Mafia-Mitglieder im Thurgau verhaftet

Mafia-Mitglieder treffen sich in Frauenfeld.
Mafia-Mitglieder treffen sich in Frauenfeld. © pd
In den Kantonen Thurgau, Zürich und Wallis sind auf Anordnung des Bundesamtes für Justiz 15 mutmassliche Mitglieder der Mafia-Vereinigung ‘Ndrangheta festgenommen worden.

Im Kanton Thurgau wurden zwölf der 15 ‘Ndrangheta-Mitglieder verhaftet. Wie das Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilt, sei die Aktion auf ein italienisches Auslieferungsersuchen erfolgt. Grundlage der Ersuchen seien Haftbefehle und Urteile wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation. Zwei Personen wurden bereits zu Freiheitsstrafen von neun und sechs Jahren verurteilt.

Frauenfelder Mafia-Zelle

Wie den Auslieferungsersuchen zu entnehmen ist, sollen die vorwiegend im Kanton Thurgau wohnhaften Personen Mitglieder der Frauenfelder Zelle der kalabresischen ‘Ndrangheta sein. Die Italiener hätten Treffen organisiert, an speziellen Riten teilgenommen und würden sich bedingungslosem Gehorsam unterwerfen. Das BJ gelangte zum Schluss, dass der in den Ersuchen dargelegte Sachverhalt auf den ersten Blick auch in der Schweiz strafbar ist und damit namentlich die beidseitige Strafbarkeit als Voraussetzung für eine Auslieferung erfüllt ist.

Vermutet wurde eine lokale ‘Ndrangheta-Zelle in Frauenfeld schon lange. Bekannt wurde sie im August 2014, als die kalabresische Polizei in der süditalienischen Provinz zwei mutmassliche italienische Mafiosi mit Wohnsitz im Kanton Thurgau verhaftete und freimütig über Ermittlungen in der Schweiz informierte.

So soll die Thurgauer Zelle seit rund 40 Jahren bestehen und ein Ableger einer Verbrecherorganisation aus Fabrizia in der kalabrischen Region Vibo Valentia sein. Ihre Mitglieder sollen in den 1970er-Jahren in den Kanton Thurgau eingewandert und gemäss der italienischen Polizei hauptsächlich im Rauschgifthandel tätig sein.

Die Verhaftungen im vergangenen August in Kalabrien waren offenbar dank Abhören von Telefongesprächen möglich geworden. Zudem lobte die italienische Polizei die “ausgezeichneten Zusammenarbeit” mit den Schweizer Behörden.

Im Nachgang zu diesen Aussagen informierte auch die Bundesanwaltschaft über die Ermittlungen gegen 10 bis 20 Personen, die mit der kalabrischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta in Verbindung stehen sollen. Bundesanwalt Michael Lauber sprach damals von jahrelangen, aufwendigen Ermittlungen gegen die Gruppe, die im Drogen- und Waffengeschäft aktiv sein soll – allerdings vorwiegend in Italien.

Auslieferung hat Vorrang

Das von der Bundesanwaltschaft geführte Strafverfahren hätte grundsätzlich Vorrang vor einer Auslieferung an Italien. Aus prozessökonomischen Gründen könne jedoch die Auslieferung bewilligt werden. Die in der Schweiz verfolgten Straftaten erwiesen sich als Teil einer umfassenden Ermittlung der italienischen Behörden. Zudem wurden zwei Mitglieder dieser Zelle im Sommer 2014 in Italien verhaftet am 23. Oktober 2015 in erster Instanz zu Freiheitsstrafen von 14 bzw. 12 Jahren verurteilt. Die Bundesanwaltschaft erklärte deshalb, dass einer Auslieferung nach Italien der Vorrang zukommen soll.

Zwei Personen eingebürgert

Die festgenommenen Personen werden heute befragt. Erklärt sich eine Person mit der Auslieferung einverstanden, wird ein vereinfachtes Verfahren durchgeführt. Neben den festgenommenen Personen werden zwei weitere Personen zu einer Einvernahme vorgeladen. Da diese Personen eingebürgert worden sind, konnten sie nicht in Auslieferungshaft genommen werden. Ohne ihr Einverständnis können sie nicht an Italien ausgeliefert werden.

Der WOZ-Journalist und langjähriger Mafia-Beobachter Andreas Fagetti erklärt gegenüber FM1: “Die Schweiz dient der Mafia als Rückzugsort. Hier investieren sie ihr Geld wenn möglich in legale Geschäfte, betreiben also Geldwäscherei.” Wieso gerade im Thurgau so viele Mafiosi verhaftet worden sind, darüber kann Fagetti nur spekulieren: “Möglicherweise hat es damit zu tun, dass es in Süddeutschland viele Mafia-Zellen gibt. Hier wäre die Grenznähe der entscheidende Faktor.”

So berichtete TVO 2014 über die “erste” Thurgauer Verhaftungswelle im Jahr 2014:

(SDA/red.)


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