Liniger: “Finalissima war Abziehbild der ganzen Serie”

Die Kadetten Schaffhausen wurden bislang neunmal Meister und achtmal Cupsieger
Die Kadetten Schaffhausen wurden bislang neunmal Meister und achtmal Cupsieger © KEYSTONE/WALTER BIERI
“Bloss e chliini Stadt mit bürgerleche Wänd. Bloss e chliini Stadt, wo ein dr anger kennt.” Schaffhausen, wie es besungen worden ist, flippt nicht mehr aus, wenn die Kadetten Meister werden.

Eine Freinacht gibt es in Schaffhausen bei einer Meisterfeier der Kadetten nach neun Titelgewinnen in elf Jahren nicht mehr. Im Stadion-Pub darf man bleiben, so lange man bleiben will, aber irgendwann verschiebt sich die Mannschaft und der restliche Tross in den Night-Club. Und im Städtchen bekommen die Leute wenig mit von den Festivitäten.

Dennoch stellte der jüngste Meistertitel der Kadetten Schaffhausen wieder etwas Besonderes dar. Zum ersten Mal seit 40 Monaten (seit einem 35:40 gegen die Füchse Berlin in der Champions League im Februar 2013) war die Arena in Schaffhausen wieder ausverkauft. Und die 3150 Zuschauer werden das gebotene Spektakel im entscheidenden Playoff-Final beim 30:28 über Wacker Thun lange nicht vergessen: Das Skore erhöhte sich über 4:6 und 17:9 auf 27:27 fünf Minuten vor Schluss. “Am Ende schlug sich das Glück auf unsere Seite”, stellte Manuel Liniger (34) fest, der Team-Leader der Kadetten. “Der Sieg mag glückhaft gewesen sein, verdient war er aber allemal.”

Wie erlebten Liniger und die Teamkollegen das Auf und Ab während des Spiels? Manuel Liniger: “Die fünfte Partie war das Abziehbild der vorangegangenen Spiele in dieser Playoff-Serie. Kein Vorsprung war sicher. In Spiel 2 in Thun lagen wir 1:8 zurück, ehe wir doch noch führten und am Ende dennoch verloren. Uns war beim Stand von 17:9 durchaus klar, dass wir das Niveau halten müssen. Das gelang uns zwar nicht, aber dennoch fanden wir am Ende einen Weg zum Sieg. Genau dank diesen Momenten begeben wir uns täglich in die Halle oder in den Kraftraum. Wenn du am Ende so den Titel feiern kann, ist das eine tolle Belohnung fürs ganze Jahr.”

Trotz des Double-Gewinns lief für die Kadetten in der zu Ende gegangenen Saison nicht alles nach Plan. In der Champions League wurde das Weiterkommen sogar in der zweitklassigen Gruppe verpasst. Das zweite Verpassen der Achtelfinals hintereinander gab den Ausschlag, dass Trainer Markus Baur die Saison nicht beenden durfte. Der Däne Lars Walther übernahm. Liniger: “Zur perfekten Saison fehlte das Weiterkommen in der Champions League. Aber die Mannschaft hat die Lehren aus dem europäischen Scheitern gezogen. Es gelang uns, die vielen Fehler, die uns im Herbst unterliefen, abzustellen. Dank des Meistertitels können wir im Herbst in der Champions League einen neuen Anlauf nehmen.”

Derweil die Kadetten Champagner verspritzten, mussten die wackeren Thuner eine bittere Niederlage verarbeiten. “Details” hätten gegen sein Team entschieden, meinte Trainer Martin Rubin, der einstige Schweizer Handballgott. “Aber ich bin extrem stolz auf meine junge Mannschaft. Wir haben das übermächtige Schaffhausen bis aufs Blut gereizt. Meine jungen Akteure zeigten am Donnerstagabend eine Weltklasseleistung. Die Kadetten gewannen am Ende nur, weil wir uns vor der Pause zu viele Fehler leisteten. Sie leisteten sich einen technischen Fehler, wir leisteten uns sieben. Das machte den Unterschied aus.”

Ein wenig stolz war auch Lukas von Deschwanden, Thuns Goalgetter und der erfolgreichste Werfer der Liga. Von Deschwanden: “Aber das bisschen Stolz nützt nichts. Der Titelgewinn wäre dringelegen, und das macht die Niederlage sehr bitter. Denn letztlich spielen wir um Titel. Und jetzt ist die Saison zu Ende und wir stehen mit leeren Händen da.”

(SDA)


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