwiesen sich später jedoch als Attrappen, teilte die katalanische Polizei mit.

Die katalanischen Rettungsdienste teilten mit, die Opfer der Anschläge von Barcelona und Cambrils stammten vermutlich aus 34 Ländern. Die Zahl sei noch vorläufig.

Wie viele Opfer jeweils aus welchem Land stammen, war noch ungewiss. Informationen über Schweizer Opfer lagen laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vom späten Freitagnachmittag nicht vor.

Spaniens König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy begaben sich nach Barcelona, wo sie an der Seite der Regionalregierung an einer Schweigeminute teilnahmen. In Spanien wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

(SDA)


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