«Männer denken, ich reite mit Rössli»

Von Lara Abderhalden
Jasmin Preisig liebt es die Sau raus zu lassen auf der Rennstrecke.
Jasmin Preisig liebt es die Sau raus zu lassen auf der Rennstrecke. © FM1Today/Lara Abderhalden
Sie hat weder Angst, noch Mühe mit einparken oder rückwärts fahren. Sie lässt gerne die Sau raus und drückt so richtig auf das Gaspedal. Was sie fasziniert, ist Geschwindigkeit. Was sie liebt, ist das Austesten der Grenzen. Jasmin Preisig aus Schwellbrunn fährt in der dritthöchsten Touring Car Liga in Deutschland. Zusammen mit einer Polin ist sie die einzige Frau, die sich gegen ein Feld voll Männer behauptet.

Jasmin Preisig kam schon fast mit einem Lenkrad in der Hand zur Welt. Sie selbst sagt: «Schon als Baby habe ich das Autofahren geliebt. Ich bin immer innert Sekunden eingeschlafen, so wohl habe ich mich gefühlt.» Ihr Vater besitzt eine Autogarage in Schwellbrunn, er selbst war schon im Motorsport tätig. So war es fast schon eine Bestimmung, dass Jasmin Preisig eines Tages selbst auf die Tube drückt.

«Zum Glück muss man beim Rennen nicht parkieren»

Angefangen hat sie mit Gokart, letztes Jahr startete sie mit ihrem neuen Opel Astra TCR erste Rennen in der ACAD TCR Meisterschaft Germany. Dieses Jahr ist sie bei der ganzen Meisterschaft dabei. Gegen 44 Fahrer tritt sie an, dabei sind sie und eine Polin die einzigen Frauen. Der Sport ist klar von Männern dominiert und Jasmin Preisig die einzige in der Schweiz, die auf so hohem Niveau Touring Rennen fährt. Natürlich ist es für die 24-Jährige nicht immer einfach, sich unter so viel Testosteron zu behaupten: «Ich höre immer wieder das Vorurteil, Frauen können nicht fahren oder zum Glück musst du beim Rennen nicht parkieren oder rückwärts fahren.»

Die Ausserrhoderin kann mit diesen Vorurteilen umgehen: «Bis jetzt konnte ich mich als Frau immer behaupten oder mir den nötigen Respekt verschaffen.» Es gebe aber immer wieder Männer, die nicht schlecht staunen, wenn Jasmin Preisig nach einem Rennen aus dem Auto steigt: «Mit Helm sieht man natürlich die Haare nicht. Manch einer erschrickt, wenn er sieht, dass sich eine Blondine unter dem Helm verbirgt.»

Auch Frauen können die Sau raus lassen

Nebst vielen blöden Sprüchen erfährt Jasmin Preisig aber auch Anerkennung: «Viele sind begeistert, freuen sich, dass auch eine Frau in diesem Sport tätig ist. Manche denken auch, dass ich mehr mit Rössli unterwegs bin und sind dann überrascht, wie schnell ich bin. Es ist schon speziell.»

Speziell, aber auch schön. Dass das Rennfahren ausschliesslich ein Männersport ist, glaubt Jasmin Preisig nicht: «Es sind halt hauptsächlich Männer, die sich dafür interessieren. Frauen können doch aber genauso Gas geben und die Sau raus lassen, oder nicht?»

Das erste Rennen fährt Jasmin Preisig am 28. und 29. April in Oschersleben. Ihr Ziel: Sich in der ersten Hälfte platzieren. Hier ein Einblick ihrer Fahrkünste auf dem Nürburgring und in Oschersleben:

«Ich habe keine Angst»

Genau das ist es, was die gelernte Kauffrau auch so an ihrem Sport interessiert: «Ich liebe die Geschwindigkeit. Ich kann so schnell fahren, wie ich will, ohne dabei Angst um eine Busse zu haben. Ich kann mich ausleben, kann an die Grenzen gehen. Mit dem Auto kann ich alles machen, was ich will. Es gibt mir einen Adrenalinkick und hat man diesen einmal erhalten, möchte man dieses Gefühl nie wieder loswerden.»

Angst hat die Schwellbrunnerin keine. Darf sie auch überhaupt nicht. In ihrem Hobby wäre dies verheerend. «Wenn man Angst hat, fährt man verhalten. Ich habe keine Angst. Es kann mir genauso etwas passieren, wenn ich die Strasse überquere.» Erst einmal hatte sie bei einem Gokart-Rennen einen Unfall. Dann sei es vor allem wichtig, die Kurve immer wieder zu fahren, damit die Angst verschwindet.

Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort

Auch wenn Jasmin Preisig gerne auf das Gaspedal drückt und den Männern um die Ohren fährt, im normalen Verkehr ist sie eine ganz Anständige. Sie könne sich auf der Rennbahn ausleben und: «Mir ist mein Fahrausweis extrem wichtig. Ich bin auf mein Auto angewiesen, da ich auf dem Land lebe. Deshalb halte ich mich auch an alle Verkehrsregeln.»  Ihr «normales» Auto, wiederum ein Opel Astra, habe auch etwas weniger Leistung.

Bis jetzt fährt die Appenzellerin nur hobbymässig Rennen. Ein Traum wäre es natürlich, das Hobby zum Beruf zu machen. Das ist aber nicht ganz einfach. Die Konkurrenz ist gross und es braucht viel Geld: «In je höheren Kategorien man fährt, desto grösser die Konkurrenz und das Budget, das man braucht. Bis jetzt verdiene ich mir meine Brötchen selbst mit meinem Job als Kauffrau.» Aber sie hoffe stets, entdeckt zu werden: «Im Rennsport muss man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein.»


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